Wallenfels
Freizeit

Ist die Wallenfelser Floßfahrt in Gefahr?

Im Rekordsommer 2018 sind wegen Trockenheit mehr als die Hälfte der Termine auf der Wilden Rodach ausgefallen.
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Mehr als die Hälfte der Floßfahrten mussten 2018 abgesagt werden.  Die Flöße blieben dann an der Floßlände im Trockenen. Foto: Stadt Wallenfels
Mehr als die Hälfte der Floßfahrten mussten 2018 abgesagt werden. Die Flöße blieben dann an der Floßlände im Trockenen. Foto: Stadt Wallenfels

"Wasser ist Leben." Dieser Slogan wird von Umweltschützern und Trinkwasserherstellern gerne verwendet. Und er passt wie die Faust aufs Auge zum Tourismus in Wallenfels.

Denn viele Menschen aus nah und fern verbinden die Floßfahrten auf der Wilden Rodach mit der Stadt im Frankenwald - genauso wie Pralinen mit Lauenstein oder das Freischießen mit Kronach. Im Sommer strömen die Massen samstags an den Startpunkt nach Schnappenhammer. Und danach stärken sie sich mit heimischen Spezialitäten. In Wallenfels ist dann richtig Leben. Aber eben nur, wenn es genug Wasser gibt.

2018 nur sieben Fahrten möglich

Genau das war 2018 der Knackpunkt: Zwar nahmen an sieben Floßfahrten 2857 Gäste teil. Weitere acht reguläre Fahrten und auch der Ausweichtermin mussten jedoch abgesagt werden. Der Teilnehmerschnitt der vergangenen Jahre von 6500 Personen wurde bei Weitem nicht erreicht. Der Grund: Aufgrund der extremen Trockenheit führte die Wilde Rodach zu wenig Wasser und die Flößer mussten Fahrten absagen.

Darunter leidet dann der Tourismus der ganzen Region. Denn die Stadt Wallenfels hat sich in der Vermarktung nach außen stark auf die spritzige Gaudi ausgelegt. Im Tourismusbüro arbeitet eine Teilzeitkraft, über die die Buchungen laufen. In Zusammenarbeit mit Flößern und Gasthöfen werden zwölf Flößerprogramme angeboten - von der Brotzeit nach der Fahrt bis zum kompletten Wochenende.

Gaststätten, Pensionen, aber auch heimische Metzger oder Bäcker verdienen an der Flößerei. Und auch die Stadt behält einen Beitrag für ihren Aufwand. "Die Einnahmen sind um 60 Prozent zurückgegangen", sagt der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU). Auf lange Sicht sei dies nicht machbar. "Wenn Gästen Planungssicherheit fehlt, ist die Floßfahrt als Attraktion gefährdet." Deshalb möchte der Bürgermeister die Finanzierung einer Machbarkeitsstudie für einen Floßteich prüfen lassen und steht diesbezüglich auch mit dem Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) in Kontakt.

Der Preßsack blieb übrig

Auch die Gastronomen in der Region merken, wenn Gäste ausbleiben. "Viele Lebensmittel sind übrig geblieben. Den Presssack musste ich einschweißen. Aber das ist ja auch nicht das Wahre", sagt Karl-Heinz Hildner, Inhaber des Dorfwirtshauses Hildner im Wallenfelser Stadtteil Neuengrün.

Im Angebot 3 können Reisende für zusammen 29,50 Euro die Floßfahrt und anschließend ein kalt-warmes Büffet in Neuengrün buchen. Zur Auswahl standen Flößerbraten mit Kartoffelsalat und Brotzeit. "In letzter Zeit aber haben die meisten Gäste nur Braten gegessen", berichtet Hildner. Deshalb bietet er künftig nur warmes Essen an. Pro Gast bekomme er etwa zehn Euro, sagt Hildner, für den die Flößerei eine Zusatzeinnahme ist. "Es wäre schlimm, wenn wir nur davon leben würden." Dennoch ist Hildner, wie viele in Wallenfels, ein Verfechter davon, der Natur auf die Sprünge zu helfen. "Ich habe mich schon immer für einen Floßteich eingesetzt. Die Flößerei gehört schließlich zu Wallenfels."

Das findet auch Bärbel Buckreus. "Die müssten halt mal den Teich bauen. Da soll sich jemand darum kümmern, es ist ja nichts weiter im Ort", sagt die Frau des Flößer-Vorsitzenden Andreas Buckreus, die gleichzeitig Vorsitzende der Flößerhausdamen ist. Sie bewirtet mit ihrem Team nach den Fahrten bis zu 100 Personen im Flößerhaus. Mit den Angeboten 1 und 2 buchen Gäste dort Brotzeit (für 23,50 Euro) oder Gegrilltes (28 Euro/jeweils mit Floßfahrt) inklusive Salatbüffet. "Es fehlt einiges", sagt die 65-Jährige zu den Einnahmeausfällen. "Man überlegt schon, ob es sich noch rentiert, wenn das so weiter geht."

