Kronach
Konzert

Kirchenkonzert in Kronach: Eine Orgel geht auf Reisen

Am Sonntag startete die Konzert-Saison in der evangelischen Christuskirche in Kronach mit Organistin Ioanna Solomonidou.
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Versunken in gedanklicher Konzentration: Die Organistin Ioanna Solomonidou begeisterte ihr Publikum mit russischer, deutscher und französischer Musik.Heike Schülein
Versunken in gedanklicher Konzentration: Die Organistin Ioanna Solomonidou begeisterte ihr Publikum mit russischer, deutscher und französischer Musik.Heike Schülein

Kraftvolle, volltönende Bässe wechseln sich mit beschwingten, hohen Lagen ab - Organistin Ioanna Solomonidou stellte gleich zu Beginn des Konzertes ihr ganzes Können unter Beweis. Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate Nr. 6 in D-moll und herrlich kunstvollen Variationen über das Lied "Vater unser im Himmelreich" schaffte sie ein Sinnbild der Spannung im Glauben zwischen persönlichem Empfinden und Gottes Handeln - gipfelnd in einem wunderbar ruhigen Finalsatz. Die sechs Sonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy zählen zu den bedeutendsten Werken, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Orgel geschrieben wurden.

Internationales Programm

So international wie das Leben der Solo- und Kammermusik-Organistin, die mit unterschiedlichen Konzerten und Programmen in vielen Ländern tätig ist und tags zuvor im Bamberger Dom gespielt hatte, war auch das von ihr wohl ausgewählte Programm mit russischer, deutscher und französischer Musik.

Neben Werken berühmter Tonschöpfer wie Bartholdy sowie dem Meister aller Meister, Johann Sebastian Bach, erklangen auch hierzulande weniger bekannte Kompositionen - insbesondere aus der Feder von Mikael Leonovich Tariverdiev.

Der in Georgien als Sohn armenischer Eltern geborene Künstler ist in Russland bis heute bekannt. Nach seinem Musik-Studium begann er, Soundtracks zu komponieren und kam erstmals 1964 mit "Goodby Boys!" groß heraus. In Russland gelten seine Kopositionen für TV und Kino als Klassiker. Sein umfangreiches Lebenswerk umfasst aber auch Opern, Ballettmusiken und allerlei Gesangsstücke.

Ihm zu Ehren ließ Ioanna Solomonidou "Basso Ostinato" aus dem Orgelkonzert Nr. 2 wie auch die Choräle Nr. 2 und 3 aus "Ten Chorals Preludes for Organ" erklingen. Eingebettet in den Werken dieser für unsere Ohren spannenden Neuentdeckung waren die fast schon gespenstisch anmutenden, aufflackernden "Feux Follets" aus "24 Pièces de Fantasie" von Louis Vierne (1870 - 1937).

Vielfarbige Klangwelten

Mit unglaublicher Technik interpretierte die Organistin die vielfarbigen Klangwelten: Über einen Orgelton entfaltete sich eine einfache Melodie, schlicht und wirkungsvoll zugleich.

Dabei konnte man das Auf und Ab der züngelnden Irrlichter (Feux Follets) förmlich vor Augen sehen.

Abwechslungsreich und vielseitig setzte sich die Reise mit dem französischen Romantiker Eugene Gigout fort, der in seinen Kompositionen vielfach die alten Kirchentonarten der Gregorianik wiederbelebt - so auch in feinen Zügen in seinen "Dix Pièces pour Orgue", woraus den Zuhörern das zarte "Minuetto" zuteilwurde.

Seinen Abschluss fand das Konzert wieder in Deutschland mit - wie könnte es anders sein - Musik des Altmeisters. Dessen weltberühmte Toccata und Fuge in D-Moll - eines der bekanntesten Orgelwerke europäischer Kunstmusik - entfaltete sich in beeindruckender Klangfarbenpracht. Zu aufgewühlt, zu berührt war die Organistin, um nach den letzten im Kirchenschiff verhallenden Tönen sofort wieder im "Jetzt" ankommen zu können. Sie brauchte einige Augenblicke, bis sie den Beifall genießen konnte - so intensiv war ihr Spiel gewesen.

Fazit: Virtuos und fesselnd

Abwechslung, Begegnung und Intensität: Es war ein großes Konzert, das den Besuchern zum Saisonstart nach der Sommerpause kredenzt wurde - virtuos und fesselnd, mit großer Hingabe interpretiert von einer jungen Organistin mit großartigen spielerischen Fähigkeiten. Die vom Publikum heftig eingeforderte Zugabe gab sie gerne.



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