Kronach
Umwelt

Klimadebatte mit Klopfen und Klatschen

Zum Abschluss eines "Klimatages" hatte das Frankenwald-Gymnasium Vertreter der Politik zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.
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Sie klopften, klatschten, standen auf und machten damit auf die Umweltprobleme aufmerksam. Maria Löffler
Sie klopften, klatschten, standen auf und machten damit auf die Umweltprobleme aufmerksam. Maria Löffler
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Sie sind dabei, ihre Eltern umzuerziehen, treten Politikern in der Allerwertesten und würden, wenn sie könnten, die ganze Welt retten: Jugendliche demonstrieren nicht nur für eine bessere Umwelt und für die Einhaltung von Klimazielen, sondern sie packen da an, wo andere nur reden. Am Frankenwaldgymnasium in Kronach hat der Arbeitskreis (AK) Politik unter der Leitung von Tobias Pohl einen "Klimatag" ins Leben gerufen. Unter-, Mittel- und Oberstufe beschäftigten sich unter anderem damit, "wie viel Fleisch der Mensch braucht" und wie man der "Vermüllung von Meeren" entgegentreten kann.

Die Abschlussveranstaltung in Form einer Podiumsdiskussion machte deutlich, dass sich die Schüler nicht mit Worthülsen zufriedengeben wollten. Was sie vor allem so gar nicht verstehen wollten, war die Tatsache, dass man auf der einen Seite nur noch ganz wenig Zeit habe, das Rad der Zerstörung anzuhalten, aber andererseits Ziele bis weit in die Zukunft stecke.

Der regen Debatte vorangegangen war ein Vortrag von Christoph Hartl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Und der versuchte erst gar nicht, die Situation schönzureden. Während er über Artenschutzprogramme, -Fußabdrücke, Rohstoffe, Plastik- und Atommüll referierte, holte er sich zwei Schülerinnen und einen Schüler nach vorne. Es gab eine klare Aufgabenstellung: "Du klatschst alle zehn Sekunden einmal in die Hände, du stehst alle zwei Minuten einmal auf und du klopfst einmal in der Sekunde auf den Tisch."

Die Klatsch- und Klopfgeräusche begleiteten den gesamten Vortrag. Und der war knapp, komprimiert, aber mit klarem Statement und vor allem mit erschreckenden Zahlen unterlegt: Hartl: "Ein US-Amerikaner verbraucht pro Tag 300 Liter Wasser, ein Ägypter 22 Liter. Süßwasser ist die wichtigste Ressource und darf nicht verschwendet werden." Er sprach über bedrohte Tier- und Pflanzenarten und welchen Stellenwert das für ein gesundes Ökosystem hat.

4765 Tiere pro Sekunde

Geschockt waren alle auch über diese Zahlen: "Jeden Tag werden allein in Bayern 13 Fußballfelder überbaut und zubetoniert. Deshalb bist du alle zwei Minuten aufgestanden. Wir haben in dieser Zeit viermal 35 Fußballfelder des Regenwaldes verloren." In diesem Zuge klärte er auch die Klatsch- und Klopfgeräusche auf: "Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an Hunger und pro Sekunde werden 4765 Tiere geschlachtet."

Die anschließende Debatte mit Politikern aller Fraktionen war zwar geordnet und von gegenseitigem Respekt geprägt, verlangte aber durchaus nach "Butter bei die Fische". Die Fragen wie: ,"Warum bewegen sich Politiker viel zu langsam oder gar nicht und warum müssen wir erst aufschreien, das ist doch euer Job", wurde von Sigmund Katholing von den Freien Wählern in aller Deutlichkeit beantwortet: "Weil wir einen Tritt in den Hintern brauchen."

Diese Offenheit war für die meisten Schüler zwar verblüffend, aber zumindest ein ehrlicher Ansatz. Es brauche die Jugend, meinte Katholing weiter, um etwas zu verändern. Neue Ideen und vor allem Mut.

Den jungen Leuten fiel es auch sichtlich schwer, Verständnis dafür aufzubringen, dass die Problematik des Klimawandels ja schon seit Jahrzehnten bekannt sei, aber sich trotz all der Warnungen leider kaum etwas bewegt habe. Darauf antwortete Kerstin Celina für die Grünen: "Wir haben immer laut gerufen, aber keiner hat uns ernst genommen. Dank euch und eurem Engagement werden jetzt auch wieder die Wissenschaftler gehört. Es bewegt sich was und das habt alleine ihr erreicht."

Jonas Geissler von der CSU drehte den Spieß auch kurz mal um und zeigte die Kehrseite der Medaille: "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es immer Gewinner und Verlierer geben wird. Wohlstand für alle ist eine Utopie. Und die Politik kann Radwege bauen, aufs Fahrrad steigen müsst ihr aber selbst."

Was die Jugendlichen noch gewaltig ärgerte, war "der Fingerzeig Richtung ,große Politik'. Da wird doch die Verantwortung nur verschoben, aber nicht übernommen". Hier sprang Ralf Völkl (SPD) ein: "Wir handeln vor Ort, denn man muss ja klein anfangen. In Kronach sind wir uns über alle Parteien hinweg einig, was Natur und Umwelt betrifft." Er sprach in diesem Zusammenhang übers Mobilitätskonzept und das Radwegenetz. "Und wenn man in der Politik ist, dann muss man sich auch mal trauen, man muss handeln. Aber wir wollen uns auch nichts vormachen: Umwelt und Natur sind Ressourcen, die überwiegend wirtschaftlich genutzt werden. Unternehmen sind nun mal gewinnorientiert." Und genau hier müsse die Politik Regeln vorgeben, bestätigte Kerstin Celina.

Thomas Nagel von der FDP plädierte in diesem Zusammenhang für ein Jugendparlament und dafür, dass Politik im Lehrplan eine viel größere Rolle spielen müsse. "Es fängt schließlich alles bei der Bildung an. Energiepolitik macht man nicht nur in der großen, weiten Welt, sondern vor allem vor und hinter der eigenen Haustür."

Klare Linie

Fragt man die Schüler des Arbeitskreises Politik, was sie denn für den Schutz der Umwelt tun, dann gibt es eine klare Linie: "Wir erziehen unsere Eltern um, sensibilisieren sie für die Probleme der Umwelt, achten auf die Inhaltsstoffe bei Pflegeprodukten, nutzen Mehrwegflaschen, vermeiden Plastik, leben vegetarisch oder vegan, trennen den Müll, nutzen öffentliche Verkehrsmittel, fahren mit dem Rad oder bilden Fahrgemeinschaften."

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