Kronach
Glaube

Kirchenaustritte in Kronach bleiben stabil

Die Diskussion um den Bischof Tebartz-van Elst hat die Kronacher Katholiken nicht zur Verzweiflung gebracht. Es wird offen mit dem Thema umgegangen.
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Die Diskussion um Bischof Tebartz-van Elst und einen Prunkbau haben im Kreis Kronach kaum Spuren hinterlassen. Die meisten Katholiken halten weiter fest zu ihrer Kirche. Die Austritte sind im Vergleich zum vergangenen Jahr kaum angestiegen.  Foto: Matthias Hoch
Die Diskussion um Bischof Tebartz-van Elst und einen Prunkbau haben im Kreis Kronach kaum Spuren hinterlassen. Die meisten Katholiken halten weiter fest zu ihrer Kirche. Die Austritte sind im Vergleich zum vergangenen Jahr kaum angestiegen. Foto: Matthias Hoch
In Kronach halten die Schäfchen weiterhin treu zu ihrer Kirche und lassen sich von den Schlagzeilen um Bischof Tebartz-van Elst nicht schrecken. In diesem Jahr sind in der Stadt Kronach 32 Katholiken zwischen Mai und September ausgetreten. Kaum ein Anstieg zum Vorjahr: Denn da waren es 27 - ebenfalls im Zeitraum zwischen Mai und September.

"Diese Veränderung liegt in der üblichen Schwankungsbreite und kann nicht als außerordentliche Steigerung angesehen werden", betont Harry Luck, der Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariates. Etwas anders allerdings ist die Sache im Bistum gelagert. Denn da sind im Oktober bereits 45 Menschen ausgetreten, im September 14. Allerdings lagen die Austrittszahlen im vergangenen Jahr im September bei 28, im Oktober bei 16.

Regionaldekan Thomas Teuchgräber ist froh, dass die Menschen in Kronach zu ihrer Kirche halten. "Die Leute können unterscheiden, dass hier nicht Limburg ist.
Und in Bamberg gelten ganz andere Maßstäbe. Bei uns wäre so eine Kostensteigerung nicht möglich", betont Teuchgräber, der selbst einige Jahre Mitglied im Diözesansteuerausschuss war und auch heute noch sehr engagiert auf Diözesanebene tätig ist. Großprojekte müssen vorher kommuniziert und von weltlichen und geistlichen Mitgliedern abgesegnet wären.

Nicht alles für Bischofswohnung

Im Falle von Tebartz-van-Elst stellt der Regionaldekan klar, dass nicht alle Mittel für die Bischofswohnung ausgegeben worden sind. Es gehören auch noch andere Einrichtungen dazu, beispielsweise ein Verwaltungsgebäude, ein Konferenzgebäude, ein Museum, ein Archiv oder die Bischofskapelle. "In Bamberg wurde das Bistumshaus St. Otto am Heinrichsdamm umgebaut - und bei diesem Riesenprojekt sind wir knapp zwei Millionen Euro unter den veranschlagten Kosten geblieben", sagt Teuchgräber.

Offen und transparent sein

Doch auch in Kronach schimpften die Menschen über Tebartz-van Elst. "Er hat sich ganz schlecht verkauft. Wir müssen jetzt schauen, wie wir damit umgehen. Und diese Vorfälle haben mal wieder gezeigt: Es ist in unserer heutigen Zeit kein Schaden, besonders transparent zu sein und alles offen zu legen", so Teuchgräber.
Meistens seien es ohnehin nicht solche Vorfälle, die die Menschen zum Austritt bewegen, weiß Teugräber. Oft sei die Kirchensteuer ein Grund. "Die Kirchensteuer ist in Bayern bei acht Prozent der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer, in anderen Bundesländern ist sie mit neun Prozent höher. Und die Kirchensteuer ist keine Erfindung der Kirche, sondern des Staates. Das muss man mal klar sagen. Von der Kirchensteuer behält der Staat für die Erhebung allein drei Prozent ein", sagt Teuchgräber.

Kirchensteuer sei oft der Grund

"Man muss klar sagen, wenn es die Kirchensteuer nicht gäbe, würde der Staat die allgemeinen Steuern erhöhen, da sich - wie seinerzeit nach der Säkularisation- die Kirche aus mancher Aufgabe finanziell zurückziehen müsste. Denn bei den Schulen und Kindertagesstätten schultert die Kirche viel. Sie zahlt bisher regelmäßig mehr von den Baukosten als der Staat und die Kommunen", erklärt er.

Ein Vorwand, um auszutreten

Manchmal seien solche Skandale auch nur ein Vorwand, um auszutreten. Teuchgräber kennt dieses Dilemma und ist sich sicher, dass sich Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, meistens schon vorher von ihr entfernt hätten. Der Austritt sei meist nur noch der letzte Schritt. "Es ist ja auch so, dass es Menschen gibt, die wieder zur Kirche zurückfinden", betont Teuchgräber.

Auch Pfarrer Michael Dotzauer, der für Friesen, Wilhelmsthal und Lahm und Effelter zuständig ist, gibt Entwarnung. "Ich hatte bisher keine Austritte", sagt er. "die meisten Menschen haben sich einfach gewundert, wie so etwas unbemerkt passieren kann. Und ich habe eigentlich nicht so sehr Verärgerung, sondern eher Unverständnis und Spott erlebt", so Dotzauer.

Das Schlimmste sei überstanden. "Als Gottschalk im Radio gesagt hat, Tebartz-van Elst wäre in Nurn, hat das irgendwie die Brisanz rausgenommen. Das hat ja keiner geglaubt. Ich denke, irgendwann ist das Thema jetzt wieder rum", so Dotzauer und betont, dass in der Pfarrei alle Ausgaben kontrolliert und offen gelegt werden.
"Ich denke, die Vorfälle sind eine Mahnung an die Kirche, offen und transparent mit allem umzugehen - auch mit Geld. Verschweigen geht heute nicht mehr."

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