Kronach
Loewe

Kauf von Loewe-Gebäuden würde für Kronach auch Werte schaffen

Das politische Echo aus dem Kronacher Rathaus auf das vorgeschlagene Geschäft mit Loewe-Grundstücken ist weitgehend positiv. Doch es gibt auch eine kritische Stimme aus den Stadtratsfraktionen.
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Die Kräfte im Stadtrat halten den Kauf von Loewe-Gebäuden und -Flächen für realisierbar. Foto: Marco Meißner
Die Kräfte im Stadtrat halten den Kauf von Loewe-Gebäuden und -Flächen für realisierbar. Foto: Marco Meißner
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Die Kreisstadt setzt seit Jahren auf einen Konsolidierungskurs. Trotzdem nahen große Ausgaben. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses, die Sanierung der Volkshochschule - Investitionen von beinahe acht Millionen Euro bis 2015 stehen im Raum. Und jetzt könnte eine weitere - und vor allem ungeplante - Millionen-Investition hinzukommen: Der (teilweise) Kauf von Flächen und Gebäuden der Firma Loewe. Von 2,5 Millionen Euro war zuletzt die Rede, welche die Lucas-Cranach-Stadt angeblich in das Vorhaben stecken müsste. Die Alternative einer Staatsbürgschaft wurde vom möglichen Investor abgelehnt.

Vereinzelte Kritik

Einmütig wurde dem Antrag zugestimmt, der einerseits der Entwicklung Kronachs, andererseits aber auch der Rettung des Unternehmens dienen soll. Doch die politischen Gruppierungen sehen die Entwicklung im Nachhinein keineswegs einhellig durch die rosarote Brille.
Marina Schmitt, Fraktionsvorsitzende der SPD, übte nach der Sitzung des Stadtrats Kritik. Sie fühlte sich irritiert, weil sie angeblich unterschiedliche Informationen über die ebenfalls diskutierte Möglichkeit einer Staatsbürgschaft erhalten habe. Diese Bürgschaft sei ihr letztlich zu schnell ad acta gelegt worden.

Ob andere Informationen jedoch auch zu einem anderen Ergebnis in der entscheidenden Sitzung geführt hätten, vermag die SPD-Fraktionsvorsitzende nicht zu sagen. Letzten Endes stehe die Stadt im Falle des Kaufes zwar in der Pflicht, doch sie erwerbe ja auch Gegenwerte.


Kauf wird sich rechnen

Über die Jahre werde sich der Kauf sicherlich rechnen, weil Einnahmen aus den erworbenen Flächen beziehungsweise Gebäuden generiert würden, ist sich Schmitt sicher. "Das Geld wird also nicht in den Sand gesetzt", betont sie. Und die Mittel für den Kauf zu bekommen, sollte ihrer Ansicht nach auch nicht das Problem sein. "Durch die Immobilie selbst ist ja eine Absicherung da."

Was allerdings keinesfalls geschehen dürfe, sei ein Zurückrudern bei den Großprojekten Volkshochschule und Feuerwehrhaus. "Aber der Kauf wird vielleicht manches verschieben", räumt sie für den Fall ein, dass die Stadt in Sachen "Loewe" aktiv werden sollte. Sie fügt allerdings hinzu, dass Kronach zwar ein Angebot vorgelegt habe, dessen Umsetzung ihrer Ansicht nach aber noch nicht in trockenen Tüchern sei. Mögliche Nachverhandlungen, der zeitliche Rahmen etc. - es gebe da schon noch das eine oder andere Hindernis. "Ob das alles so funktionieren wird? Ich zweifle noch an der Sache."


Nicht im Nebel stochern

Michael Zwingmann, der Fraktionssprecher der Freien Wähler, will sich auf ein Stochern im Nebel nicht einlassen und hofft, dass aus dem für Kronach so wichtigen Thema nicht auf den letzten Drücker noch ein Politikum wird. Er fühlte sich im Vorfeld der Ratsentscheidung gut auf dem Laufenden gehalten, wie er hervorhebt.
"Wir haben klare Informationen bekommen und klare Aufträge gegeben", lautet sein Fazit. "Und wir sollten einen Schritt nach dem anderen tun", will er nun erst einmal die weitere Entwicklung abwarten. Was die Finanzierung des möglichen Kaufs angeht, ist er zuversichtlich, dass die Kreisstadt diese stemmen kann. "Sicherlich kostet ein Grundstückskauf Geld. Aber wir betreiben eine Haushaltskonsolidierung mit Augenmaß."

Mit konkreten Vorstellungen, wie das Vorhaben letztlich umgesetzt werden könnte, will sich Zwingmann nicht aus dem Fenster lehnen. Auch das wäre in seinen Augen pure Spekulation. "Vieles wird jetzt ausgelotet", räumt er ein. "Und es muss noch vieles auf der rechtsaufsichtlichen Schiene geklärt werden. Dann muss man sehen, was möglich ist."


CSU hält sich bedeckt

Ähnlich scheint es die CSU-Fraktion im Stadtrat zu sehen. Sie will dem Vernehmen nach vor dem Wahltag keine öffentlichen Diskussionen mehr über den eingeschlagenen Weg eingehen. "Wir haben darüber gesprochen", stellt Fraktionssprecher Bernd Liebhardt auf unsere Nachfrage fest. Aber in der jetzigen Phase werde die CSU schweigen. "Aus gesamtpolitischer Verantwortung für die Stadtentwicklung und die Entwicklung bei Loewe äußern wir uns derzeit nicht", bat Liebhardt um Verständnis.

"Ich habe guten Gewissens zugestimmt", stellt sich Cilly Volk, Stadträtin der Frauenliste, hinter den Beschluss des Gremiums. Sie habe im ersten Moment zwar auch geschluckt, dann aber erkannt, dass es der Stadt wirklich nicht darum gehe, sich zum Retter von Loewe zu machen. "Es geht um die Stadtentwicklung", unterstreicht sie. "Und wenn im Zuge dessen auch noch Arbeitsplätze gerettet werden können, dann ist das doch positiv." So habe Kronach einerseits die Perspektive möglicher Mieteinnahmen, andererseits aber auch "die Hand drauf", falls einmal eine andere Nutzung gefunden werden müsse.


Das Mögliche getan

Dass ein Kauf über Kredite finanziert werden müsste, sei gerade in der jetzigen Lage auf dem Finanzmarkt zu verschmerzen. "Da herrschen beste Konditionen. Man müsste eigentlich fragen: Wenn nicht jetzt, wann dann?" Es sei nicht die Aufgabe einer Stadt, ein Unternehmen zu retten, betont sie nochmals. Aber man könne einen Beitrag dazu leisten. "Und wir haben das getan, was einem als Stadt möglich ist."

Aus dem Rathaus selbst war zu diesem Thema nicht viel in Erfahrung zu bringen. Hauptamtsleiter Stefan Wicklein verwies auf die laufenden Verhandlungen: "Wir müssen erst für uns die Abläufe klären."
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