Roßlach
Umwelt

Kinder räumen in der Natur auf

Kinder und Jugendliche aus Roßlach unternahmen am Samstag eine Müllsammel- und Säuberungsaktion.
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Patrick, Lena und Lukas (von links) befördern ein Lattenrost ans Tageslicht. Fotos: Heike Schülein
Patrick, Lena und Lukas (von links) befördern ein Lattenrost ans Tageslicht. Fotos: Heike Schülein
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"Vorsicht, Patrick, sonst erschlag ich dich noch mit dem ganzen Eisen-Gelump", ruft Lena. Die Neunjährige setzt an, hebt ein undefinierbares Eisenteil in die Höhe und wirft es voller Schwung nach unten. Dort geht ihr Bruder zunächst in Deckung, dann steckt er das "Wurfgeschoss" in seinen großen Müllsack. Darin tummeln sich bereits Dosen, Schnapsflaschen, Verpackungsmaterial, Plastikspielzeug, Scherben und Papier.

Es ist Samstagnachmittag, 14.30 Uhr bei der Winterleite in Roßlach. Lena, Patrick und 15 andere Kinder und Jugendliche schweifen gerade - aufgeteilt in mehreren Gruppen und mit Unterstützung von elf Erwachsenen - durch ihren Heimatort, um diesen von Müll und Abfall zu befreien. Ausgerüstet mit Handschuhen, festen Schuhen und reflektierenden Schutzjacken sind sie bei sehr ungemütlichen Temperaturen unterwegs.
Der Regen vom Vormittag hat den Boden rutschig und damit gefährlich gemacht, es ist kalt und ein eisiger Wind bläst den Jungen und Mädchen ins Gesicht.

Bereits am Straßenrand hatten sie Flaschen, Zigarettenschachteln und Folien entdeckt. Was sie aber jetzt hinter Sträuchern gefunden haben, schlägt dem Fass den Boden aus. Unbekannte haben wohl ein Feuer geschürt und darin die unmöglichsten Dinge verbrannt - insbesondere Dekosachen und Metallteile, wie sie gerade Lena ihrem Bruder zugeworfen hat.

Sogar ein verkohlter Engel kommt zum Vorschein. "Einen Engel verbrennt man doch nicht", sagt Lena fassungslos und ergänzt: "Die Leute sind blöd. Wie kann man nur so etwas machen?" Fast eine halbe Stunde sind sie damit beschäftigt, weitere Dinge aus der Asche herauszuholen. Die Säcke sind mittlerweile randvoll, einige - durch die scharfen Kanten der Eisenstücke - voller Löcher.

Stefan bittet Jugendwart Peter Schmidt per Handy, neue Müllsäcke zu bringen. Tatsächlich trifft er wenige Minuten später dort ein. "Das macht so keinen Sinn. Wir müssen der Gemeinde Bescheid geben, damit sie sich darum kümmert. Das ist für uns zu gefährlich", sagt Schmidt beim Betrachten der bereits jetzt teilweise zerrissenen Handschuhe der jungen Müllsammler.

Lena ist neun Jahre alt und zum zweiten Mal bei der in Roßlach schon traditionellen Säuberungsaktion dabei, Patrick ist fünf Jahre und feiert heuer "Premiere". Ob es ihnen Spaß macht? "Naja", überlegt Lena. Es sei schon schön, wenn Roßlach wieder sauber ist. Und mit den anderen unterwegs zu sein, gefalle ihr auch. Aber den Dreck anderer Leute wegzumachen, weil die zu faul sind, einen Mülleimer zu benutzen, mache keinen Spaß. "Wenn man aber immer nur sagt ,Warum ich?‘ oder ,Das sollen die Anderen machen‘, dann bleibt das ja für immer liegen. Das geht doch nicht", sagt sie.

Die Kinder und Jugendlichen begeben sich auf den Rückweg. Ihre prall gefüllten Säcke haben sie stehen gelassen. Sie werden später abgeholt und der Müll wird ordnungsgemäß entsorgt. Die Säcke, die noch nicht ganz voll sind, schleppen sie entweder über ihren Schultern oder zerren sie hinter sich her. Sie kommen an einer tiefen Böschung vorbei. Pflichtbewusst steigen sie hinab, um nachzuschauen, ob auch hier "Schätze" verborgen sind.
Lena müht sich ab und zieht eine riesige Folie aus dem Gestrüpp. Dort findet sie auch einen Deckel und einen Topf. "Ist das ein Auspuff?", fragt sie. Sie zieht und zieht. Keine Chance! Das Teil ist für sie viel zu schwer. Doch Hilfe naht: Ein Erwachseneren zerrt schließlich den vermeintlichen Auspuff heraus. Dieser entpuppt sich als das Gestellteil eines Latterwagens, der einfach in der Natur entsorgt wurde.

Doch das ist noch nicht alles. "Ich habe ein Lattenrost gefunden", ruft der elfjährige Lukas.
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