Kronach
Kultur

Johannes-Passion am Karfreitag

Eine der eindrucksvollsten Vertonungen der Leidensgeschichte Jesu lässt der Dekanatschor in der Markgrafenkirche Seibelsdorf erklingen.
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Dekanatskantor Marius Popp (rechts) kommt es bei der Probenarbeit mit dem Dekanats-Chor Kronach auf jedes Detail an. Foto: Heike Schülein
Dekanatskantor Marius Popp (rechts) kommt es bei der Probenarbeit mit dem Dekanats-Chor Kronach auf jedes Detail an. Foto: Heike Schülein
"Das war wirklich schön", lobt Dekanatskantor Marius Popp den sehr gefühlvoll angestimmten Choral, mit dem seine Sänger den Herrn am Ende der Johannes-Passion zur Ruhe betten. Seit Januar probt der Dekanats-Chor mit der Johannes-Passion ein gewaltiges Werk von Johann Sebastian Bach ein.
Erklingen wird dieses - wie bereits vor fünf Jahren - in der Seibelsdorfer Markgrafenkirche. Dabei handelt es sich gewissermaßen um ein Geburtstags-Geschenk, das sich der Chor zu seinem diesjährigen 15-jährigen Bestehen selbst, vor allem aber seinem Publikum bereitet.

Bei der Probenarbeit kommt es Popp auf jede Nuance an. Für einen harmonischen und einheitlichen Klang machen sich die Chor-Mitglieder immer wieder Notizen. Für viele von ihnen ist die Passion eines der bewegendsten Chorwerke überhaupt - so auch für Chormitglied Hans Rebhan, bei dem es sich um eine echte Herzensangelegenheit handelt. Seine Chorpartitur gehörte seiner verstorbenen Mutter. Nun geht auch er - eine Generation später - am Karfreitag den Weg des Leidens und Sterbens Jesu mit. Eine dramatische Schlüsselrolle kommt dabei dem Chor zu. Er versieht eine doppelte Aufgabe: Choräle sowie freie Chorsätze lyrischer oder kontemplativer Art repräsentieren die Gemeinde der Gläubigen, die das Geschehen kommentiert. Diese "oratorischen" oder "konzertanten" Passionen vertonen den Bibeltext wortgetreu, wobei es seit dem 17. Jahrhundert üblich wurde, zusätzlich Choräle, Arien und reine Instrumentalsätze aufzunehmen. In der Tradition dieser Werk, die zur Aufführung im Gottesdienst bestimmt waren, stehen auch die Passionen Bachs.


Letzter Schliff

"Die kurzen Turba-Chöre sind eine große Schwierigkeit. Sie müssen auf den Punkt sitzen. Entweder sie kommen oder eben nicht", betont Dekanatskantor Popp, der knapp eine Woche vor der Aufführung für den letzten Schliff sorgt. Am Mittwoch erfolgt eine letzte Chorprobe, bevor am Karfreitag das Werk erklingen wird.

Auch dieses Mal gelang es Popp wieder, hoch angesehene Solisten zu gewinnen. Musikalisch begleitet wird der Dekanats-Chor von Lisa Rothländer (Sopran), Katarina Andersson (Mezzosopran), Sebastian Köchig (Tenor), Tobias Germershausen und Rainer Grämer (beide Bariton) sowie dem Popp-Consortium, bei dem alle Instrumente solistisch besetzt sind. Seitens des Chors werden Alexander Fröba (Tenor) und Martin Rank (Bariton) als Solisten gesanglich in Erscheinung treten.
Der Dekanats-Chor Kronach wurde durch seinen Leiter Marius Popp 2003 als überkonfessioneller Chor ins Leben gerufen. "Es war meine Absicht, dass Pfarrer und Pfarrerinnen darin singen und selbst mit gutem Beispiel vorangehen sollten", erinnert sich der Dekanatskantor. Einen solchen, sich über verschiedene Kirchengemeinden und Konfessionen erstreckenden Chor, von evangelischer Seite aus initiiert, hatte es vorher im Landkreis noch nicht gegeben. Er ist auch mit Mitgliedern auch aus den Nachbar-Landkreisen besetzt.


Umfangreiches Repertoire

Seit der Gründung hat der Chor ein umfangreiches Repertoire einstudiert, das von a-capella-Werken über Oratorien bis hin zur Chorsinfonik reicht. "Der Chor ist eine feste Größe im Musikleben des Landkreises geworden", freut sich Popp. Mehrere internationale Reisen brachte die Musizierenden unter anderem nach Venedig, Parma, Nitra, Paris, Bratislava und Salzburg. Das Repertoire umfasst Tonschöpfungen unter anderem aus der Feder von Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner, Duruflé, Dvorák, Fauré, Haydn, Händel, Langlais, Mendelssohn, Mozart, Rossini, Schumann, Rutter, Stölzel, Telemann und Verdi. Hierzu zählten auch zahlreiche Werke, die Erstaufführungen in der Region waren oder nach vielen Jahren wieder zu Gehör kamen. Mit der Renovierung der Markgrafenkirche in Seibelsdorf wurde diese zur Konzertkirche des Dekanats.

Zum 100. Todesjahr (2009) des in Hummendorf bei Kronach aufgewachsenen Komponisten und Organisten Prof. Dr. Johann Georg Herzog (1822-1909) nahm der Dekanats-Chor Kronach eine CD mit Werken des Tonschöpfers auf. Einige der Chorwerke waren Ersteinspielungen.
2011 erteilte der Chor dem spanischen Komponisten Javier Busto die Auftragskomposition "Verleih uns Frieden gnädiglich". Die Uraufführung erfolgte in der Basilica S. Maria della Steccata in Parma/Italien im Rahmen des Chorfestivals "Adolfo Tanzi". Die Komposition erschien beim Carus-Verlag. Seit 2006 unternimmt der Chor internationale Konzertreisen zusammen mit dem Konzertchor Coburg Sängerkranz. Das gemeinsame Musizieren führte die Chöre durch viele Kirchen Europas: Bratislava, Coburg, Cremona, Florenz, Kronach, Küps, Mantova, Milano, Nitra, Paris, Parma, Salzburg, Seibelsdorf, St. Johann (Tirol), Venedig und Verona.


Krönungsmesse

Gefeiert wird das 15-jährige Bestehen natürlich mit Musik. So wird der Chor am 13. Oktober Mozarts Krönungsmesse in Verbindung mit dem Klarinetten-Konzert A-Dur sowie die "Messa da Gloria" von Giacomo Puccini erklingen lassen.

Neu hinzukommende Sänger und Sängerinnen sind übrigens jederzeit willkommen.

Karten für die Johannes-Passion zu 20 Euro für Erwachsene und acht Euro für Schüler sind in allen Pfarrämtern im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt im Vorverkauf zu den üblichen Bürozeiten erhältlich sowie Restkarten an der Abendkasse. Wer eine Fahrgelegenheit zum Konzert in der Markgrafenkirche wünscht, kann sich gerne im evangelischen Pfarramt in Kronach (Telefon-Nr. 09261/3591) melden.
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