Stockheim
Sanierung

In der Rentei regieren die Handwerker

Das frühere Geschäfts- und Wohnhaus der Katharinenzeche wird zu einem Begegnungs- und Kulturzentrum umgebaut.
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Bei einer Baustellenbesprechung vor der Rentei. Von links Kerstin Förtsch (Bauleitung Architekturbüro 3D Detsch), Hans Eichhorn (Bauunternehmer), Bürgermeister Rainer Detsch und Planer Jörg Detsch. In diesem Bereich soll auch ein Biergarten entstehen. K.-H. Hofmann
Bei einer Baustellenbesprechung vor der Rentei. Von links Kerstin Förtsch (Bauleitung Architekturbüro 3D Detsch), Hans Eichhorn (Bauunternehmer), Bürgermeister Rainer Detsch und Planer Jörg Detsch. In diesem Bereich soll auch ein Biergarten entstehen. K.-H. Hofmann
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In Stockheim wird die Rentei umgebaut und saniert. Es soll ein einzigartiges Begegnungs- und Kulturzentrum entstehen, in dessen Mittelpunkt die Erinnerung an die Bergbaugeschichte Stockheims stehen wird. Anfang Juli begannen die Arbeiten zum Umbau und der Sanierung der Rentei in der Bergwerksgemeinde Stockheim.

Bürgermeister Rainer Detsch, Jörg Detsch und Bauleiterin Kerstin Förtsch (beide vom Architekturbüro 3 D Detsch, Kronach, das mit der Planung und Bauaufsicht beauftragt ist), informierten ausführlich bei einer Baustellenbegehung über die Bedeutung und die Vorgehensweise bei dieser mit rund 2,7 Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahme. Durch die Förderoffensive Nordostbayern des Freistaates Bayern sei es möglich, bis zu 90 Prozent Fördermittel auf zuschussfähige Kosten zu erhalten. Zum jetzigen Zeitpunkt schätzt der Rathauschef den Eigenanteil der Gemeinde auf rund 300 000 bis 400 000 Euro. Jörg Detsch meint allerdings, dass derartige Gebäude besonders im Dachraum für Überraschungen sorgen können.

Die Fertigstellung ist für Mitte 2021 geplant. Die bisher vergebenen Gewerke konnten alle an Firmen aus der Region in Auftrag gegeben werden und dies zu den kalkulierten Kosten, teils sind die Angebote sogar darunter. Nach der Stilllegung des einzigen Steinkohlebergwerks Bayerns, der Katharinenzeche in Stockheim am 31. März 1968, blieben bis heute nur noch zwei oberirdische Anlagen übrig. Außer dem als Bauhof genutzten Areal besteht nur noch das ehemalige Geschäfts- und Wohnhaus, die Rentei. Der Nachlass der Bergbaugesellschaft aus Akten, Plänen, Fotografien und Gegenständen wird vom Förderverein Bergbaugeschichte, der Bergmannskapelle und dem Knappenverein sowie der Bergwerksgemeinde Stockheim betreut. Der Nachlass ist im Magazinbereich des Bauhofes untergebracht.

Die Bergwerksgemeinde Stockheim und Vertreter der beteiligten Vereine haben gemeinsam mit Unterstützung von Kreiskulturreferentin Gisela Lang und dem Museumsbeauftragten der Stadt Kronach, Alexander Süß, ein Nutzungskonzept für die denkmalgeschützte Rentei erarbeitet. Wichtige Gedanken zum neuen Konzept wurden auch im Rahmenkonzept von Helmut Schwarz, Nürnberg, aus dem Jahr 1990 gefunden. Eine Unterstützung bei der Konzeptsuche war der großartige Wissensschatz und die Dokumentationen von Heimatpfleger Gerd Fleischmann.

Nach dem Umbau und der Sanierung wird das aus dem Jahr 1847 stammende Gebäude als Begegnungsstätte und Kulturzentrum dienen. Die Nutzung erfolgt auf vier Gebäudeebenen. Die Untergeschossnutzung wird geprägt durch einem Sanitärbereich für die Nutzungen im Außenbereich, wie zum Beispiel die Bergmännische Weihnacht, Bergmannsfest, Barbarafeier und mehr. Zusätzlich geplant sind ein Naturlehrpfad, ein Musikpavillon und ein Biergarten.

Ein zweiter Teil im Untergeschoss ist für eine gastronomische Betreuung unter Organisation der engagierten Vereine vorgesehen. Der ehrenamtlich betreute Gastronomiebereich stellt eine Aufwertung der Nutzungsmöglichkeiten des Erdgeschosses und Obergeschosses dar und soll keine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie in Stockheim werden. Ziel ist es, den Besuchern in Pausen einen Aufenthalt mit Brotzeit zu bieten, sowohl im Innen- wie im Außenbereich, erklärt Bürgermeister Detsch.

Wie Diplom-Ingenieur Jörg Detsch informiert, ermöglicht es der symmetrische Grundaufbau und das zentral gelegene Treppenhaus im Erdgeschoß ein Rundgangkonzept für wechselnde Ausstellungen und Informationsthemen. Im Obergeschoß entstehen drei große Räume, die auch variabel und vielseitig nutzbar wären, mit zwei kombinierbaren Vortrags- und Seminarräumen und einem Ausstellungsbereich.

Zweiter Rettungsweg

Im Dachraum werden die vorhandenen Trennwände entfernt, um Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungen zu schaffen. Zur Sicherstellung eines zweiten Rettungsweges wird eine Außentreppe angebracht.

Zum Dachgeschoß informieren Jörg Detsch und Kerstin Förtsch, dass die bisher angedachte Nutzung als "leichtes" Archiv mit großem Aufwand verbunden wäre, jedoch sei eine Aufenthaltsnutzung nicht möglich (maximale Höhe 2,16 Meter). Daher sei aktuell vorgesehen, im Dachgeschoß die störenden inneren Wandabtrennungen zwischen den Holzkonstruktionen zu beseitigen. Die ursprünglich im Sparren und Kehlbalkenbereich gelegene Dämmebene wird bis zum First hochgezogen. So entsteht im Dachgeschoß ein variabel nutzbarer Bereich für leichte Archivgegenstände, Ausstellungen und Archivierungstätigkeiten, dessen Erkundung für die Besucher ermöglicht wird. Geheizt wird das Gebäude übrigens mit regenerativer Energie, das heißt über Fernwärme vom Bauhof aus mit Holzhackschnitzel.

Im Zentrum einer Rentei-Nutzung steht der Bergbau mit seinen Auswirkungen, aber auch mit seiner Geschichte und den lokalen Besonderheiten, so Bürgermeister Detsch. Darüber hinaus kann auch die Wichtigkeit von Bodenschätzen und deren Auswirkungen unter den verschiedensten Themen beleuchtet werden. Ergänzt werden soll dies durch Ausstellungen, Vorträge, Filme, Tagungen oder Aufführungen.

"Es geht gut voran", freut sich Bürgermeister Rainer Detsch und erwähnt, dass bereits die Hälfte aller Arbeiten ausgeschrieben ist.

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