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Kreis Kronach: Ansturm auf die Förderoffensive

Ein seit 2017 laufendes Programm für Nordostbayern verleiht der Entwicklung der Kommunen Schwung.
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Zwei Häuser sollen Weichen (das gelbe Gebäude und das weiße daneben im Hintergrund), um den Marktplatz aufzuwerten.Marco Meißner
Zwei Häuser sollen Weichen (das gelbe Gebäude und das weiße daneben im Hintergrund), um den Marktplatz aufzuwerten.Marco Meißner
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Leerstände, verfallende Gebäude, aussterbende Ortskerne - das sind Assoziationen, die immer wieder in den Köpfen auftauchen, wenn vom demografischen Wandel im ländlichen Raum die Rede ist. Dass es auch anders geht, wenn die Politik handelt, zeigt die Förderoffensive Nordostbayern. Ihre Ziele sind die Verbesserung von Standortbedingungen und eine örtliche wie regionale Aufwertung. 65 gemeldete Projekte für die Jahre 2017 bis 2019 zeigen, dass man im Kreis Kronach große Stücke auf diese Fördermaßnahme hält.
Wenn Jens Korn (CSU) über den neu gestalteten Marktplatz spricht, merkt man schnell, dass er ein lang gehegter Wunsch des Wallenfelser Bürgermeisters ist. In seinem Kopf läuft schon ein Film ab, wie der Ortskern einmal aussehen könnte.


Marktplatz hat Funktion verloren

Momentan verstellen beispielsweise zwei marode Gebäude die Sicht auf die Kirche und verbauen einen Grünbereich. Sie sollen bald weichen. "Mit den ersten beiden Maßnahmen, die wir umsetzen, werden wir das Aussehen des Marktplatzes verändern", ist Korn überzeugt. Die Ausschreibung für den Abriss läuft bereits. Wenn der ehemalige Backdi, wie die Wallenfelser das Gebäude am Marktplatz 6 nennen, und das Haus dahinter in der Frankenwaldstraße 1 erst einmal gewichen seien, seien ganz wichtige Vorarbeiten für die Neugestaltung des Platzes getroffen.

"Der Marktplatz ist für uns exemplarisch. Er hat seine Funktion verloren", erklärt Korn, warum dieses Vorhaben den Wallenfelsern so wichtig ist. Ihrem Ortsmittelpunkt soll auf zeitgemäße Weise neues Leben eingehaucht werden.


Gezielt den Hebel angesetzt

Die Mittel der Förderung werden in Wallenfels deshalb ganz gezielt auf diesen Platz konzentriert. So wird auch über die Zukunft der Bereiche Marktplatz 8 (ehemals Bäckerei Stumpf) und Marktplatz 11/12 (frühere Schmidt-Bank) nachgedacht. Eine Machbarkeitsstudie soll hier Wege zur Revitalisierung und Nutzung aufzeigen. Für den Marktplatz 4 (so genanntes Schalthaus) fließen beispielsweise 300 000 Euro für den Erwerb und die Umgestaltung. Oben Mietwohnungen, unten eine öffentliche Nutzung - zum Beispiel ein Bürgercafé -, nennt das Stadtoberhaupt einige Gedankenspiele. "Aber da müssen wir erst noch schauen, was geht."
Außerdem soll in der Schützenstraße 7 (ehemals Bäckerei Becker) ein Haus abgerissen werden. Danach soll diese Fläche ohne neues Gebäude gestaltet werden.

Insgesamt ist für 2017/18 eine Förderung von 1,6 Millionen Euro, die sich zeitlich sogar leicht strecken lässt, in der Flößerstadt eingeplant. Ohne diese Mittel, ist Korn überzeugt, hätte die Stadt Wallenfels keine Chance gehabt, so ein Großprojekt in Angriff zu nehmen. "Es ist ein tolles Programm. Es kam genau zum richtigen Zeitpunkt", lobt der Bürgermeister die Förderoffensive Nordostbayern. Der ländliche Raum sei bei der Regierung und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angesichts solcher Maßnahmen gut aufgehoben.


