Kronach
VHS-Musikring

Kammermusik vom Feinsten

Die Akademisten der Bamberger Symphoniker beschließen die Saison mit einem Konzert, bei der die Fantasie und die Jugend Schlüsselrollen spielten.
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Kammermusik in Vollendung boten die Akademisten der Bamberger Symphoniker (v.l. Michael Hertel, Anne Rothaupt, Hazel Beh, Pauline Riquelme und Lea Tessmann).Nicole Julien-Mann
Kammermusik in Vollendung boten die Akademisten der Bamberger Symphoniker (v.l. Michael Hertel, Anne Rothaupt, Hazel Beh, Pauline Riquelme und Lea Tessmann).Nicole Julien-Mann
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"Fantasie" war der Titel des Kammerkonzerts im Kreiskulturraum, der sich auf den Höhepunkt des Abends bezog, das "Phantasy-Quartett" von Benjamin Britten, das er im jugendlichen Alter von 19 Jahren komponiert hatte. Die fünf konzertierenden Akademisten haben die Zwanzig zwar überschritten, aber auch sie sind junge Musiker, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Und das, obwohl sie schon sehr viel geleistet haben. Neben profundem Musikunterricht in Kindheit und Jugend haben alle ein Musikstudium absolviert. Die Zulassung dafür geht nur über strenge Auswahlverfahren, genauso wie die Zulassung zur Akademie eines der großen renommierten Symphonieorchesters, zu denen die Bamberger Symphoniker in Deutschland zweifellos zählen. In der zweijährigen Akademiezeit, eine Art Stipendium, haben die jungen Talente die Möglichkeit, viel Praxis beim Musizieren mit einem großen Klangkörper zu erlangen.
Ein Highlight für die Kronacher war sicher der Auftritt des Oboisten Michael Hertel. Nach dem ersten Unterricht an der Musikschule in Kronach bei Danielle Maheux studierte er in Würzburg, Stuttgart und München. Er arbeitete mit den Hofer Symphonikern, dem Stuttgarter Kammerorchester und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. 2015 war er Solist bei der Kronacher Klassikakademie. An seine Zeit als Akademist in Bamberg schloss sich im Juli 2017 ein Zeitvertrag bei den Bamberger Symphonikern an. Bei einer derart erfolgversprechenden Laufbahn ist es auf das Schönste zu verfolgen, wie aus dem Sohn der Familie Hertel langsam ein Sohn der Stadt wird.
Hertel musizierte mit Anne Rothaupt an der Violine, Pauline Riquelme an der Viola, Lea Tessmann am Violoncello und Hazel Beh am Klavier.
Den Rahmen des Konzerts gab Wolfgang Amadeus Mozart, der innerhalb seiner nur 35 Lebensjahre ein enormes Werk hinterlassen hat. Im Alter von 25 Jahren komponierte er das Oboenquartett F-Dur. Der runde warme Ton der Oboe harmoniert prächtig mit den Streichern. Das Rondo enthält nicht nur fingerbrecherische Läufe, sondern stellt die Musiker vor eine besondere Herausforderung: während die Streicher im Sechsachteltakt bleiben, wechselt die Oboe in den Viervierteltakt. Es heißt, Mozart wollte seinen Oboisten mit diesem Scherz testen. Ob dieser bestanden hat ist nicht überliefert, die Akademisten jedenfalls meisteren diesen "Faschingsscherz" bravourös.
Melancholisch gefühlvoll ging es mit den Fantasiestücken für Violine und Klavier von Robert Schumann weiter. Anne Rothaupt entlockte ihrer Violine weiche kantilene Passagen bis zum kraftvollen dramatischen Abschluss im letzten Stück "Rasch und mit Feuer". Hazel Beh am Klavier erwies sich als kongeniale gefühlvolle und unterstützende Partnerin.
Höhepunkt des Konzerts aber war zweifellos das "Phantasy-Quartett" für Oboe und Streichtrio von Benjamin Britten. Hier ließen sich die Musiker ganz auf das gemeinsame musizierende Gestalten des Stücks ein, das es in sich hat. Scheinbar unvermittelt erheben die einzelnen Instrumente ihre Stimmen, über einige Takte oder nur eine Tonfolge, um sich dann wieder vollkommen zurückzunehmen. Die Musiker nahmen das Publikum auf eine kontrastreiche Reise mit in diese "Phantasy", die sich in ihrer einsätzigen Form eine Viertelstunde lang entfaltete.
Zum Schluss musizierten alle vier Künstlerinnen und der Künstler nocheinmal gemeinsam bei Mozarts Klavierquartett g-Moll. Den Liebesbeweis des Publikums, langanhaltender Applaus, erwiderten die Musiker mit dem passenden Gruß: Salut d'amour von Edward Elgar.


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