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Steinbach am Wald
Interview

Kreis Kronach: "Der Antiquitätenmarkt bewegt sich seit Jahren nach unten"

Antiquitätenhändler Christian Heinlein aus Steinbach am Wald spricht darüber, was er von Sendungen wie Bares für Rares hält, warum bei Möbeln ein Stilwechsel ansteht und und welche Gegenstände ihm besonders oft angeboten werden.
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Wenn Christian Heinlein nicht gerade auf Antikmärkten unterwegs ist, steht er in Steinbach am Wald in seiner Werkstatt und bereitet für seine Kunden antike Möbel auf, die aus der umliegenden Region stammen. Foto: Marian Hamacher
Wenn Christian Heinlein nicht gerade auf Antikmärkten unterwegs ist, steht er in Steinbach am Wald in seiner Werkstatt und bereitet für seine Kunden antike Möbel auf, die aus der umliegenden Region stammen. Foto: Marian Hamacher

Inzwischen ist sie die erfolgreichste Sendung im Nachmittagsprogramm des ZDF: An die drei Millionen Zuschauer schalten täglich ein, wenn Moderator Horst Lichter in der Trödelshow "Bares für Rares" fleißig Händlerkarten verteilt. Was das große Interesse an Antiquitäten, Raritäten und Kuriositäten für Händler bedeutet, die unter der Woche nicht ein einem Fernsehstudio sitzen, weiß Christian Heinlein.

Ob alte Brotkästen, Küchenwaagen, Tische oder Kronleuchter - in seinem Antiquitätengeschäft in Steinbach am Wald hat der 52-Jährige so einige Gegenstände, die locker als Antiquität, Rarität oder Kuriosität durchgehen. Noch größer ist Heinleins Liebe allerdings zu antiken Möbeln aus der Region. Die verkauft der Schreinermeister nicht nur, sondern haucht ihnen als geprüfter Restaurator auch wieder neues Leben ein. "Ich besitze kein Möbelstück, zu dem ich nicht die Geschichte kenne", sagt Heinlein. Denn die mache jeden alten Gegenstand erst richtig besonders. Würden Sie mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass Sie als Antiquitätenhändler in einem Beruf arbeiten, der durch TV-Sendungen wie Bares für Rares in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype erlebt hat?

Christian Heinlein: Auf jeden Fall ist es so, dass ich in kein Haus reinkomme, in dem mir nicht erzählt wird, was in der letzten Sendung abgegangen ist.

Was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit?

Inzwischen bekomme ich im Grunde wöchentlich Anfragen, um Gegenstände zu bewerten und einzuschätzen, was sie wert sind. Es muss sich jeder sein eigenes Bild von diesen Sendungen machen und ich sehe sie auch durchaus kritisch. Aber es ist gut, dass sich die Leute nun eine Expertenmeinung einholen und dadurch nicht mehr von zwielichtigen Personen über den Tisch ziehen lassen.

Was an den Sendungen sehen Sie denn kritisch?

Zum einen dreht es sich um Einschaltquoten. Deswegen versucht der Sender ja auch urige und schrullige Typen dahinzustellen, die zotige Sprüche reißen. Für die Händler, die dort stehen, ist das natürlich alles super, die verdienen ja damit ein sehr ordentliches Geld. Und auch für deren Läden ist es selbstverständlich die beste Werbung überhaupt. Die Zuschauer saugen da jedes Wort auf und nehmen es für bare Münze. Und das finde ich schwierig.

Ist das Interesse an alten Gegenständen durch Bares für Rares gestiegen?

Es ist eher so, dass die Leute ihr Zeug verkaufen wollen. Bares für Rares ist nun einmal eine Verkaufssendung. Aber auf dieser Welle muss man mitschwimmen. Da hilft es gar nichts, wenn man sich dagegen stemmt. Also kaufe ich derzeit mehr, als dass ich verkaufe.

Was findet sich denn so auf den Dachböden im Kreis Kronach? Womit kommen die Menschen zu Ihnen?

Leider oft mit Sachen, die einfach nicht in Mode sind. Nähmaschinen kommen zum Beispiel mindestens einmal die Woche. Das ist aber einfach nicht mehr absetzbar.

Und was lässt sich besser absetzen?

Das ist schwierig (lacht). Wenn ich jetzt auf einen Antikmarkt fahre, kann ich aus Platzgründen ja nur begrenzt Ware einpacken. Manchmal hat man die verkehrten Sachen dabei, manchmal die richtigen. Man kann heute wirklich nicht mehr sagen: Ich fahre auf Antikmarkt X und komme mit diesen Einnahmen Y zurück. Das kann man schlicht nicht mehr berechnen.

Die Wertschätzung für ältere Gegenstände hat also abgenommen?

Die jungen Leute sammeln nicht mehr so. Die kaufen sich noch coole Sachen für die Wohnung, aber dass sie sich wie alte Sammler 70 Uhren an die Wand hängen, ist nicht mehr der Fall. Es muss auf jeden Fall einen gewissen Nutzen für sie haben.

Was bedeutet das für die Zukunft Ihrer Branche?

Der Antiquitätenmarkt bewegt sich seit circa fünf bis acht Jahren nach unten. Die Talsohle dürften wir aber fast erreicht haben, denn tiefer kann es eigentlich nicht mehr gehen. Es ist unglaublich, wie viele Kollegen um mich herum aufgehört haben.

Ihr Vorteil dürfte es sein, dass Sie sich auf antike Möbel spezialisiert haben und diese auch restaurieren. Was fasziniert sie so an diesen?

Vor allem die verschiedenen Stilepochen. An der Konstruktionen und dem Aufbau der Möbel erkennt man jeweils sehr schön die schreinerische Entwicklung. Die bürgerlichen oder ländlichen Möbel sind übrigens ein bisschen in den Hintergrund geraten. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass sie im Laufe der Jahrhunderte vielfach zerstört worden sind. Daher sind sie eigentlich die selteneren, denn Möbel von Adeligen sind schließlich immer reichlich gehegt und gepflegt worden.

Welcher Stil ist derzeit besonders gefragt?

Wir bewegen uns langsam auf den nächsten Stilwechsel zu. Momentan sind vor allem bei den jungen Leuten wieder schlichtere Sachen in. Alles, was so zwischen 1950 und 1970 kam. Das merkt man auch daran, dass die Preise deutlich anziehen. Zudem feiert der Bauhaus dieses Jahr sein 100. Jubiläum. Das dürfte dafür sorgen, dass Bauhaus-Sachen jetzt einen ganz großen Boom erfahren, den man jetzt noch gar nicht abschätzen kann. Einerseits durch das Jubiläum, anderseits durch den sich ändernden Zeitgeschmack.

Klingt, als ob Sie die Zukunft auf dem Möbelmarkt nicht ganz so düster sehen wie beim Antiquitätenmarkt.

Ich sage es mal so: Jemand, der das fünfte Mal versucht, einen Ikea-Schrank aufzubauen, der weiß einen alten Schrank zu schätzen, bei dem man unten zwei Keile rein schiebt - und er wieder hält.