Denn die Einnahmen werden benötigt, um das Flößerhaus in Schuss zu halten. Dieses gehört der Stadt, aber bei Baumaßnahmen zahlen Flößer und Flößerdamen etwas dazu. Vor drei Jahren wurde etwa die Terrasse neu gemacht , und 2018 wurde eine neue, leicht vergrößerte Küche installiert. Unterkriegen lassen wollen sich die Flößerfrauen noch nicht. "So lange die Flößer weitermachen, machen wir es auch", sagt Bärbel Buckreus.

Ein ganzes Flößerwochenende

Das freut auch viele Floßgäste, die bei Frank Frömel im Hotel-Gasthof Roseneck unterkommen. Er bietet sowohl Flößerbüffets vor der Fahrt (für zusammen 32 Euro) als auch ganze Flößerwochenenden mit zwei Übernachtungen (insgesamt 126 Euro) an. Die Tagesgäste bleiben meist fern, wenn die Fahrten ausfallen. Die Wochenend-Urlauber kommen oft trotzdem. "Wenn sie absagen, tut es am meisten weh", sagt Frömel, der ihnen Alternativen zur Floßfahrt wie Drachenbootfahren auf dem Untreusee empfiehlt. Die bisherigen Ausfälle konnte das Roseneck kompensieren - auch weil Kapazitäten im Gasthaus für andere Gäste genutzt wurden. Eines sagt Frömel aber deutlich: "Sollte die Floßfahrt gar nicht mehr stattfinden, wäre es eine Katastrophe."

Deshalb macht sich der Gastronom schon Gedanken, wie es weitergeht. "Aber ich stehe voll hinter der Floßfahrt und führe meine Angebote auch fort." Deshalb wünscht sich Frömel einen Floßteich. "Viele Gäste sagten, dass sie 2019 wieder kommen wollen. Wenn die Fahrt dann aber wieder ausfällt, sind sie vermutlich weg."

Pro und contra: ein Floßteich als Lösung?

107 Zentimeter hoch ist die magische Grenze. Wenn der Wasserstand der Wilden Rodach diese Marke unterschreitet, darf nicht mehr geflößt werden. "Wir bauen pro Jahr sechs Floße, kümmern uns um die Wehre. Das ist viel Aufwand", sagt Andreas Buckreus, Vorsitzender der Flößergemeinschaft. "Netto fehlen uns pro ausgefallener Fahrt 10 000 Euro. Gibt es mehrere Sommer dieser Art, steht die Zukunft der Flößerei in Frage."

Denn, so fügt Bürgermeister Jens Korn (CSU) hinzu. "Nur acht Fahrten lohnen sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht einfach nicht." Deshalb wünschen sich Bürgermeister und Flößer den Bau eines Floßteichs, um Wasser besser aufstauen zu können. "Wenn wir zumindest zwei bis drei Ausfälle kompensieren könnten, wäre schon viel geholfen", sagt Andreas Buckreus.

Der Flößer-Vorsitzende verleugnet nicht, dass die Flößerei "minimalen Schaden am Flussbett" anrichtet. Er möchte aber in puncto Umweltschutz die Relation gewahrt wissen. "Wenn ein Flugzeug startet, ist der Schaden wesentlich höher."

Matthias Schrepfermann, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, sieht die Sache differenzierter - vor allem die Kosten-Nutzen-Rechnung. Der Bau eines Floßteichs koste eine siebenstellige Summe, verhindere aber nicht alle Ausfälle. "Wenn es nicht regnet, ist kein Wasser da. Generationen von Flößern und Wasserbauern haben sich schon darüber Gedanken gemacht."

Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert Eingriffe in das natürliche Ökosystem. "Aufstauen schädigt das Leben in den Flüssen", sagt Elisabeth Hoffmann, Vorsitzende der Kreisgruppe Kronach. "Das Wasser wird warm und hat weniger Sauerstoff." Teilweise habe sie aber Verständnis für die Flößer und würde sich einem runden Tisch nicht verweigern. "Wallenfels müsste sich neue Attraktionen ausdenken, etwa Wanderungen zur Flößergeschichte." asch

Kommentar von Andreas Schmitt: Helft den Flößern!

Die Wallenfelser Flößerei ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich fränkische Tradition und moderner Tourismus vereinbaren lassen. Die Flößer und die Stadt haben in Wallenfels das geschafft, was viele vergeblich versuchen. Sie haben die Floßfahrt zu einer Gaudi ausgebaut - ohne die traditionsbewussten Flößer zu lächerlichen Statisten zu machen. Nein, sie leben durch die Touristen ihre Leidenschaft weiter. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal!

Durch die spritzigen Fahrten ist Wallenfels Hunderte Kilometer weiter bekannt. Welche Kommune mit knapp 3000 Einwohnern kann das von sich behaupten? Und drumherum hat sich ein Mikrokosmos gebildet. Flößer, Stadt, Gaststätten, Pensionen, aber auch Metzger oder Bäcker profitieren von der Gaudi. Deshalb sollte die Machbarkeit eines Floßteichs erneut auf den Prüfstand. Alles andere würde die bisherigen touristischen Erfolge der Wallenfelser konterkarieren.

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