Kronach
Theater

Kammertheater-Tage in Kronach: Hinter der Problemzone geht's weiter

Bei den Kammertheater-Tagen in Kronach überzeugt Susanne Rösch bei der Premiere von "Mondscheintarif" und strapaziert die Lachmuskeln ihres Publikums.
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Cora Hübsch (Susanne Rösch) ging auf dem Weg zum Date mit ihrem Traummann durch manches emotionale Tief. Foto: Maria Löffler
Cora Hübsch (Susanne Rösch) ging auf dem Weg zum Date mit ihrem Traummann durch manches emotionale Tief. Foto: Maria Löffler
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"Sie werden sich in vielen Dingen wiedererkennen", versprach Regisseur Stefan Haufe am Premierenabend von "Mondscheintarif" mit Susanne Rösch im Rahmen der Kammertheater-Tage. Und wenn man am Anfang schon gewusst hätte, was am Ende dabei heraus kam, hätten viele Besucher vielleicht noch ein paar Lachmuskeln extra mitgebracht. Das Historische Rathaus in Kronach war mit seiner tollen Kulisse für dieses Stück auch der perfekte Aufführungsort.

Schon als Susanne Rösch in ihrer Rolle als Cora Hübsch die ersten Worte sprach, hatte sie den Bann gebrochen und Zugang zu ihrem Publikum gefunden. "Der Fuß ist eine weitgehend unerschlossene, weibliche Problemzone. Ich habe kein sehr freundschaftliches Verhältnis zu meinen Füßen." Cora Hübsch, ausgestattet mit Salzgebäck, Schokolade, Wein und einem Telefon, wartete an diesem Abend sehnsüchtig auf den Anruf ihres Traummannes Dr. med. Daniel Hofmann. Dabei stellte sie fest: "Männer warten nicht, sie machen in dieser Zeit ihre Steuererklärung oder erfinden ein Mittel gegen Aids."

Cora Hübsch ließ ihre Gedanken schweifen und warf einen Blick auf die vergangenen Wochen. Vor allem auf den Tag, an dem sie ihrem Traummann das erste Mal begegnete. Darin spielten vor allem riesiges Büfett, ein Pinkelpalast und ein hutzeliges Klo-Fräulein eine wichtige Rolle. Hauptdarsteller in dieser Szene war aber ein fliegender Hummer, flankiert von einem Roastbeef und Kaviarkartoffeln.

Kritischer Selbstblick

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Kritisch nahm sie danach erst einmal ihre Oberschenkel unter die Lupe und meinte: "Ich habe Oberschenkel wie Oliver Bierhoff, sie würden auch ohne mich überleben." Und warum sich Cora Hübsch in dieser Phase gar so sehr mit ihrem eigenen Körper befasste, hatte natürlich Sinn: Sie brauchte ja einen guten Grund, ihren Dr. med. Daniel Hofmann aufzusuchen, um ihm ihre Telefonnummer unterzujubeln.

Und dabei durfte es sich auf keinen Fall um ein Körperteil handeln, das ihrem kritischen Selbstblick nicht stand halten konnte. So kam sie auf Nackenverspannung, denn dabei müsse sie sich sicher nicht groß entkleiden. Dachte sie. Natürlich endete auch diese Szene überraschend und im großen Gelächter der Zuschauer.

Wie Axel Schulz im Negligé

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Und als sich Cora dann später mit einem eleganten Schlenker ihre Würde zurückerobert und sich "für die zweite Runde" qualifiziert, hing das Publikum an ihren Lippen. Viele erkannten sich hier wieder, nickten, klatschten oder schmunzelten einfach. "Ich fühle mich wie "Axel Schulz im Negligé", zielte auf die "Kleiderfrage". Und wie Cora dann mit gefühlten 83 Haarnadeln und mindestens 1,1 Promille im Blut bei ihrem Date klingelt, sah er dagegen "perfekt unvorbereitet" aus.

Doch über Antischluckauftechniken ging auch dieser Abend nicht hinaus. Als sie später feststellte, dass Sex Lust auf Steuer und Backofenreinigung macht, dachte sie dabei an ihren verehrten Doktor mit seiner "viel zu dünnen Daily-Soap-Schlampe." Cora, in deren "Schmutzkorb Socken wohnen, die ihren Partner verloren haben", stellte fest, dass Erotik und Humor nicht sehr gut zusammen passen, wenn man sich noch nicht kennt. Klar nahm die Story eine überraschende Wendung.

Noch drei Aufführungen

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Susanne (Suse) Rösch schaffte es während des ganzen Abends, allein mit ihrer Mimik mindestens vier Rollen überzeugend zu verkörpern. Ihre Bühnenpräsenz war überwältigend, ihre Gestik ausladend, schwungvoll und wohl überlegt. Ein begeistertes Publikum forderte mit Applaus viele Verbeugungen.

"Mondscheintarif" in der Monologfassung von Britta Focht und Neidhardt Nordmann läuft noch am Samstag, 4. November 2018 um 18 Uhr, am Freitag, 9. November 2018 um 19.30 Uhr und am Samstag, 10. November 2018, ebenfalls um 19.30 Uhr im Historischen Rathaus in Kronach.

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