Kronach
Entscheidnug

Kreis Kronach tritt VGN noch nicht bei

Die Kosten wurden höher, der Landkreis Kulmbach tritt auch nicht bei. Unter anderem diese beiden Gründe nannte Landrat Oswald Marr (SPD), weshalb man dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) nun zunächst doch nicht beitreten wird. Für den Kreis ist das Thema deshalb aber noch nicht vom Tisch.
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Fahrkarten des VGN wird man in Kronach so schnell nicht lösen können. Es soll nämlich weiter verhandelt werden. Foto: Archiv
Fahrkarten des VGN wird man in Kronach so schnell nicht lösen können. Es soll nämlich weiter verhandelt werden. Foto: Archiv
Und dabei sah es vor wenigen Wochen bei der Klausurtagung des Kreistages noch so aus, als ob man beitreten wird. Seit Oktober 2006 stand der Landkreis in Verhandlung mit dem VGN. Ende 2011 legte dieser aufgrund Fahrgastbefragungen beziehungsweise Verkehrszählungen eine Kostenberechnung vor, auf deren Basis die weiteren Beitrittsverhandlungen geführt wurden. Im März 2013 haben dann aber plötzlich höhere Beitrittskosten vorgelegen.

"Wir sind der Meinung, dass noch mal nachverhandelt werden sollte", sagte Landrat Oswald Marr am Montag im Kreistag, nachdem man über dieses Thema vorab mit den Fraktionsvorsitzenden gesprochen hatte.

Verwunderung über Kehrtwende

Dennoch halte man einen Beitritt nach wie vor " aus strukturpolitischer Sicht" für sinnvoll. Es gelte lediglich, "Licht ins Dunkel zu bringen" und Verhandlungen bezüglich verlässlicher Kostengrößen zu führen.
Ralf Pohl (SPD) hielt diese Vorgehensweise für den richtigen Schritt. "Wenn kurz vor Beschlussfassung völlig neue Zahlen auftauchen, ist das nicht sehr professionell", erklärte er. Er regte an, Gespräche mit DB Regio zu führen und forderte eine Überprüfung des kompletten Nahverkehrs. "Danach können wir auf einer besseren Informationsbasis auch besser entscheiden. Es sind noch genügend Hausaufgaben zu erledigen."

Gerhard Wunder (CSU) zeigte sich etwas verwundert über die Kehrtwende. Was die Verbesserung der Verbindungen angehe, müsse man extra Geld in die Hand nehmen. Dies beinhalte der Beitritt zum VGN sowieso nicht. Auch Markus Wich (CSU) war "nicht froh" darüber: "Wir beklagen uns, dass wir nicht richtig angebunden sind und dann sind wir bei so einer Möglichkeit sehr vorsichtig. Ich würde nicht sagen, wir treten nicht bei, sondern würde versuchen weiter zu verhandeln. Wir sollten uns unbedingt auf den Weg machen - ohne die Bremse reinzuhauen."

Albert Rubel (CSU) hielt es angesichts dessen, dass "noch einiges unausgegoren ist und wir die Angebotspalette noch ausbauen müssen" für richtig, die Entscheidung zu verschieben.

Edith Memmel (Bündnis 90/Die Grünen) hätte sich gewünscht beizutreten, sah aber ein, dass " wir uns erst für uns vor Ort ordnen müssen." Damit sprach sie die "Spezialitäten des Landkreises" wie die Arbeiterbusse im oberen Frankenwald und den Diskobus und an. Mit einem überarbeiteten Konzept, welche Verbindungen es im Kreis braucht, könne man dann beschließen, beizutreten.

Drei Gegenstimmen

Dem schloss sich auch Ralf Pohl an: "Ohne eine Verbesserung unseres Nahverkehrs brauchen wir dem VGN gar nicht beitreten. Beide Sachen müssen parallel voran getrieben werden - aber unter Hochdruck. Es nutzt nichts, wenn man beispielsweise einen Besuch des Tropenhauses in Kleintettau anbietet, aber dann nur bis Steinbach am Wald kommt." Auch Stefan Wicklein (Freie Wähler) hielt den Beschlussvorschlag des Landrats für "eine vernünftige Sache". Schließlich gebe es noch einiges zu klären.

Letztlich beschloss der Kreistag bei drei Gegenstimmen, dem VGN zum 1. Januar 2014 noch nicht beizutreten. Dennoch bestehe weiter Interesse daran. Unter geänderten Rahmenbedingungen wird der Beitritt zum frühstmöglichen Zeitpunkt in Erwägung gezogen. Der Landrat soll weitere Verhandlungen im Hinblick auf verlässliche Kostengrößen sowie mögliche Beitrittszeitpunkte führen.
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