Kronach
Ministerbesuch

Kein Schnellschuss bei Sanierung der JVA Kronach

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback machte sich am Mittwoch ein Bild von der Kronacher Justizvollzugsanstalt. Dort hatte es am Freitag gebrannt.
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JVA-Leiter Ullrich Mann (l.) zeigte Staatsminister Winfried Bausback, wo die Feuerwehrleute dem Brand im Deckenbereich nachgespürt haben. Beide stellten die Leistungen der engagierten Einsatzkräfte aller beteiligten Hilfsdienste heraus. Foto: Marco Meißner
JVA-Leiter Ullrich Mann (l.) zeigte Staatsminister Winfried Bausback, wo die Feuerwehrleute dem Brand im Deckenbereich nachgespürt haben. Beide stellten die Leistungen der engagierten Einsatzkräfte aller beteiligten Hilfsdienste heraus. Foto: Marco Meißner
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Ein Hauch von Brandgeruch hängt noch immer im Treppenhaus. Die Zellen stehen leer. Es ist ruhig in den Gängen. Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) hatte eine andere Atmosphäre erwartet, als er vor geraumer Zeit angekündigt hatte, die Kronacher Justizvollzugsanstalt besuchen zu wollen. Der Brand am vergangenen Freitag änderte nun alles. Gekommen ist der Minister trotzdem.

"Wir wollten eigentlich über die Weiterentwicklung der JVA reden", erklärte er. "Der Anlass ist nun ein ganz anderer." Der Leiter der Einrichtung, Ullrich Mann, war froh, dass Bausback seinen Weg auch in das leere Gefängnis gefunden hat ("Sie demonstrieren, dass Sie kein Schönwetterminister sind"). Ursprünglich habe er über den Behördenstandort Kronach, die Personalrekrutierung und die Aufbruchstimmung in der Region sprechen wollen. Nun ging es Mann in erster Linie um "die Helden des Alltags".

Er hob die Leistung des eigenen Personals, aber auch von Feuerwehr, Polizei, THW und Rettungsdienst hervor. Natürlich gebe es für den Fall eines möglichen Brandes in der JVA detailreiche Planungen und Übungen, doch am Ende bleibe immer wieder ein flaues Gefühl, ob im Ernstfall auch alles so klappen würde wie gedacht. "Und es funktioniert - beinahe noch besser als bei den Übungen", freute sich der Leiter der JVA. "Die Stellung des Ehrenamtes, der sich die Staatsregierung verschrieben hat, zahlt sich in solchen Fällen mit Zins und Zinseszins aus", betonte er.

Der Staatsminister pflichtete Mann bei, dass es nicht selbstverständlich sei, eine mit rund 100 Gefangenen voll belegte Justizvollzugsanstalt zu evakuieren, ohne dass jemand dabei zu größerem Schaden kommt. Er dankte hierfür allen beteiligten Einsatzkräften und den Justizbehörden.

Dann wagte Bausback einen Blick in die nähere Zukunft der JVA Kronach. "Wir können noch nicht sagen, wie es konkret weitergehen wird", räumte er ein. Jetzt sollen erst einmal die Planungen abgewartet werden, welche keine leichte Aufgabe seien. "Wir müssen schauen, was notwendig ist", sagte der Minister und vermutete Sanierungsarbeiten in einem größeren Maßstab.

Die weiteren Überlegungen fußen laut Bausback auf drei Säulen: An erster Stelle stehe die Sicherheit der Bediensteten und Gefangenen. Ein zweiter Punkt sei, dass der Freistaat auf die Kapazitäten der Kronacher JVA nicht verzichten könne. Und schließlich gehe es um die Sicherung von 31 Arbeitsplätzen. Viele Bedienstete der JVA seien in der Region verwurzelt. "Diese Interessen müssen wir ernstnehmen", meinte Bausback, der auch auf die Bedeutung des Gefängnisses für die Stadt Kronach hinwies. Die stellvertretende Vorsitzende des Gefängnisbeirats, Inge Aures (SPD), unterstrich, dass man sich, so bitter das sei, nun erst einmal in Ruhe Gedanken über den baulichen Zustand der Einrichtung machen müsse. "Wir wollen ja den Standort Kronach und die Arbeitsplätze erhalten."

Der Kronacher Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU) fügte an, dass Kronach ein guter Standort sei, an dem gute Arbeit geleistet werde. Die heimische Dienstleistungsregion müsse weiter ausgebaut werden. Deshalb gelte es auch, die Anstalt zügig zu sanieren und wieder zum Laufen zu bringen.

Zum Abschluss seines Besuchs konnte Minister Bausback noch eine Neuerung testen. Ein Videodolmetscher-System wird in der JVA Kronach als einer von zehn Justizvollzugsanstalten in Bayern getestet. So können Gespräche mit Gefangenen in über 60 Sprachen in kurzer Zeit geführt werden. Der Übersetzer am Bildschirm löst laut Bausback die Problematik, dass sich für einzelne Sprachen im Freistaat so gut wie keine Dolmetscher finden lassen.



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