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Kronach
Brauchtum

Kleine und große Sternsinger bringen Segen

Tettaus Nachwuchs zog wieder für den guten Zweck durch die Gemeinde. Weil so viele Haushalte die "Heiligen drei Könige" eingeladen hatten, ging in diesem Jahr erstmalig eine Erwachsenengruppe an den Start.
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Luis, Philipp und Sophie zogen zusammen mit Jörg Schrepfer durch Tettaus Straßen und überbrachten den Bewohnern Gottes Segen für das neue Jahr. Foto: Sandra Hackenberg
Luis, Philipp und Sophie zogen zusammen mit Jörg Schrepfer durch Tettaus Straßen und überbrachten den Bewohnern Gottes Segen für das neue Jahr. Foto: Sandra Hackenberg
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Stehen fällt dem grauhaarigen Mann schwer. Mit all seiner Kraft stützt er sich auf seinen Krücken ab, schließt die Augen und lauscht andächtig, während die drei kleinen Könige in seiner Stube singen. "Gottes Segen euch geleite, durch dies neue Jahr euch führt. Christus, segne dieses Haus", bitten Sophia, Luis und Philipp.

Dann schreiben sie mit einem Stück Kreide aus dem Weihrauchfass den Segensspruch an den Türrahmen. Als Dankeschön hält der ältere Herr reichlich Schokolade griffbereit. "Früher haben die Sternsinger noch in den Häusern geräuchert", erklärt Jörg Schrepfer, der die Könige mit seiner Gitarre begleitet. "Doch viele wollen das nicht mehr. Darum verteilen wir jetzt Räucherkegel."

Das von Haus-zu-Haus-Ziehen hat in Tettau - wie vielerorts im Kreis Kronach - Tradition. Doch Sternsinger-Nachwuchs zu finden ist schwer, zumal viele Kinder aus der Gemeinde in Thüringen zur Schule gehen und darum am Tag der Heiligen Drei Könige Unterricht haben. "Die Nachfrage wird aber immer größer", berichtet Karoline Schrepfer, die ebenfalls mit den Kindern umherzieht. 120 Haushalte wollen dieses Jahr "abgearbeitet" werden. Dabei ist es egal, welcher Konfession die Bewohner angehören.

Erstmalig Erwachsenengruppe

Damit alle Haushalte, die vorher Interesse bekundet haben, auch besucht werden können, haben sich die Tettauer in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen: Neben drei Kinder- gibt es zum ersten Mal auch eine Erwachsenengruppe. Tettaus ehemaliger Bürgermeister Hans Kaufmann und seine Frau Beate haben bereits die ersten Sternsingen in den 80ern mitorganisiert. "Doch dieses Jahr laufen wir zum ersten Mal als Sternsinger mit", erzählt der 68-Jährige lachend. Auch Ingrid Wolf ist mit 59 Jahren zum ersten Mal in die Rolle eines Königs geschlüpft: "Wir wollen die Leute nicht enttäuschen, die warten ja drauf." Kornelia Lunkenbein ist eine von ihnen: "Wir können vieles planen, doch mit dem Segen des Herrn fühle ich mich sicherer."

Tatsächlich sehnen viele Bürger den Besuch der Sternsinger herbei. "Wir erleben es häufig, dass ältere oder einsame Menschen anfangen, zu weinen", erzählt Schrepfer. Um ihnen eine Freude zu bereiten, ist Philipp dieses Jahr zum ersten Mal in ein königliches Gewand geschlüpft. "Das Schönste ist, dass sich andere Menschen freuen, wenn wir da sind", findet der Achtjährige. "Ich freue mich, anderen Kindern zu helfen", sagt die neunjährige Sophia. Alle Spenden gehen in diesem Jahr an ein Kinderhilfsprojekt im Libanon.

Viele Tettauer spenden jedes Jahr: "Wir sind 1974 hier eingezogen - und seitdem kommen die Sternsinger zu uns", berichtet Helmut Seifferth. Noch nicht ganz so lange, aber immerhin das dritte Jahr in Folge, ist "König" Luis dabei. "Letztes Jahr bin ich ausgerutscht und hingefallen, als ich den Stern getragen haben", erinnert sich der 11-Jährige. Trotzdem will er auch nächstes Jahr wieder den Segen in Tettaus Häuser bringen. So viel Einsatz beeindruckt bestimmt auch den Mann im Himmel.