Kronach
Gesundheit

Ist Rückkauf der Helios-Frankenwaldklinik Kronach realistische Idee?

Die Diskussion um die Zukunft der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach reißt nicht ab. Nun befeuern die Grünen mit einer Stellungnahme die politische Debatte aufs Neue.
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Die Diskussion um die Zukunft der Helios-Frankenwaldklinik findet kein Ende. Die Grünen hinterfragen nun einen Antrag der Freien Wähler zu einem möglichen Rückkauf des Krankenhauses. Foto: Archiv/Marco Meißner
Die Diskussion um die Zukunft der Helios-Frankenwaldklinik findet kein Ende. Die Grünen hinterfragen nun einen Antrag der Freien Wähler zu einem möglichen Rückkauf des Krankenhauses. Foto: Archiv/Marco Meißner

und Rainer GlissnikEin Bestreben der Kommunalpolitik wird seit Jahren beharrlich von Vertretern aller Couleur artikuliert: Die Helios-Frankenwaldklinik muss in ein ruhiges Fahrwasser kommen. Doch auch die jüngsten Gespräche zwischen den Vertretern des Landkreises und Helios sorgen nicht für Ruhe, sondern rufen eine breit gefächerte politische Diskussion zum Jahresausklang hervor.

Nun melden sich die Grünen zu Wort. Sie sprechen bei einem Treffen einen Appell an die Politik aus, gegenüber den Bürgern mit offenen Karten zu spielen. Einen Anstoß hierzu lieferte ein Antrag der Freien Wähler im Kreistag. Diese forderten eine Prüfung, ob die Klinik vom Helios-Konzern zurückgeholt oder in eine andere Trägerschaft überführt werden könnte.

FW-Vorstoß kritisiert

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Grünen-Kreisvorsitzende Edith Memmel würdigt das Engagement von Landrat Klaus Löffler (CSU) sowie den Klinikbeiräten Richard Rauh (SPD) und Jürgen Baumgärtner (CSU) um das Krankenhaus. Der Vorstoß der Freien Wähler hingegen sei zwar nett, doch unter dem Strich bringe er nichts. Memmel ist überzeugt: "Eine Idee des Rückkaufs ist gegenwärtig nicht realistisch." Nur eine Insolvenz oder eine nicht erfüllte Grundversorgung - in Memmels Augen ein sehr dehnbarer Begriff - könnte daran etwas ändern. Beide Möglichkeiten greifen aus Sicht der Grünen nicht.

Auch den von Baumgärtner eingebrachten Vorschlag für einen Neubau mit staatlicher Unterstützung halten sie für eine Sackgasse. Dadurch werde dem Bürger nur Sand in die Augen gestreut. "Das Ganze ist ein übelstes Kasperletheater", ärgert sich der Kronacher Grünen-Stadtrat Peter Witton über die Entwicklungen rund um die Klinik. Er stellt die Grundversorgung am Krankenhaus infrage. Zu oft gebe es Beschwerden über die Abmeldung von der Notfallversorgung an Wochenenden.

Die Grünen appellieren auch an die Bevölkerung, die Kronacher Klinik zu unterstützen. "Wir haben gute Ärztinnen und Ärzte an unserer Frankenwaldklinik", betont Memmel.

Stefan Wicklein, der FW-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, tut sich etwas schwer mit der Kritik der Grünen. "Unser Antrag bezieht sich nicht auf einen Rückkauf, sondern auf eine Prüfung", erklärt er.

Grundsätzlich hätten viele Personen im Kreistagsgremium seit dem Klinikverkauf gewechselt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen gehe es den Freien Wählern darum, nun wieder alle Beteiligten auf einen gleichen Kenntnisstand zu bringen.

Die FW legten es jetzt nicht darauf an, einen Rückkauf oder eine neue Trägerschaft zu forcieren, sondern alle Optionen prophylaktisch auf ihre Machbarkeit abklopfen zu lassen. "Dabei kann genauso gut herauskommen, dass ein Rückkauf utopisch ist", so Wicklein.

Letztlich gehe es darum zweigleisig zu fahren. Einerseits müsse der Druck auf den Konzern bestehen bleiben, das "Kronacher Haus nicht stiefmütterlich zu betreiben". Ein Beispiel hierfür sei die Notaufnahme als ein Schaufenster der Klinik. Andererseits müsse man darüber nachdenken, welche Optionen gezogen werden können, wenn Verbesserungen ausbleiben. Klar sei, dass die Klinik das besagte ruhige Fahrwasser brauche. "Nichts ist schlechter als ein schlechter Ruf. Der führt in eine Abwärtsspirale", sagt Wicklein. Darum fordert er politisch zu einer sachlichen Diskussion auf.

Frage der Wirtschaftlichkeit

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Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner sieht das ähnlich und fordert die Kommunalpolitiker allgemein dazu auf, bei so diffizilen Themen wie einem Klinikbetrieb genau hinzuschauen. "Wenn man sich als Klinik spezialisiert, kann man wirtschaftlich arbeiten", ist er überzeugt. In Kronach sei das angesichts der Rahmenbedingungen, wie der Bevölkerungsentwicklung, allenfalls in Teilen möglich. Deshalb hält er einerseits an seinem Vorschlag eines Neubaus, andererseits an einer guten Förderung dafür durch den Freistaat fest. Nur so lasse sich die Klinik auf lange Sicht erhalten.

Der Alternative einer Sanierung, die Helios ebenso wie den Neubau prüfen will, steht er aus mehreren Gründen skeptisch gegenüber. Baumgärtner meint, eine Generalsanierung sei im laufenden Betrieb schwer durchzuführen, Kronach stehe zudem in Konkurrenz zu vielen Klinikneubauten in der Nachbarschaft, die baulichen Strukturen im bestehenden Gebäude seien nicht optimal, und der Bedarf an Einzelzimmern werde steigen.

Einen Rückkauf der Klinik durch den Landkreis hält er ebenfalls für keine gute Lösung. Dem Kreis fehle es an der notwendigen Kompetenz für einen Klinikbetrieb. Ebenso sei es eine Frage des Geldes. Und nicht zuletzt fehlt aus seiner Sicht bislang der ausschlaggebende Punkt für ein solches Vorhaben: "Es bräuchte zunächst den Verkaufswillen von Helios."

Ein solches Signal war bisher noch nicht zu erkennen - und wird so schnell vermutlich auch nicht kommen. "Ein Verkauf der Kronacher Klinik steht für die Helios-Kliniken nicht zur Debatte", betont Pressesprecher Erik Thiel (Helios, Region Süd). Und er führt aus: "Ganz im Gegenteil: Wir haben für das Haus weiterhin Zukunftspläne und nehmen unseren Auftrag zur medizinischen Versorgung von Kronach und Umgebung sehr ernst."

Ernst nehme der Konzern auch die Stimmen aus den politischen Kreisen, versichert er - nicht ohne ein Aber folgen zu lassen: "Wir würden uns allerdings wünschen, dass gerade in der momentanen Situation wieder mehr Ruhe in unsere Kronacher Klinik einkehren kann und Diskussionen mit Augenmaß und Realismus geführt werden."

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