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Ludwigsstadt
Flüchtlinge

Ins Ludwigsstädter Rathaus zieht das Café Kultimulti ein

Beratung und Begegnung soll eine neue Einrichtung in Ludwigsstadt ermöglichen, die als Pilotprojekt zur Integration mit Fördermitteln ausgestattet wird.
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Die Türöffner für Migration und Integration im Ludwigsstädter Rathaus (v.l.): Mohammad Abu-Ta'a, Timo Erhardt, Karin Weber, Peter Kratkei, Sabine Nuber und Claudia Ringhoff Foto: Nicole Julien-Mann
Die Türöffner für Migration und Integration im Ludwigsstädter Rathaus (v.l.): Mohammad Abu-Ta'a, Timo Erhardt, Karin Weber, Peter Kratkei, Sabine Nuber und Claudia Ringhoff Foto: Nicole Julien-Mann
Ludwigsstadt entwickelt sich zum Kompetenzzentrum für Migration und Integration. Jetzt öffnet sogar das Rathaus seine Türen für Beratung und Begegnung im neuen Café Kultimulti.

Mohammad Abu-Ta'a kennt sich aus. Er war vor langer Zeit selbst einmal auf der Flucht. Seit 1963 lebt er in Deutschland, hat eine Familiendynastie gegründet und einen erfolgreichen Weg eingeschlagen. "In Deutschland kann man viel erreichen, wenn man will", sagt er. Doch dazu müsse man die Gesetze kennen, wissen, wie man sich benimmt, die Sprache lernen und die Angebote nutzen. Sein Wissen und seine Erfahrungen will er jetzt Geflüchteten zur Verfügung stellen. Dafür bekommt er eine Honorarstelle im Pilotprojekt "Integration leben - Kompetenzzentrum Migration und Integration".

100 Personen kamen mit Beginn der Flüchtlingswelle nach Ludwigsstadt, jetzt sind es noch 70. Klingt nach Entspannung, ist es aber nicht wirklich. Karin Weber ist Flüchtlingsbeauftragte. Unermüdlich ist sie für ihre Schützlinge im Einsatz. Fast kein Samstag oder Sonntagmorgen, an dem nicht ihr Telefon klingelt. "Frau Karin, können Sie helfen?" Dann koordiniert sie Termine bei Ärzten oder im Jobcenter, organisiert Fahrdienste oder führt stundenlange Telefonate mit Behörden. Mitunter rauben ihr die Probleme den Schlaf. "Aber wir müssen doch christlich handeln", plädiert sie eindringlich, und Mitgefühl koste kein Geld.

Dass Karin Weber jetzt auf ein bisschen Entlastung hoffen kann, kommt so: Ludwigsstadt erhält für das Pilotprojekt "Integration leben - Kompetenzzentrum Migration und Integration" rund 13 000 Euro an Fördermitteln vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Für die Zuteilung des Geldes ist das Koordininierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement im Landkreis Kronach (KoBE) zuständig. Dessen Vertreterin Sabine Nuber stellt heraus, dass es das Ziel ist, Flüchtende ins Ehrenamt zu bringen. Die Menschen sollen sich wohlfühlen und engagieren in der Gemeinschaft.

Die Flüchtlingsarbeit habe sich verändert von der anfänglichen Erstversorgung und Unterbringung hin zu nachhaltiger Integration, erklärt Claudia Ringhoff vom Projekt Aktive Bürgerschaft des Caritasverbandes für den Landkreis Kronach. Der ländliche Raum erscheine vielen Flüchtenden zunächst nicht attraktiv. Aber Ludwigsstadt begebe sich auf einen interessanten Weg gegen die Urbanisierung der Flüchtigen, oder, wie es Bürgermeister Timo Erhardt ausdrückt: "So begegnen wir dem demografischen Wandel." Die Stadt investiert rund 400 000 Euro in größere Wohnungen und führt Kontaktgespräche mit Unternehmen, damit die Menschen in Arbeit kommen. Arbeit, Wohnen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind die Schlüsselworte, damit "Heimat gelingen kann". Und hier setzt das Projekt an.

Aus dem bisherigen Café International wird das Café Kultimulti. Ab 2. August findet es vierzehntägig im Erdgeschoss des Ludwigsstädter Rathauses statt und zwar für die gesamte Bevölkerung, ob jung oder alt, deutsch oder ausländisch. Zur gleichen Zeit gibt es ein Beratungsangebot für Flüchtige. Alle Vereine und sozialen Stellen werden eingebunden und es sollen ehrenamtliche Deutsch-Lehrkräfte angeworben und befähigt werden, und zwar aus den Reihen der Einheimischen und Migranten.


Viele Ideen für Aktivitäten

"Unter den Flüchtlingen gibt es viele, die etwas können und machen wollen", sagt Abu-Ta'a. So wolle ein Jugendlicher Partys organisieren und auch einen Theatermacher gibt es, der sich einbringen will. Für Aktivitäten gibt es bereits viele Ideen. So habe man eine Küche, in der gemeinsam gekocht werden könne. Deutschkurse könnten selbst organisiert und im Tagungsraum abgehalten werden. Ein Lebensmittelmarkt oder ein Gebrauchtwarenmarkt könnten eingerichtet werden.

Dem Letzteren stimmt Peter Kratkei heftig zu. Er ist so eine Art mobiler Hausmeister für die Flüchtlinge. Er hilft, wenn der Wasserhahn tropft oder irgendwo etwas klemmt, er organisiert Möbel und gebrauchte Elektrogeräte. "Mein Keller ist langsam voll." Sein Anliegen ist es, dass die Gebrauchtwaren nicht nur Migranten zugutekommen, sondern auch bedürftigen Einheimischen. Auch damit wäre ein Zeichen für geglückte Integration gesetzt: Wenn es irgendwann keinen Unterschied mehr macht, wer woher kommt.

Am Ende zähle, was man aus seinen Talenten gemacht habe, verweist Pfarrer Albrecht Bischoff auf das Matthäus-Evangelium, in dem Jesus auch sagt: Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.

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