Glücksfall für Kommunen

Der Ludwigsstadter Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) ist ebenfalls überzeugt von dieser Fördermöglichkeit. Einerseits erlaube sie es, neue Projekte anzugehen, andererseits ließen sich bereits zugesagte Unterstützungen noch aufstocken. 90 statt regulär 60 Prozent Förderung seien auf diesem Weg möglich. "Es ist ein Glücksfall für die Kommunen, dass der Freistaat so etwas eingerichtet hat."

Zum Beispiel in Lauenstein gibt es konkrete Vorhaben, bei denen diese Förderung greift. Ehrhardt nennt die Orlamünder Straße 19/21/23. Drei Häuser weichen dort einer neuen Bebauung. Das Stadtoberhaupt spricht von einer "Nachverdichtung nach einem städtebaulichen Missstand".
In Nordhalben lassen sich bereits konkrete Spuren der Förderung erkennen. In der Neuen Gasse 46 ist ein marodes Gebäude abgerissen worden. Dadurch wurde die enge, kaum vermittelbare Wohnbebauung im Ort aufgelockert. Das wiederum wertet das Umfeld auf.

"Es ist ein Segen für die Häuser dort", stellt der geschäftsleitende Beamte Joachim Ranzenberger fest. "Es wird ein schönes Eck mit einem herrlichen Blick auf den Frankenwald - wo die Anwohner früher auf alte Dächer geschaut haben." Licht und Luft hätten Einzug gehalten. Und wenn die Freifläche erst angelegt sei, werde die Stelle nochmal so schön sein.

Auch Ranzenberger versichert, dass die Nordostbayern-Offensive für solche Vorhaben in den Gemeinden sehr gut sei. "Das Programm ist für uns richtig zugeschnitten, es wirkt und man sieht etwas", lobt er das Konzept und das Zusammenspiel mit der Staatsregierung.

Die Förderoffensive Nordostbayern

Anträge: Für die Förderoffensive sind Anträge vorrangig möglich für Objekte im Besitz der Kommunen, in zentralörtlicher Lage und die komplett leerstehend sind. "Zur Beseitigung der Leerstände sind Sanierungen, Umbauten sowie Abbrüche für Ersatzbauten oder für ortsgerechte Freiflächengestaltung möglich", beschreibt die Regierung von Oberfranken auf ihrer Homepage (www.regierung.oberfranken.bayern.de) die Möglichkeiten der Förderung.

Zweck: Das Ziel der Förderoffensive ist die Revitalisierung von Stadt- und Ortskernen zur Verbesserung der Standortbedingungen für Wohnen und Wirtschaft sowie die Aufwertung der gesamten Region.

Förderzeitraum: Der Bewilligungszeitraum umfasst die Jahre 2017 bis 2020. Die Schlussabrechnung der Maßnahmen ist für 2022 vorgesehen. Dann erfolgt also die letzte Auszahlung von Fördermitteln.

Fördersatz: Der Sonderfördersatz beläuft sich auf 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten (statt sonst 60 Prozent).

Projektplanung: Der Regierung von Oberfranken liegen zurzeit 65 Vorhaben im Landkreis Kronach für die Jahre 2017 bis 2019 zur Förderung vor. Diese Projekte verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Kommunen: Kronach (2), Ludwigsstadt (7), Marktrodach (7), Mitwitz (6), Nordhalben (13), Pressig (4), Reichenbach (4), Steinwiesen (4), Tettau (7), Teuschnitz (3), Wallenfels (8). Die Förderung umfasst dabei nicht nur die praktische Umsetzung von Vorhaben, sondern in vielen Fällen auch den Grunderwerb beziehungsweise Machbarkeitsstudien.
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