Wilhelmsthal
1. Mai

KAB feiert Tag der Arbeit

Zum Plädoyer für ein geeintes Europa geriet die Feier in Wilhelmsthal. Tenor: Mit Europa habe man es nicht immer leicht; aber ohne Europa gehe nichts.
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Am Festzug durch Wilhelmsthal beteiligten sich zahlreiche KAB-Abordnungen.Heike Schülein
Am Festzug durch Wilhelmsthal beteiligten sich zahlreiche KAB-Abordnungen.Heike Schülein
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Nach dem Arbeitnehmer-Gottesdienst kamen Abordnungen der KAB-Ortsverbände, Interessierte und Ehrengäste im KAB-Haus in Wilhelmsthal zum politischen Frühschoppen zusammen. Unter dem "Titel Europa vor der Haustür" informierte und diskutierte Diözesansekretärin Maria Gerstner mit Gesprächspartnern über die Bedeutung der EU.

"In Gesprächen hört man oft, Brüssel ist weit weg. Dort hat man keine Ahnung, was bei uns los ist", führte Gerstner aus. Dennoch sei die EU auch im Alltag allgegenwärtig - beispielsweise durch Fördermittel für das Bio-Energiedorf Effelter, das Flakonglasmuseum und das Tropenhaus Kleintettau oder für die Arnikastadt Teuschnitz.

Sicher und friedlich leben

Dies sei aber nur eine Seite der EU. "Die Gründungsväter des gemeinsamen Europas wollten sehr viel mehr - ein Europa, in dem alle Menschen sicher und friedlich in Freiheit leben können", erläuterte sie. Dieses hehres Ziel lasse sich aber nicht nur in Brüssel verwirklichen. Vielmehr müsse man dieses Europa konkret vor Ort leben und erleben.

An der Gesprächsrunde nahmen Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD), der ehemalige Burgkunstadter Bürgermeister Heinz Petterich (FWG), die Gemeinde-, Kreis- und Stadträtin Edith Memmel von den Grünen, Niklas Stadelmann - CSU-Listenkandidat bei der Europawahl - aus Burgkunstadt, der Leiter des Jobcenters Kronach, Stefan Löffler, sowie Diözesanpräses Albert Müller teil.

Bürokratie beklagt

Grebner und Petterich beklagten die Bürokratie bei der Beantragung von Fördergeldern, wofür man teure externe Büros einschalten müsse. Europa sei - so Grebner - auch mit Ängsten verbunden; laufe man doch bei europaweiten Ausschreibungen Gefahr, dass einheimische Firmen das Nachsehen hätten. "Ohne Fachwissen erhält man keinen Knopf", bestätigte auch Kreisrat Petterich, der eine Entbürokratisierung forderte. Gleichzeitig freute er sich über lebendige Städtepartnerschaften mit Polen und Frankreich und insbesondere einen regen Schulaustausch von Jugendlichen.

Memmel stellte den langen Friedensprozess in den Vordergrund. Das Schicksal der Flüchtlinge führe vor Augen, wie dankbar man über diese Errungenschaft der EU sein könnten. Dringend notwendig sei die Schaffung sozialer Standards - gerade auch im Lohnsektor. Scharf prangerte sie angedachte Privatisierungen im Bereich der Wasserversorgung an, die ebenso wie Strom und Gesundheit in kommunaler Hand bleiben sollte.

Stadelmann appellierte, den politischen Ausgleich zu suchen. Man sollte anderen Ländern mit eigenem Kultursystem nicht deutsche Vorstellungen aufdrücken. Damit spiele man nationalistisch denkenden politischen Gruppierungen in die Karten. Wichtig sei es, Wähler für die Europawahl zu mobilisieren.

Unter den im Jobcenter gemeldeten 1200 Erwerbsfähigen hätten - so Löffler - 380 einen Migrationshintergrund. Beim größten Anteil - circa 200 Menschen - handele es sich um anerkannte Flüchtlinge. Die EU habe bislang etwa 110 Arbeitsverhältnisse gefördert. "Die Antragstellung war ein gewisser Aufwand", räumte er ein, sei aber machbar gewesen.

