Kronach
Kultur

Kammertheater in Kronach: "Kann man in Würde verglatzen?"

Der Schauspieler Lutz Leyh versuchte in Kronach, das ewige Rätsel einer Beziehung zwischen den Geschlechtern zu lösen. Als Handicap kam dazu, dass an die Partner der Alterungsprozess neue Herausforderungen stellt.
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Lutz Leyh erzählte von daheim. Ob seine Frau auch darüber lachen kann, erfährt er bei der Rückkehr.Maria Löffler
Lutz Leyh erzählte von daheim. Ob seine Frau auch darüber lachen kann, erfährt er bei der Rückkehr.Maria Löffler

Wenn sich bei der eigenen Frau ein "Strukturwandel im Oberschenkel vollzieht", kann man schon mal ins Grübeln kommen. Der Schauspieler Lutz Leyh hatte bei seiner Kammertheater-Premiere mit dem Stück "War das jetzt schon Sex?" im Historischen Rathaus Kronach eine Menge Zeit, über sein Eheleben nachzudenken.

Das tat er allerdings nicht lautlos, sondern er holte sich Bestätigung für seine Theorien vor allem beim Publikum. Das wieder konnte sich vor Lachen kaum halten, denn die lockere, szenische Skizzierung einer Ehe war wie ein Drehbuch der eigenen Beziehung.

Eine "zelluläre Ehekrise", die sich in Abwesenheit seiner Frau anbahnte, war für Lutz Leyh der Anlass für einen Abend mit viel Whisky und noch mehr Spekulationen. So grübelte er erst einmal darüber nach, ob die Bemerkung "heute morgen sah ich deinen Oberschenkel altern" wohl angebracht wäre, um auf "partielle Unebenheiten" hinzuweisen. Danach führte ihn die Erkenntnis "schmutzige Scheiben schützen vor zu hoher Sonneneinstrahlung" zum richtigen Verhalten am Weihnachtsabend mit seinen drei eisernen Regeln.

Auch mit "schlafäugigen Blondinen", die im Fitnessstudio ihre "Reithosen einbügeln" hatte er so seine Probleme. "Im Fitnessstudio gibt es eine solche Menge Testosteron, dass man die Geburtenrate Deutschlands weit vor die Ugandas katapultieren könnte."

Das hinderte ihn aber nicht daran, in Anbetracht der Lage beim Rudern ordentlich Gas zu geben. "Danach schnippten meine Bandscheiben raus wie ein Einkaufswagenchip. Damit war dieses Thema auch abgehakt", freute er sich. Irgendwie kamen dann auch seine "langen Unterhosen" ins Spiel, die auch bei seinen "humormäßig eher schwer entflammbaren Geschlechtsgenossen" nicht auf Gegenliebe stießen.

Es wird weniger

Zu schaffen machte dem leidgeprüften Ehemann auch die Tatsache, dass er mittlerweile vom "galanten Silvesterfeuerwerk" zum "ausgebrannten Pappkarton" mutiert war. Das liege aber nur daran, dass man das hohe Niveau an Romantik am Anfang einer Beziehung niemals lang durchhalten könne.

Dass "Kinder zuverlässig weitere Kinder verhindern", ist zwar keine beweisbare Tatsache, aber ein anschauliches Beispiel dafür, wie sie das Sexleben sabotieren können - was aber, unter Umständen, auch der Katze gelingt.

Als Leyh davon schwärmte, wie er seine Frau kennengelernt hat, schwebte ihm immer noch das Bild "einer schüttelfrisierten Blondine" vor Augen, die er am nächsten Morgen sicherheitshalber nach ihrem Namen gefragt habe. "Wir hatten da ja schon einen gemeinsamen Sohn." Und der habe später seine Geschlechtsreife aus Zeitmangel für die Aufklärung schon mal um ein Jahr verschieben müssen.

Die Erinnerungen an früher führten auch in eine Zeit, in der er "Rauch inhalierte, dass die Blätter der Zimmerpflanzen sich in meine Richtung falteten. Und ich konnte mein Haupthaar striegeln, dass die Schuppen stäubten." Was automatisch zur Frage führte: "Kann man in Würde verglatzen?"

"Die Geschichte der intersexuellen Kontakte ist lang und voller Leid." Beudeutungsschwanger und durch unvergleichliche Mimik flankiert klangen diese Worte durch den Saal und provozierten Lachsalven und vor allem viel Beifall. Sowieso sei die Zeit "zwischen Akne und Arthrose" nicht immer einfach. Hier fahnde man ständig nach "Kussbereitschaft" und übe das "Probeliegen auf dem Wasserbett." Sein Resümee: "Sex ist ein Fantasiegebilde, das die reale Ausführung eher beeinträchtigt als erfüllt."

Lutz Leyh, seit fünf Jahren nach eigener Aussage glücklich verheiratet, spielt dieses zeitlose Stück seit 2009 und feierte viele Erfolge damit. "Das ist genau mein Humor. Etwas spitz, manchmal hintergründig, aber immer mitten ins Ziel." "War das jetzt schon Sex?" entstand nach einer Buchvorlage von Stefan Schwarz.

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