Kronach
Stadtentwicklung

In Kronachs Industriestraße geht es nicht nur um ein Geschäft

Die Kronacher Gremien machen sich Gedanken, ob ein weiterer Lebensmittel-Markt in der Industriestraße sinnvoll oder problematisch wäre. Wie sich zeigt, spielen in diesen Überlegungen viele Aspekte eine Rolle.
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Die Stadt Kronach macht sich Gedanken über das gesamte Gebiet rings um den jetzigen Rewe-Markt. Foto: Marco Meißner
Die Stadt Kronach macht sich Gedanken über das gesamte Gebiet rings um den jetzigen Rewe-Markt. Foto: Marco Meißner

Rewe zieht im Dezember vom Westen in den Osten der Kronacher Industriestraße um. Zurück bleiben ein Grundstück im Besitz eines Immobilienfonds und ein ungenutztes Gebäude. Die Frage, was damit künftig passieren könnte, ist nicht nur eine Frage dieser einzelnen Fläche.

Stadtrat und Bauausschuss befassten sich vergangene Woche schon mit der Situation des "alten" Rewe-Geländes. Das Interesse eines möglichen Nachfolgers aus dem Lebensmittel-Bereich wurde signalisiert.

Die Diskussionen zeigten, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt. Die Mehrheit des Gremiums sprach sich für eine Veränderungssperre und die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans aus. Der bisherige, recht großzügige Plan für diesen Bereich stammt noch aus den 1960er Jahren. Bernd Liebhardt (CSU) sprach ebenso wie Angela Degen-Madaus (FL) im Bauausschuss davon, dass es keinen Mangel an Lebensmittel-Läden in Kronach gebe. Sie wollten daher die Innenstadt nicht durch ein weiteres Geschäft im Außenbereich schwächen.

SPD sieht mögliche Chance für die Stadt

Die SPD-Räte befürchteten hingegen, die Stadt würde sich unter Umständen einer Chance berauben. "Wir sind nicht glücklich über die Aufgabe des alten Rewe-Standortes", stellt Thilo Moosmann (SPD) fest. Zwar gebe es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten in Kronach, so genannte Vollsortimenter aber nur zwei. Einen Rewe-Nachfolger aus diesem Bereich an bewährter Stelle könnte er sich daher gut vorstellen. Seines Wissens nach drohe nicht die Schaffung eines x-ten Discounters, geht er auf die Voranfrage an die Stadt ein. Vielmehr sei von einem Markt die Rede, der das Angebot in Kronach abrunden könnte.

Mit dem Gerücht konfrontiert, der Interessent könnte Tegut sein, stellte Moosmann fest, noch nichts Konkretes zu wissen. Allerdings sei auch ihm dieser Name zu Ohren gekommen. Die Vertreter der Lebensmittel-Kette konnten sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht mehr kurzfristig zu möglichen Expansionsabsichten in Kronach äußern.

Vielschichtige Frage

"Wir haben dort eine Gemengelage verschiedener Interessen", erklärt Georg Köstner von der Stadt Kronach, warum sich die Verwaltung für eine Veränderungssperre und einen neuen Bebauungsplan (siehe auch Infokasten) aussprach. Drei wesentliche Punkte beeinflussen demnach die Planung für dieses Gebiet: Das Staatliche Bauamt macht sich Gedanken über die künftige Gestaltung des Kreuzungsbereichs an der B 173, die Anbindung der Beamtenfachhochschule spielt eine Rolle, und schließlich ist noch nicht klar, wie die Stockhardtsbrücke in Zukunft gestaltet wird.

Die Frage, ob im "alten" Rewe ein anderer Lebensmittelmarkt einzieht und wie stark sich dieser auf die Innenstadt auswirken würde, sei also nur ein Teilaspekt des Themas. Die Voranfrage eines Interessenten wegen eines neuen Marktes mit einer ähnlichen Kubatur wie beim jetzigen Rewe habe es tatsächlich gegeben. Den Namen kann Köstner nicht nennen, wohl aber dass eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern plus eine kleine Bäckerei-Filiale angefragt wurden. Diese Größenordnung gelte somit als großflächig und relevant für den innerstädtischen Handel.

Georg Köstner erklärt, dass die Regierung die Innenstadtrelevanz geprüft haben möchte. "Die Lebensmittel möchte man gerne wieder mehr in die Städte reinholen", stellt er fest. In den vergangenen Jahren sei ja vielerorts die Abwanderung der Ketten auf die grüne Wiese erfolgt. Die Vergrößerungen und die Suche nach mehr Parkflächen hätten diesen Trend ausgelöst. Durch die jetzige Veränderungssperre sollen keine Bauvorhaben genehmigt werden können, die den Zielen des neuen Bebauungsplanes widersprechen.

Keine radikale Sperre

Ein neuer Bebauungsplan soll dann dafür sorgen, dass sich großflächige Märkte nicht mehr zu stark vom Stadtkern in diesen Bereich entfernen. Allerdings teilt Köstner die Aufregung nicht, dass dieses Gebiet nun generell für gewerbliche Neuansiedlungen verloren gehen könnte. Wird der Bereich, wie angestrebt, als GI-Gebiet (Industriegebiet) ausgewiesen, könnte sich seiner Erklärung nach jederzeit noch Gewerbe mit einer Größenordnung von bis zu 750 Quadratmetern Verkaufsfläche ansiedeln. Und eine Renovierung des alten Rewe-Marktgebäudes wäre nicht einmal von der Sperre tangiert.

Obendrein gebe es immer noch die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung. Wie Köstner erfahren hat, wollen sich die Eigentümer des Grundstücks wohl auch auf diesen Weg begeben und bei der Regierung nachhaken, ob nicht doch ein neues Lebensmittelgeschäft denkbar wäre. So könnte das Thema später auch wieder auf dem Tisch des Stadtrats landen.

Erklärungen

Veränderungssperre: Dieses Mittel wirkt dahingehend, dass geplante Bauvorhaben noch einmal hinsichtlich der Ziele des neu aufzustellenden Bebauungsplanes geprüft werden müssen und diesen nicht widersprechen dürfen. Bebauungsplan: Ein solcher Plan soll für seinen Geltungsbereich die künftige Bebauung regeln und Planungsrecht schaffen. Im konkreten Fall würde der Bebauungsplan aus den 1960er Jahren beispielsweise bedeuten, dass sich auch großflächiges Gewerbe ansiedeln dürfte. Die Anpassung des Bebauungsplanes stellt auf die derzeitige rechtliche Regelung ab, dass großflächiger Einzelhandel (über 750 Quadratmeter Verkaufsfläche) nur in Sondergebieten zulässig wäre. Diese müssten in einem separaten Bebauungsplan ausgewiesen werden.

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