Für europaweite Standards

Die KAB fordert eine europäische Gemeinschafts-Charta, in der die sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer verbindlich definiert und durch sozialstaatliche Regelungen mit europaweiten einheitlichen Standards abgesichert werden. Ein hoher Anspruch, für den - laut Albert Müller - noch viel zu tun sei. Er selbst ärgere sich bisweilen über die Regulierungswut der EU.

"Wir haben es mit Europa nicht immer leicht. Aber ohne Europa geht gar nichts", zeigte sich Gerstner in ihrem Schlusswort sicher. Wir alle hätten es in der Hand, ein demokratisches, solidarisches und gerechtes Europa zu wählen.

Die Gäste hatten der Vorsitzende des KAB-Ortsverbands Wilhelmsthal, Reinhold Dietrich, Kreisvorsitzender Günter Romig sowie Bürgermeisterin Susanne Grebner willkommen geheißen. "Der 1. Mai bietet eine gute Gelegenheit, um für die geleistete Arbeit Rechenschaft abzulegen; aber auch um sich zu fragen, wie ein solches Erbe in eine uns sehr beunruhigende Gegenwart und Zukunft hineingetragen werden kann", verdeutlichte Dietrich.

Ein "ziemlich zäher Hund"

Vom 1. Mai als einem "ziemlich zähen Hund" sprach Romig. Als gesetzlicher Feiertag sei er jetzt genau 100 Jahre alt; als Tag der Arbeiter schon Jahrzehnte älter. Leider sei der Tag heutzutage kaum noch als Tag der Arbeit im Bewusstsein der Menschen, sondern eher als ein Tag zur individuellen Freizeitgestaltung. Grebner dankte dem rührigen Ortsverband für dessen großes Engagement wie auch allgemein dem Sozialverband dafür, immer wieder aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen. Die musikalische Ausgestaltung oblag Silvia Wachter mit sehr stimmungsvollen, thematisch wohl ausgewählten Liedern.

Die Fahnen-Abordnungen der KAB waren am Morgen unter Begleitung der Trachtenkapelle Wilhelmsthal zur Pfarrkirche gezogen. Zelebriert wurde der Gottesdienst von den KAB-Präsides Pfarrer Sven Raube aus Wilhelmsthal, Pater Waldemar Brysch aus Steinberg, Kaplan Andreas Stahl aus Kronach, Diakon Georg Zenk aus Johannisthal, Kreispräses Diakon Herbert Mayer als auch Diözesanpräses Dekan Albert Müller, der die Festpredigt hielt.

Geld in falschen Taschen

Dabei rief er alle Frauen und Männer der KAB zur Solidarität für alle Arbeitnehmer in Europa auf sowie für ein Leben aller Menschen in Würde. Vier Millionen Kinder seien derzeit in Deutschland von Armut betroffen; 15,7 Prozent der Bevölkerung lebe in Armut oder an der Armutsgrenze - knapp 13 Millionen Menschen! 1,2 Millionen Menschen arbeiteten Vollzeit und könnten davon nicht leben.

"Solche Zahlen sind ein Skandal in einem Land, dem es - durchschnittlich gesehen - doch so gut geht", prangerte er an, dass das Geld vorhanden sei, jedoch in falschen Taschen.

Die langjährige Ortsvorsitzende der KAB Wilhelmsthal, Reinhold Dietrich, wurde mit der "Roten Ehrennadel" der KAB ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um die höchste Auszeichnung des Sozialverbands überhaupt. Diözesanverbandsvorsitzende Ingrid Schumann würdigte Dietrichs Einsatz, der seit 1991 den Vorsitz innehat. Besonders herauszustellen sei, dass Wilhelmsthal als bundesweit einziger Ortsverband Verantwortung für ein eigenes Haus trage. Dies koste nicht "nur" Geld in Unterhalt sowie bei der Rundum-Sanierung, sondern auch Zeit und Kraft. In all den Jahren habe Dietrich die Werte der KAB stets auch jüngeren Generationen weitergegeben.

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