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LKR Kronach
Hochzeit im Frankenwald (III)

Kein Blick zurück auf Weg zum Altar

"Einmal kommt der Tag, wo man Hochzeit macht im Frankenwald." Das Heimatlied von der schönen Frankenwäldlerin ist wie ein Gebet: Es ermuntert in guten wie in schlechten Zeiten. Dem Tag der Eheschließung ist der dritte und letzte Teil unserer Miniserie über Hochtzeitsbräuche gewidmet.
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Endlich ist der Hochzeitstag gekommen. Mit dem Dank an die Schwiegereltern holt der Bräutigam seine Braut vom Elternhaus ab und überreicht ihr nach altem Brauch den Hochzeitsstrauß.

Die Hochzeitsgäste formieren sich zu einem Zug, der durch paarweise gehende Kinder angeführt wird. Diesen alten Fruchtbarkeitsbrauch findet man auch heute noch in den blumenstreuenden Kindern, die vor dem Brautpaar in die Kirche ziehen.

Bevor der Hochzeitszug zur Kirche gelangt, gibt es den noch lebendigen Bauch des "Aufhaltens". Kinder versperren dem Brautpaar den Weg mit einem Seil. Die Sperre wird erst beseitigt, wenn "Lösegeld" ausgeworfen wird.

Auf den Weg zum Altar darf sich das Brautpaar nicht mehr umdrehen. Denn wer nach altem Glauben rückwärts schaut, wird bald "das Zeitliche segnen". Andererseits gilt, wer sich umdreht, sieht sich schon nach einer zweiten Heirat um. Selbst das Wetter am Hochzeitstag wissen die ausgefuchsten Frankenwäldler nach ihrem Gutdünken auszulegen. So glaubt man entweder an Glück, Tränen oder Geld, wenn es "in den Schleier regnet".

Aus der Zeit, als das sichtbare Besitzergreifen als Rechtssymbol galt, mag wohl dieses seltsame Ritual stammen: Der Mann muss seiner Frau während der Trauungszeremonie kräftig "auf die Füß sabbn", um sich die Oberherrschaft in der Ehe zu sichern. Die Oberhand in der Ehe hat auch derjenige Partner, dessen Hand während der Einsegnung oben liegt oder der als erster den Handschuh von der Hand gestreift hat.

Nach der Trauung findet sich die Hochzeitsgesellschaft zur ausgiebigen Feier ein, die früher ausschließlich zuhause stattfand. Doch vor dem Betreten des mit Girlanden und Birken geschmückten Anwesens überstürzen und vermengen sich die verschiedensten Bräuche. So hat das Brautpaar erst die "einige Suppe" auszulöffeln, um mit diesem Tun die Gemeinsamkeit ihres künftigen Wegs zu bekräftigen. Weiter ist es Aufgabe der jungen Ehefrau, noch vor dem Betreten ihres Hauses von einem Brotlaib eine Kuppe abzuschneiden. Das "Köppla" wird aufbewahrt und es zeigt nach geraumer Zeit, dass mit dem Schimmel erste Unstimmigkeiten in der Ehe auftreten können.

Heute noch weit verbreitet ist dieser Brauch: An der Haustür reicht man dem frisch getrauten Paar den ersten Trunk, wobei die Gläser anschließend über die Schulter nach hinten geworfen werden. Wessen Glas nicht zerbricht, wird bald den besagten "Löffel abgeben", heißt es.

Auch wenn man vorgibt, diesem Tun keinen Glauben zu schenken, sieht man recht nachdenkliche Gesichter, sobald das Glas nicht in Scherben springt. Eiligst wird dann ein zweiter Versuch unternommen, um die gewünschte Wirkung doch noch zu erlangen.

Die Sitzordnung an der Hochzeitstafel ist genau festgelegt und wird heute noch in der Weise eingehalten, dass neben der Braut ihr Vater und ihre Schwiegermutter und neben dem Bräutigam seine Schwiegermutter und sein Vater ihren Platz einnehmen.

Vor Beginn des Hochzeitsessens spricht die Braut das Tischgebet. Früher galt diese Handlung als Symbol der Besitzergreifung vom künftigen Domizil.

Seit eh und je ein beliebter Brauch ist das "Braut entführen". Sobald der Bräutigam seine Braut nur kurz aus den Augen lässt, sind auch schon einige Burschen mit ihr in irgendein Wirtshaus verschwunden. Aufgabe des unachtsamen Ehemannes ist es nun, die Entführer samt Ehefrau aufzuspüren. Je länger aber die Suche dauert, desto größer wird nicht nur die Sause, sondern auch die Zeche, die er schließlich bezahlen muss, um sie wieder auszulösen.

Das "Schleieraustanzen" beschließt den Hochzeitstag - nicht aber die Feier - und bestimmt die nächste Braut und den nächsten Bräutigam aus dem Kreis der Anwesenden. Das geschieht, indem die Braut mit verbundenen Augen aus der Schar junger Mädchen eines herausgreift und die sich auf die gleiche Weise aus der Runde junger Burschen "ihren Bräutigam" erwählt. Mit einem Pflichttanz des so gefundenen Paares endet das "Schleieraustanzen".

Der wohl letzte Brauch in der Hochzeitsnacht beruht auf dem Glauben, dass Lärm oder auch lieblichere Geräusche potenzielles Desaster abwehren könnten. Aus diesem Grund hängte man damals unter das Brautbett kleine Glöckchen, die das Brautpaar nur noch zum Bimmeln bringen musste. Ein Schuft, wer Schlechtes dabei denkt.

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