Kronach
Versorgung

Könnte Pflege im Landkreis Kronach bald so aussehen?

Wo der Landkreis Kronach 2050 im Pflegebereich stehen könnte, wurde in einem Vortrag in der Helios-Frankenwaldklinik in zwei Szenarien durchgespielt.
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So könnte es   2050 im Landkreis Kronach aussehen: Roboter übernehmen einen großen Teil der Pflege.Manuel Sewzyk/Fotolia
So könnte es 2050 im Landkreis Kronach aussehen: Roboter übernehmen einen großen Teil der Pflege.Manuel Sewzyk/Fotolia

Norbert Grundhöfer referierte in der Helios-Frankenwaldklinik darüber, welchen Weg die Altenpflege nehmen könnte. "Wohin führt die Zukunft der Altenpflege im Landkreis Kronach?", fragte er in seinen spannenden Ausführungen, die auch nachdenklich machten.

Er ging auf zwei Visionen ein. Demnach hat beim ersten Szenario hat 2050 der Landkreis Kronach 22 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Der Anteil der über 60-Jährigen liegt bei 44 Prozent. Die Angehörigen von Senioren und Pflegebedürftigen sind weggezogen, der Markt für Pflegekräfte ist leergefegt. Ausbildungsmöglichkeiten für Pflegeberufe gibt es oberfrankenweit nur in Bamberg.

Die Kosten für einen stationären Aufenthalt in einem Pflegeheim liegen bei über 5000 Euro. Pflegeroboter übernehmen einen großen Teil der Pflege. Das paritätische Pflegesystem ist zusammengebrochen. 56 Prozent ihres Gehalts müssen Arbeitnehmer für Sozialleistungen abgeben.

Grundhöfer spielte aber auch ein andere Vision durch. Demnach haben sich die Möglichkeiten der ambulanten Pflege erweitert: Der Dienstleistungssektor in der Alten- und Seniorenarbeit boomt. Es gibt eine große Palette Ausbildungsmöglichkeiten im Landkreis. Die Pflegekräfte erhalten überdurchschnittliches Gehalt. Der Staat steuert aus Steuermitteln zur Finanzierung des Gesundheitssystems bei.

Eingerichtet ist auch ein Campus für über 65-Jährige. Außerdem sind behindertengerechte Infrastrukturen vorhanden, wie genügend Parkplätze, Aufzüge et cetera. Kostenlose Nahverkehrsverbindungen bringen die Menschen von einem Standort zum anderen.

Der Hospizdienst und die Seniorengemeinschaft werden finanziell vom Staat unterstützt. Der Abwanderungstrend der jungen Menschen wurde gestoppt. Und deutschlandweit wollen Senioren in die Mehrgenerationendörfer des Frankenwalds ziehen. Zwei Szenarien, zwei Wege. Und welchen Weg wird der Landkreis beschreiten?

Grundhöfer meinte, dass sich auch das Bewusstsein der Menschen ändern müsste: "Bloß nicht alt werden", lautet die Devise. Alt sein werde mit Unvollständigkeit, Pflege und Gebrechlichkeit in Verbindung gebracht. Das Alter werde als etwas Negatives gesehen.

Die Menschen haben Angst, dass in den nächsten Jahren die sogenannten "Babyboomer" ins Rentenalter kommen. Die Angehörigen von pflegebedürftigen Senioren haben Angst, dass sie die Aufgaben der Pflege nicht stemmen können.

Psychische Belastung

Wenn nun ein Pflegebedürftiger wegen zu starker Belastung aus der Familie heraus in eine Pflegeeinrichtung kommt, haben die Angehörigen oftmals ein großes Problem. "Das schlechte Gewisse nimmt überhand!" Hinzu komme die Angst, ob die Pflege finanziell zu tragen ist.

Grundhöfer sprach von der Suche nach Lösungen: "Die Bemühungen, Pflegekräfte zu gewinnen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein, langfristig reicht das nicht aus!"

Die Situation der älteren Generation verändere sich permanent. Alter müsse nicht immer mit Gebrechlichkeit verbunden sein.

Und das Alter sei schon immer Thema gewesen. Sogar der römische Philosoph Cicero befasste sich vor über 2000 Jahren mit dem Alter. Seine Erkenntnisse seien auch heute noch akuell. Unter anderem ist bei ihm nachzulesen, dass nahezu alle Menschen ein hohes Alter erreichen möchten. Haben sie das Ziel erreicht, klagten sie das Alter an: Das Alter raube die körperlichen Kräfte und führe zur Untätigkeit. Diesen verständlichen Ängsten hält er aber entgegen, das für diejenigen, die nicht die Fähigkeit haben, gut und glücklich zu leben, jede Altersstufe beschwerlich sei.

Wie bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Altenpflege" (siehe Beitrag unten) zu erkennen war, gebe sich die Politik Mühe, sich im Pflegebereich fit für die Zukunft zu machen. So ist derzeit ein seniorenpolitisches Konzept in Arbeit. Wie Wolfgang Puff erklärte, werden in allen Gemeinden Befragungen über öffentliche und private Pflegeienrichtungen durchgeführt und Pflegedienstleister erfasst. Zudem werden 4000 über 65 Jahre alte Landkreisbürger nach ihren Vorstellungen im Pflegebereich befragt.

Ende April soll eine Auswertung dieser Bestandsaufnahme erfolgen. Im Mai gehe es dann in die Diskussion mit den verschiedenen Arbeitskreisen. Es wird unter anderem um die Pflege der Zukunft und um die Finanzierung gehen.



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