Kronach
Politik

Jugendliche wählen am Frankenwald-Gymnasium und am Kaspar-Zeuß-Gymnasium

Am Freitag fand an Kronacher Gymnasien die "Juniorwahl" ab der neunten Jahrgangsstufe statt. Dabei wurde eine "richtige" Bundestagswahl simuliert.
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Geheime Kreuzchen machen in der Wahlkabine
Geheime Kreuzchen machen in der Wahlkabine
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Kronach- Theresia, Lea und Anna betreten das Wahllokal. In der Hand haben sie ihre Wahlbenachrichtigung. Diese wird von den Wahlhelfern Johanna, Ann-Kathrin und Philip kontrolliert und die Namen im Wählerverzeichnis abgehakt. Die drei Wählerinnen erhalten ihren blauen Stimmzettel. Dann geht es für sie in die Wahlkabine, um ihre Kreuzchen bei ihrem politischen Favoriten in geheimer Wahl zu machen. Abschließend landen die Stimmzettel gefaltet in der versiegelten Wahlurne.

"Bislang haben 160 von 380 Schüler gewählt", erklärt Philip, der eine gute Wahlbeteiligung erwartet. Schließlich verbleibe bis zum Wahlende um 14 Uhr noch genug Zeit. Der 19-Jährige hat sich wie alle anderen Wahlhelfer freiwillig für die Juniorwahl gemeldet. Zwei Tage vor der Bundestagswahl erprobten dabei am Frankenwald-Gymnasium die Schüler und Schülerinnen schon einmal, wie sich der Gang zur Wahlurne anfühlt. Die Wahlhelfer arbeiten von
8 Uhr bis 14 Uhr in drei Schichten zu jeweils zwei Stunden. "Das macht nicht nur Spaß, sondern es ist auch sehr sinnvoll", sind auch Johanna und Ann-Kathrin überzeugt. Johanna darf mit ihren 17 Jahren am Sonntag leider noch nicht wählen. Die ein Jahr ältere Ann-Kathrin sowie Philip sind Erstwähler, die "natürlich" wählen. Ann-Kathrin hat ihre Kreuzchen bereits in der Briefwahl gesetzt, Philip geht am Sonntag in sein Wahllokal. Warum? "Jede verschenkte Stimme stärkt andere Parteien", appellieren die Beiden - und das möchten sie gerade auch bei dieser Wahl nicht, gelte es doch eine
bestimmte Partei einzudämmen. Und dafür sei jede Stimme wichtig. Die Juniorwahl finden alle drei gut. Natürlich habe man den Wahlablauf schon in der Schule behandelt. Aber real sei es noch einmal eine andere Situation. So helfe das Projekt sicherlich dabei, Hemmungen oder auch Unsicherheiten abzubauen - beispielsweise gerade auch beim Unterschied von Erst- und Zweitstimme. "Ich finde das interessant, wie viele Schüler bei uns wählen - und vor allem auch welche Parteien. Außerdem bin ich gespannt auf die Unterschiede zwischen der Wahl der Erwachsenen und Jugendlichen", sagt
Linda, die in der Schicht zuvor Wahlhelferin war.

Theresia, Lea und Anna haben derweilen ihre Stimmzettel eingeworfen. Die Elftklässlerinnen sind 17 Jahre. Lea darf aber wählen, weil sie am Wochenende ihren 18. Geburtstag feiert. Damit ist sie eine der jüngsten Wählerinnen überhaupt. "Ich weiß nun besser, wie das abläuft", ist sie überzeugt. Dass sie wählt - Diese Frage stellte sich ihr nicht, ebenso wenig
wie ihren beiden Mitschülerinnen. "Manche denken, dass sowieso wieder die bisherigen Parteien an die Macht kommen und dass alle anderen schon wählen gingen. Wenn aber alle so denken würden ...", meint Theresia.

Initiiert wurde die Juniorwahl an der Schule vom Lehrer Stefan Rose. Ihm wie auch Direktor Harald Weichert war die Teilnahme an der bundesweiten Aktion sehr wichtig. Das FWG beteiligte sich erstmals überhaupt daran. Die Schüler
waren in Unterricht gut auf das Projekt vorbereitet worden. Bewusst führt man dieses Projekt erst ab der neunten Jahrgangsstufe durch. "Natürlich fördern wir unsere Schüler, aber wir dürfen sie auch nicht überfordern", ist
sich Rose sicher. Seiner Meinung nach könnten jüngere Schüler die Tragweite von Wahlen noch nicht richtig einschätzen. Die anstehende Bundestagwahl sei aber auch in jüngeren Jahrgangsstufen natürlich Thema gewesen. Beide sind
sich sicher, dass der Aufwand dieser Form der politischen Bildung sich lohne. Diese nehme gerade an ihrer Schule einen sehr hohen Stellenwert ein; werde doch im wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Zweig mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil (WSG-W) Wirtschaft und Recht und Wirtschaftsinformatik ab der 8. Jahrgangsstufe vertieft unterrichtet.
Überhaupt solle im Lehrplan in Zukunft politische Bildung stärker verankert werden und beispielsweise auch die sozialkundliche Bildung schon ab der fünften Klasse beginnen. Projekte wie die Juniorwahl seien hierfür ein gutes
Mittel. "Wir betrachten unser Wahlrecht als selbstverständlich", zeigt sich der Direktor sicher. Im b auf andere Länder der Erde sei dies aber keinesfalls so. Auch dies versuche man mit Projekten wie diesen den Jugendlichen zu vermitteln.

