Marktrodach
Technik

Kreis Kronach: Darum mäht beim FC Unter-Oberrodach nun ein Roboter den Rasen

Bei der Platzpflege geht der FC Unter-Oberrodach neue Wege: Seit gut einem Monat kürzt dort ein Mähroboter den Rasen. Den Namen Hans hat der neue "Platzwart" nicht ohne Grund bekommen.
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Etwa zwölf Stunden Pro Tag ist der Mähroboter den FC Unter-Oberrodach auf dem Fußballplatz unterwegs. Foto: Marian Hamacher
Etwa zwölf Stunden Pro Tag ist der Mähroboter den FC Unter-Oberrodach auf dem Fußballplatz unterwegs. Foto: Marian Hamacher
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Schatten? Fehlanzeige. Zwar stehen gleich einige Wolken am ansonsten strahlend blauen Himmel, doch auch kurz nach 16 Uhr kennt die Sonne noch immer kein Erbarmen. Sicherlich nicht die beste Situation, um den Rasen eines Fußballplatzes zu mähen. Immerhin an die 7200 Quadratmeter. Hans kümmert sich aber gar nicht erst um die auch am Nachmittag noch hohen Temperaturen.

Unbeeindruckt dreht er auf dem Grün des FC Unter-Oberrodach seine Bahnen. Allerdings nicht brav von rechts nach links, wie man das von einem Greenkeeper erwarten dürfte: Hans fährt, wie ihm lustig ist. Mal nach links, mal nach rechts - und zur Abwechslung einfach noch einen kleinen Bogen.

Was aber nicht etwa daran liegt, dass gerade ein schon etwas angetrunkener Greenkeeper mit seinem Aufsitzrasenmäher unterwegs ist. Hans ist ein Roboter. Ein Mähroboter. "Er fährt jeden Tag an die zwölf Stunden nach einem Zufallsprinzip auf dem Platz herum. Egal bei welchem Wetter", erklärt der Vereinsvorsitzende Mario Jankowski. "Am ersten Tag schafft er gut 60 Prozent des Platzes. Nach zwei bis drei Tagen hat er dann auch die restlichen Stellen erwischt."

Zwischendurch zieht sich der knapp 1,20 Meter tiefe wie breite graue Kasten zurück in seine Ladestation. Weit hat er es nicht. Gleich hinter einer Eckfahne neben einer braunen Holzhütte darf er wieder neue Energie sammeln.

Was immer schwieriger wird

Etwa 16 000 Euro hat sich der Kreisklassist den autarken Platzwart vor etwa einem Monat kosten lassen. Eine Investition, zu der sich der Verein aus gleich mehreren Gründen entschlossen hat. "Unser alter Aufsitzrasenmäher war schon ein paar Jahre alt", erzählt Jankowski. "Und bevor wir den ständig reparieren lassen müssen, haben wir uns gefragt, ob wir nicht einen anderen Weg gehen können."

Der Hauptgedanke sei es dann gewesen, durch einen Roboter "einen Haufen CO2 einsparen" zu können. "Der Umweltgedanke ist ja in den letzten Jahren immer wichtiger geworden."

Etwa 1,2 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) würde ein mit Benzin betriebener Aufsitzrasenmäher ausstoßen, wenn damit zwei oder dreimal in der Woche der Rasen auf vier Zentimeter Länge gekürzt wird. "Dafür musste man bisher sechs oder sieben Stunden investieren", gibt der 35-Jährige zu bedenken. Doch jemanden zu finden, der sich diese Zeit nimmt, werde immer schwieriger. "Wie so viele Vereine merken auch wir, dass die ehrenamtliche Tätigkeit immer mehr zurückgeht."

Was früher ein Platzwart erledigte, ist beim FC inzwischen auf mehreren Schultern verteilt. "Das klappt bislang eigentlich recht gut", meint der Vorsitzende. Die gewonnene Zeit könne nun für Aufgaben außerhalb des Feldes genutzt werden. "Er kostet zwar etwas mehr als ein Aufsitzrasenmäher, aber das war es uns auf jeden Fall wert."

Wo schon alles vorbereitet ist

Das wird nicht nur in Marktrodach so gesehen. Ab dem 22. August wird auch auf den beiden Plätzen des TSV Neukenroth ein Roboter für die Rasenpflege verantwortlich sein. "Wir haben schon alles vorbereitet", sagt der TSV-Vorsitzende Leonhard Welscher. Etwas über 20 000 Euro nimmt der Verein dafür in die Hand.

