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Kronach
Abitur

Karoline Wendt lässt das Kaspar-Zeuß-Gymnasium hinter sich

Karoline Wendt aus Tettau ist nach der Hauptschule aufs Gymnasium gegangen. Nun hat sie ein gutes Abi am Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG) geschafft.
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Mit dem Abiturzeugnis in der Hand kann Karoline Wendt die Schultüren hinter sich lassen.  Foto: Schadeck
Mit dem Abiturzeugnis in der Hand kann Karoline Wendt die Schultüren hinter sich lassen. Foto: Schadeck
"Sorry, bin ein bisschen spät." Mit großen Schritten und einem sympathischen Lächeln auf den Lippen stürmt die frisch gebackene Abiturientin in die Mensa. Typisch Karo. Sie ist ein aufgewecktes Mädchen, ein bisschen chaotisch, immer gut gelaunt und optimistisch. Sie kann reden wie ein Buch, ist manchmal etwas vorlaut und für jeden Spaß zu haben. Typisch Karo ist auch, dass sie nicht gerade schüchtern ist - aber das macht sie nur noch sympathischer. Ihre sehr herzliche, lustige aber auch direkte Art mag wohl jeder an ihr, egal ob Schüler oder Lehrer.

Ja, Karoline Wendt ist im wahrsten Sinne des Wortes "spät dran". Vor zwei Wochen, hat die 19-Jährige ihr Abitur bestanden, und zwar nicht nur irgendwie, sondern sogar ziemlich gut. Doch über Umwege. Denn Karo kommt aus der Hauptschule. Für ihr Abi hat sie zwar Zeit verloren, doch den besten Schulabschluss Deutschlands hinzugewonnen.
Da man aber sein Abi weder geschenkt bekommt noch im Lotto gewinnt, war es für Karoline nicht immer ein einfacher Weg zum Ziel, dem Abitur. Die Schülerin a. D. hat sogar einen sehr unüblichen Werdegang vorzuweisen - der aber Dank des zweiten Bildungswegs immer populärer wird. Karoline kommt nämlich aus dem M-Zug der Hauptschule.

Notwendigkeit nicht erkannt

Aber erst mal von vorne: Alles hat damit angefangen, dass die Tettauerin schon immer gut in der Schule war. "Ich habe nach der Grundschule den Übertritt ins Gymnasium geschafft. Aber, man sieht den Ernst in diesem Alter einfach noch nicht. Wie wichtig Schule für die Zukunft ist", gibt sie zu. Deshalb ist sie nach einiger Zeit wieder runter vom Gymnasium, in die Hauptschule. "Ich habe einfach die Notwendigkeit nicht erkannt."
So war sie dann in der Hauptschule, für die sie definitiv überqualifiziert war. In der 7. Klasse dann nahm sie den M-Zug, den sie auch problemlos meisterte. "Easy", wie es Karo so schön nennt.

Dass sie dann nach der Mittleren Reife aufs Gymnasium aufmerksam wurde, verdankt sie einer Freundin. "Ich bin mit ihr zur ersten Infoveranstaltung am KZG." In der Einführungsklasse (E10), merkte sie dann schon einen Unterschied zur Hauptschule. "Fächer wie PCB (Physik, Chemie, Biologie) sind im Gymnasium aufgedröselt, also alles einzelne Fächer. Das bedeutet natürlich mehr Lernaufwand. Vieles war auch totales Neuland." Vor allem die Naturwissenschaften waren anspruchsvoller. Zudem musste sie eine zweite Fremdsprache, in ihrem Fall Französisch, nachlernen. "Aber wenn einem Sprachen liegen, ist das kein Problem", blickt sie zurück.

Nach dem Einführungsjahr stand schließlich die Qualifikationsphase mit der Q11 und Q12 vor der Tür: Die nächste Herausforderung. "Hier wurde noch mehr Eigeninitiative verlangt, überall Exen und Klausuren", bilanziert die Abiturientin. "Man hat schon viel Arbeit. Man denkt immer nach jeder Klausur: Das war viel, doch es ist nichts im Vergleich zur Abivorbereitung." Die Erleichterung darüber, dass jetzt alles vorbei ist, steht ihr sichtlich ins Gesicht geschrieben.

Aber das alles hat wohl nicht viel Schaden angerichtet, denn "ich würd‘s nochmal machen, aber es trotzdem nicht lockerer angehen, nur weil ich weiß, wie's läuft", meint sie.

Den Gymnasiasten was voraus

Im Verlauf der drei Schuljahre am KZG kann man sagen, dass ihr die Erfahrungen aus dem M-Zug der Hauptschule oft zugute kamen. So hatte sie den eingefleischten Gymnasiasten voraus, dass sie als Hauptschülerin im M-Zug schon einmal zwei Facharbeiten schreiben musste. Nun in der Q11, als die "Seminararbeit" anstand, waren für sie das von allen gefürchtete richtige Zitieren oder die Literaturlisten sowie das Recherchieren kein Problem mehr. Der Weg zum Abitur verlief bei Karo, wie bei jedem anderen auch, nicht reibungslos. Es gab Höhen und Tiefen. Ein Hoch waren quasi alle sprachlichen Fächer. "Obwohl ich jetzt nicht sagen würde, dass alle unendlich leicht waren."

Daraus folgt Mathe: Ein eindeutiges Tief. "Wir mussten einfach viel selber machen. Vor allem, wenn's einem nicht so liegt. Das war schon schwer." Im Mathe- Abi selber allerdings übertraf sich die Ex-Schülerin selber. "Ich war da besser, als in allen Klausuren vorher", freut sie sich verdient, denn dafür hat sie viel Freizeit geopfert. "Manchmal hatte ich auch echt Zweifel, es gab Tage, an denen klappte einfach nichts."

Auf die Frage, wie ihre Familie und Freunde auf das Bestehen der Abiturprüfung reagierten, antwortet sie mit einem Lachen: " Die haben mir wahrscheinlich mehr gratuliert als zum Geburtstag. Und freuen sich", fügt sie hinzu, "dass sie mich nicht mehr ertragen müssen, wenn ich meine Gefühlsausbrüche bekomme wegen des Stresses".

Für die Zukunft hat Karoline Wendt schon große Pläne geschmiedet und hat ein sicheres Ziel vor Augen: " Ich möchte soziale Arbeit studieren - nicht, weil mir nichts Besseres einfällt, nein, ich will es wirklich. Ich möchte in Problemzonen: Suchttherapie, Bewährungshilfe etc., eingreifen und helfen. Und ich möchte selbstständiger werden."

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