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Kreis Kronach: Darum befürwortet die FWO die neue Trinkwasserrichtlinie der EU

Das EU-Parlament hat für schärfere Schadstoffgrenzwerte im Trinkwasser gestimmt. Die FWO, die auch den Kreis Kronach mit Wasser versorgt, blickt möglichen Änderungen nicht nur gelassen entgegen. Sie begrüßt sie sogar.
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Etwa zehn Prozent aller Deutschen trinken ausschließlich Leitungswasser. Geht es nach den Vorstellungen des EU-Parlaments, wird die Zahl steigen. Foto: Marian Hamacher
Etwa zehn Prozent aller Deutschen trinken ausschließlich Leitungswasser. Geht es nach den Vorstellungen des EU-Parlaments, wird die Zahl steigen. Foto: Marian Hamacher

Gleich ist der Durst gelöscht: Kaum schießt das Wasser aus dem silbernen Hahn ins Glas, formieren sich die emporsteigenden Luftblasen an der Oberfläche zu einer Art transparentem Bällebad. Doch so schnell die "Bälle" verschwinden, wenn kein Wasser mehr fließt, verabschiedet sich auch der Durst, sobald das Glas geleert ist.

Etwa zehn Prozent der Deutschen verzichten mittlerweile darauf, Trinkwasser in Flaschen zu kaufen und füllen es sich in den eigenen vier Wänden selbst ab. 50 Prozent der Leitungswasser-Freunde versetzen es hinterher noch mit Kohlensäure. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts "Forsa", das 2016 insgesamt 1006 Personen befragte. Von denen gaben mehr als zwei Drittel an, Leitungswasser immerhin zusätzlich zu anderen Getränken zu sich zu nehmen.

Weniger Plastikmüll

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Ein Trend, den das EU-Parlament unterstützen möchte. Ende Oktober ermutigten die Parlamentarier die europäischen Bürger darin, weniger Wasser in Plastikflaschen zu kaufen. Statt zum Getränkemarkt solle deren Weg öfter zum Wasserhahn in der heimischen Küche führen. Das habe gleich zwei Vorteile: für die Umwelt und den Geldbeutel der Privathaushalte. 600 Millionen Euro würden Letztere so nämlich pro Jahr sparen können. Außerdem entstünde durch ein solches Verhalten deutlich weniger Plastikmüll.

Damit überall in Europa die Wasserqualität auch passt, stimmten die Abgeordneten für schärfere Schadstoffgrenzwerte. Etwa für Blei, gefährliche Bakterien wie Legionellen oder für hormonverändernde Stoffe wie sie in der Antibabypille auftauchen. Ein Schritt, den Markus Rauh, Verbandsdirektor der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO), begrüßt. "Weil es eine qualitative Verbesserung beziehungsweise Verschärfung der Anforderungen an die Qualität bringt", betont er.

Es sei positiv, dass versucht wird, auf EU-Ebene Trinkwasser als selbstverständliches Lebensmittel zu forcieren. "Es gibt ja Regionen in Europa, in denen das selbstverständliche Versorgen noch nicht so gut funktioniert wie in Deutschland", sagt er. Von daher sei der Ansatz wie so viele Themen in Europa relativ: "Was den Qualitätsnachweis betrifft, muss Deutschland jetzt nicht gerade aufholen, steht eher an der Spitze. Von daher würde eine Verschärfung Deutschland nicht aus der Fassung bringen."

Trinkwasser sei in der Bundesrepublik schon jetzt das Lebensmittel, das wahrscheinlich am genauesten überwacht werde. Durch eine mögliche schärfere Richtlinie würde das aber wohl noch mehr verstärkt werden "Aber mal sehen, was am Ende wirklich beschlossen wird. Da ist ja immer die Frage, ob das so bestehen bleibt oder noch einmal verändert wird", spricht er aus Erfahrung. Denn bevor eine neue Richtlinie greift und die nationalen Parlamente zwei Jahre Zeit haben, ihre jeweilige Trinkwasserverordnung an das europäische Recht anzupassen, sind trotz des EU-Parlaments-Beschlusses noch einige Hürden zu überwinden.