Die Stimmen wurden am Freitag um 14 Uhr ausgezählt, in eine Auszählungsliste eingetragen und eingereicht. Die Ergebnisse werden am Wahlsonntag ab 18 Uhr auf der Webseite der Juniorwahl
sowie auf Facebook veröffentlich. Bis dahin darf nichts über die Ergebnisse verraten werden,
damit keine etwaige Beeinflussung auf das Wahlergebnis erfolgt. hs

Die Juniorwahl findet seit 18 Jahren deutschlandweit zu Europa-,
Bundestags- und Landtagswahlen statt. Sie beruht auf zwei Säulen: die
unterrichtliche Vorbereitung zu Demokratie und Wahlen und eine realitätsnahe
Wahlsimulation. Das größte Schulprojekt zur politischen Bildung in
Deutschland will Schüler/-innen an Prozesse der demokratischen
Willensbildung heranführen und auf künftige Partizipation im politischen
System vorbereiten. Träger des Projekts ist - im Auftrag des Deutschen
Bundestags - der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus aus Berlin, der die Unterlagen an die Schulen verschickt. Schirmherr ist Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert. Untersuchungen belegen, dass Schüler/-innen, die vorher in dieser Form fiktiv wählten, als Erwachsene eher von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Heuer nahmen eine Million Jugendliche an bundesweit über 3.400 Schulen an der Juniorwahl teil - neuer Rekord!


"Zwei Kreuzchen, bitte!", hieß es auch für die Schülerinnen und Schüler am Kaspar-Zeuß-Gymnasium simulieren im Rahmen des bundesweiten Projekts Juniorwahl die Bundestagswahl.

Für 128 Schülerinnen und Schüler am KZG fand die Wahl zum Bundestag bereits am Freitag statt. Egal ob sie bereits 18 sind oder nicht, sie dürfen zwei Stimmen abgeben. Unter realistischen Bedingungen können Schulen in ganz Deutschland das Wahlprojekt der Bundeszentrale für Politische Bildung durchführen. Um den Ablauf genau zu simulieren, halten sich alle an die klaren Regeln: Schon im Unterricht wurden die Wahlbenachrichtigungskarten verteilt, die dann den Wahlhelfern zusammen mit dem Ausweis vorgelegt werden. Im Anschluss können die Schülerinnen und Schüler in drei Wahlkabinen ihre Stimme abgeben. Auch der Stimmzettel ist originalgetreu und passt zum 238. Wahlkreis, zu dem Kronach gehört. Anschließend werfen sie ihren Stimmzettel in die Wahlurne, die mit einem Schloss gesichert ist. "Es fühlt sich an, als hätte ich jetzt etwas bewirkt", resümiert Max nach seiner Stimmabgabe. Gespannt warten die Schüler nun auf das Ergebnis, das am Nachmittag ausgezählt wird und am Sonntag ab 18 Uhr auf www.juniorwahl.de veröffentlicht wird. Bis dahin bleiben sowohl Wahlbeteiligung als auch Ergebnis geheim. In der kommenden Woche wird es aber auch im Unterricht thematisiert und auch im Vergleich zum Ergebnis der Bundestagswahl reflektiert. Das Projekt soll Jugendlichen die Bedeutung von Wahlen bewusst machen und sie zum Wählen motivieren. Über den Sozialkundeunterricht hinaus, können sie hier die Wahl praktisch durchspielen. Das Fazit der Wählerinnen und Wähler am KZG ist recht eindeutig: "Die Juniorwahl ist eine gute Vorbereitung fürs Wählen, schließlich muss man sich ja dazu mit den Parteien befassen", sagt Jana. Und Ahmet findet das "Feeling" gerade als Nicht-Wahlberechtigter ganz gut und hilfreich, auch später wählen zu gehen. Über den Probelauf sind die meisten sehr froh, bevor sie bei einer der nächsten Wahlen dann wirklich wählen dürfen. Nur Jonas ist etwas enttäuscht, wenn er feststellt, dass das Ergebnis am Ende nichts bedeutet. Dennoch ist es spannend, das Wahlverhalten der Jugendlichen zu beobachten und auszuwerten. Die Elftklässlerin Sofia ist der Meinung, man solle das Ergebnis der neuen Regierung zukommen lassen, damit die sich in ihrer Politik mehr um Jugendliche kümmert. Werden die Schüler in diesem Rahmen zu einer Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre befragt, fällt das Ergebnis recht eindeutig aus. Die meisten sind für ein Wahlrecht ab 16. Nur manche stehen der Alterssenkung kritisch gegenüber, wie zum Beispiel Max, der der Meinung ist, dass man mit 16 zu stark von anderen beeinflusst werden kann in seiner politischen Meinung und ganz anders denkt als mit 18. Im Rahmen der Juniorwahl war es noch egal, wie alt die Schülerinnen und Schüler waren. Ab der 10. Klasse konnten die Schüler zumindest einmal sehen, wie eine Wahl wirklich abläuft.



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