Was Fußballvereine nun offenbar langsam für sich entdecken, ist in Privatgärten längst angekommen. "Der Mähroboter ist das boomende Produkt unter den Gartengeräten", weiß George Brown, Technischer Referent beim Industrieverband Garten (IVG). Es gebe neben Spezialgeräten für Großflächen wie Golf- und Sportplätze auch Modelle für Gärten in nahezu jeder Preisklasse. Europaweit wurden im vergangenen Jahr 35 Prozent mehr Mähroboter verkauft als noch 2017. Tendenz: anhaltend.

Sichere Systeme

Mähroboter befänden sich derzeit definitiv im Trend, findet auch Umweltreferent Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau: "Für ganz kleine Gärten machen die aber eigentlich keinen Sinn, die sind eher etwas für mittelgroße bis große Gärten." Ein besonders wichtiges Kriterium vor einem Kauf sei die Flächenleistung. "Man darf ihn nicht überbeanspruchen", sagt Henze. "Denn wenn man einen parkähnlichen Garten hat, kommen Billiggeräte schnell an ihre Grenzen."

Diese haben allerdings lediglich auch nur eine Schnittbreite von knapp 40 Zentimetern. Mähroboter, die in öffentlichen Anlagen eingesetzt werden, schaffen dagegen deutlich mehr. Roboter wie Hans. Dessen Schnittbreite liegt bei satten 1,2 Metern. "Bei solchen Mährobotern muss man dann natürlich immer auch den Diebstahlschutz im Auge behalten. Aber dafür gibt es mittlerweile sehr sichere Systeme, die wir in einem Beratungsgespräch auch immer empfehlen", sagt Henze.

Das Handy warnt vor Dieben

Dazu hat sich auch der FC Unter-Oberrodach entschieden. Sorgen, dass ihm sein Hans abhandenkommen könnte, macht sich der Verein daher nicht. "Das würden wir sofort merken", sagt Jankowski und zückt sein Smartphone. Per App lassen sich darüber nicht nur die Mähzeiten und die Schnitthöhe einstellen, auch der Standort des Roboters kann darüber per GPS-Signal verfolgt werden.

Damit der elektronische Greenkeeper weiß, bis wohin er mähen muss, sind rund um den Platz sogenannte Induktionsspulen unter dem Rasen verlegt. "Wenn er diese überschreitet, weil er vielleicht darüber getragen wird, bekomme ich gleich einen Alarm auf mein Handy und ich sehe genau, wo er ist", erklärt Jankowski. Genutzt werden könne der Roboter von den Dieben dann ohnehin nicht, da er per GPS ausschließlich auf den Platz in Marktrodach eingestellt sei. "Uns wurde gesagt, dass es bislang zwei Diebstähle gab", erzählt der FC-Vorsitzende. "Der eine Dieb war ein Platzwart, der Angst um seinen Job hatte, und der andere wurde nach einer halben Stunde auf der Autobahn erwischt."

Keine Sorgen um Zehen

Geschützt ist jedoch nicht nur der Roboter. Auch die rasiermesserähnlichen Klingen an dessen Unterseite haben einen Schutzmechanismus. Sobald ein Gegenstand unter das Gerät gelangt, fahren sie sich ein. "Das war uns natürlich besonders wichtig, damit kein Jugendspieler mit der Hand oder dem Fuß darunter geraten kann", betont Jankowski.

In den zehn Jahren, die es diese Art Mähroboter inzwischen auf dem Markt gibt, habe es noch nie einen Unfall gegeben, habe ihm der Hersteller versichert. Ein Hindernis erkenne er ab einer Höhe von acht Zentimetern zudem automatisch. Um ihre Zehen müssen sich die Spieler also keine Sorgen machen.

Und wie kam Hans nun zu seinem Namen? "Das ist eine Hommage an Hans Reif-Beck, der vor vier Jahren gestorben ist", erklärt Jankowski. Das bis zu seinem Tod älteste Mitglied war nahezu jedem Tag vor Ort. Beobachtete das Training und half, wo es etwas zu helfen gab. Auch als Platzwart. "Der Verein war einfach sein Leben, und da dachten wir, dass sich so der Kreis schließt."

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