Erst müssen sich die europäischen Umweltminister mit dem Thema befassen, ehe es daraufhin zu einer Art Vermittlungsverfahren kommt. In diesem versuchen dann die EU-Kommission, das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten zu einer gemeinsamen Lösung zu finden. Mit anderen Worten: Das kann dauern!

Noch nicht genau erforscht

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Ob sich für die FWO, deren Leitungswasser aus der Ködeltalsperre stammt, dann gravierende Änderungen ergeben, sei schwer vorherzusagen. Das komme immer auf die örtlichen Bedingungen der jeweiligen Wasserwerke beziehungsweise der Wasserversorger an. "Im Grunde kann man diesen neuen Richtlinien aber wohl sehr gelassen entgegensehen", meint der FWO-Verbandsdirektor.

Auf Blei etwa werde in Deutschland längst geprüft. Vor Jahren schon seien die Wasserversorger aufgefordert worden, nachzuweisen, ob sie noch alte Bleirohre besitzen und auf das giftige Schwermetall zu überprüfen. "Da müssten die meisten Wasserversorger eigentlich schon wissen, was los ist", meint Rauh.

Doch warum sind in der EU-Richtlinie manche Schadstoffe konkret genannt, während an anderer Stelle nur schwammig von "hormonverändernde Stoffen" die Rede ist? "Das liegt daran, dass die Auswirkungen auf die Gesundheit bei den meisten Stoffe, die in den Verordnungen stehen, schon erforscht sind", erklärt Rauh. Bei manchen Stoffen befinde sich die Forschung aber erst in einem frühen Stadium. Daher sei es schwierig, bereits jetzt einen Grenzwert festzulegen.

Ob die FWO alle Werte, die die Trinkwasserverordnung vorschreibt, auch korrekt einhält, überwacht das im Landratsamt angesiedelte Gesundheitsamt - das sich mit ungelegten Eiern gar nicht erst beschäftigt. Maßgeblich für die Arbeit des Gesundheitsamtes sei die Trinkwasserverordnung, die regelmäßig an aktuelle EU-Relegungen angepasst werde, teilt das Amt schriftlich mit.

Und wie ist es um die Qualität des Trinkwassers im Kreis Kronach bestellt? Wie im restlichen Bundesgebiet müsse Trinkwasser selbstverständlich auch im Kreis Kronach "so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein." Was offenbar bedeuten soll, dass es genau das ist: rein und genusstauglich.

Werden Grenzwerte überschritten, ordne man gegebenenfalls Maßnahmen an, "die zur Abwendung der Gefahr für die menschliche Gesundheit erforderlich sind". In den vergangenen Jahren habe das Gesundheitsamt allerdings nur selten Auffälligkeiten im Trinkwasser festgestellt.

Trinkwasserspender für Grundschulen

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Dass Trinkwasser in ganz Europa noch besser werden und vor allem für alle verfügbar sein soll, geht auf die europäische Bürgerinitiative "Right2Water" (Recht auf Wasser) zurück. Die forderte vor fünf Jahren nämlich genau das und sammelte dafür die Unterschriften von 1,8 Millionen Menschen.

FWO-Verbandsdirektor Markus Rauh schwimmt mit der Initiative auf einer Wellenlänge. Staatliche Ebenen, auch kommunale, aufzufordern, noch mehr dafür zu tun, damit Leitungswasser benutzt wird, sei der richtige Schritt. "Die FWO leistet da schon ihren Teil", sagt Rauh und verweist auf inzwischen 40 Trinkwasserspender, die die FWO in ihrem Verbandsgebiet vor allem an Grundschulen gesponsert hat. Weitere seinen im kommenden Jahr geplant. Schon jetzt gebe es entsprechende Anfragen.

Dabei handelte es sich um Wasserspender, die mit einem Filter zwischen Leitungsnetz und Spender ausgestattet sind. "Auch wenn der aufgrund der Wasserqualität gar nicht nötig wäre", meint der Verbandsdirektor. Weil sich der Wasserauslass in regelmäßigen Abständen erhitzt, sei auch ausgeschlossen, dass Keime von außen in den Spender gelangen können. "Solche Spender werden auch in Altenheimen und Kliniken aufgestellt", betont Rauh.

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