Kronach
Umzug

Kreis Kronach: Minimallösung für die Landwirte

Die Proteste gegen die Schließung der Kronacher Außenstelle des Landwirtschaftsamtes haben zu einem Teilerfolg geführt.
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In den kommenden Jahren wird die Kronacher Außenstelle des Landwirtschaftsamtes noch Anlaufstelle für Bauern aus dem Landkreis sein. Nach dem Umzug nach Kulmbach wird es aber zumindest an bestimmten Tagen eine Sprechstunde in der Cranach-Stadt geben. Foto: Marian Hamacher
In den kommenden Jahren wird die Kronacher Außenstelle des Landwirtschaftsamtes noch Anlaufstelle für Bauern aus dem Landkreis sein. Nach dem Umzug nach Kulmbach wird es aber zumindest an bestimmten Tagen eine Sprechstunde in der Cranach-Stadt geben. Foto: Marian Hamacher
Dieser verflixte eine Ton aber auch! Harmonisch reihen sich die Noten aneinander und wabern als sanfte Melodie aus dem Erdgeschossfenster der Berufsfachschule für Musik - bis der Finger plötzlich die falsche Klaviertaste erwischt. Wieder und wieder an derselben Stelle.

Wer in der Kulmbacher Straße auf dem Weg zur Kronacher Außenstelle des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (Alef) ist, darf auch in den kommenden Jahren akustisch die Fortschritte der Musikschüler verfolgen - auch wenn das Amt dann offiziell längst geschlossen ist.

Denn dann werde es "noch für etliche Jahre" Sprechtage in Kronach geben, bestätigte Martin Hecht, stellvertretender Pressesprecher des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf Anfrage von inFranken.de. Seinen Hauptsitz wird jener Mitarbeiter, der in Kronach Landwirte beraten und Anträge entgegennehmen soll, zu diesem Zeitpunkt allerdings in Kulmbach haben.
Vor fast genau einem Jahr stimmte das bayerische Kabinett in einer Sitzung in Kulmbach darüber ab, dort ein "Grünes Zentrum" errichten zu wollen - unter anderem als Standort des Alef sowie des ohnehin schon in der Bierstadt angesiedelten Kompetenzzentrums Ernährung (Kern). Was gleichzeitig aber auch das Aus der beiden Alef-Außenstellen Kronach und Stadtsteinach bedeutete - das zumindest im Kronacher Fall zu einem Aus auf Raten wird.


"Können ganz zufrieden sein"

Die Zusage gab Alef-Chef Hubert Bittelmayer den Vertretern der jeweiligen Landwirtschaftsämter sowie der Bauernverbände Kronach und Lichtenfels, als sie mit ihm am 16. Mai in München über eine Vielzahl an Themen sprachen. Mit dabei war auch der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner, der die Landeshauptstadt mit einem positiven Gefühl verließ. "Ich glaube, dass das eine gute Lösung ist", erklärt er. "Und mit dem, was wir erreicht haben, können wir auch ganz zufrieden sein."

Natürlich könne man nun darüber diskutieren, dass Kronach die Außenstelle verlieren wird. Doch da die Spitzen des Bauernverbandes schon signalisiert hätten, dass die Entwicklung hin zu mehr Online-Anträgen wohl nicht mehr aufzuhalten sei, sei eine tageweise Betreuung in einer Sprechstunde das Maximum dessen gewesen, was möglich war. "Der Amtschef hat gesagt, man wird es bedarfsgerecht machen", sagt Baumgärtner. "Was das bedeutet, wird sich zeigen." Ihm sei das Signal des Ministeriums wichtig gewesen, dass die Landwirte im Kreis Kronach nicht im Stich gelassen werden.
Erwin Schwarz, Kronacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), betrachtet die Situation etwas anders als Bittelmayer, denn nicht alles lasse sich einfach so über das Internet erledigen. "Ich finde es daher wichtig, dass es eine Art Vorortstelle gibt, bei der Anträge noch abgegeben werden können und man nicht extra dafür nach Kulmbach fahren muss", betont er.
Er vermutet, dass es sich um einen Tag in der Woche handeln wird, an dem ein Mitarbeiter des Amts in der Cranach-Stadt sein wird. "Das war die Minimallösung, die ich haben wollte. Für meine Bauern ist sie auch die einzige, die noch etwas bringt", findet Schwarz.

Entscheidend sei nun, wie stark das Angebot angenommen wird. Wenn der Ansprechpartner vor Ort sei und kein Landwirte komme, werde dieser Sprechtag auch schnell wieder gestrichen, ist Schwarz überzeugt. "Das ist einfach so - und auch verständlich!"


Kreistag entscheidet

Er stellt allerdings die Frage in den Raum, ob das Gebäude in der Kulmbacher Straße dann überhaupt noch die Anlaufstelle für Bauern sein wird, die ihre Anträge einreichen wollen. Schließlich gehöre es dem Kronacher Landratsamt. "Vielleicht vermieten die es dann lieber anderweitig."

Wie die weitere Nutzung des Grundstücks aussieht, sei dem Kreistag vorbehalten, erklärt Stefan Schneider, der das Büro von Landrat Klaus Löffler (CSU) leitet. Offiziell äußern werde sich Löffler zu der Kompromisslösung, wenn er eine schriftliche Information aus München erhalten habe. Das sei bislang aber noch nicht passiert, so Schneider.


Was noch dauern wird

Der Landrat warte zudem immer noch auf eine Antwort zu einem Brief, den er vor einem Jahr nach der Entscheidung des Kabinetts an den damaligen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) schickte. Darin bat er darum, die Kronacher Außenstelle nicht zu schließen (wir berichteten). Gerade für die Landwirte sei die Nähe zu kompetenten Ansprechpartnern vor Ort unabdingbar, schrieb er damals. Das gelte auch im Zeitalter der digitalen Medien.

Noch werden aber wohl einige Äcker bestellt werden, ehe das Alef endgültig nach Kulmbach umgezogen ist. "Bis das Grüne Zentrum fertig ist, kann es noch ein paar Jahre dauern", sagt Ministeriums-Pressesprecher Hecht. "Es ist alles noch im Werden."
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