Steinbach am Wald
Wirtschaft

Im Steinbacher Supermarkt: Der Computer weiß alles

Innovative Software- und Hardwarelösungen haben längst auch in Lebensmittelmärkten Einzug gehalten. Am Beispiel eines Supermarktes wird deutlich, wie effiziente Warenwirtschaft aussehen kann.
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Inhaber Matthias Börschel an der Kasse. Dort bezahlen Kunden nicht nur ihre Ware, sondern die Kasse gibt dem Computer auch Signal, wann die nächste Bestellung fällig ist.  Foto: Veronika Schadeck
Inhaber Matthias Börschel an der Kasse. Dort bezahlen Kunden nicht nur ihre Ware, sondern die Kasse gibt dem Computer auch Signal, wann die nächste Bestellung fällig ist. Foto: Veronika Schadeck

Verfügbarkeit, Aktionsangebote, Frische: Die Kunden des Lebensmittelhandels sind, was den Einkauf ihrer Lieblingsprodukte angeht, anspruchsvoller denn je. Nicht zuletzt deshalb hat die künstliche Intelligenz in Lebensmittelmärkten längst Einzug gehalten. So auch im "Supermarkt für Generationen" am Rennsteig in Steinbach am Wald. Das Ziel ist klar: möglichst alle Produkte in ausreichender Menge vorrätig zu haben.

Deshalb investierte Inhaber Matthias Börschel im vergangenen Jahr eine hohe fünfstellige Summe in ein elektronisches Warenwirtschaftssystem. Das Ergebnis: "Nicht ich, sondern der Computer und die Kasse sind der Chef", sagt Börschel mit einem Lächeln auf den Lippen.

Betritt man den "Supermarkt für Generationen", so wird die große Vielfalt des Sortiments schnell deutlich. Doch kaum einer macht sich Gedanken über die erforderliche Logistik, um solch ein Angebot überhaupt vorhalten zu können. Tausende von Artikeln führt Matthias Börschel in seinem Sortiment. Und mit ihm entscheidet "Lunar" - so heißt das Warenwirtschaftssystem -, welche Produkte wann bestellt werden müssen.

Per Telefon und per Fax

Börschel wuchs im Einzelhandel auf. Bereits seine Eltern hatten in Steinbach ein kleines Lebensmittelgeschäft. Und so sind es jetzt bereits 36 Jahre, in denen der 52-Jährige im Einzelhandel tätig ist. Wenn er an seine Kindheit und die Anfangsjahre denkt, dann hat er noch das Bild vor Augen, als sein Vater Hans mit Block und Kugelschreiber von Regal zu Regal ging, um Bestellungen aufzuschreiben und diese anschließend per Telefon oder Fax an Edeka zu übermitteln.

Noch im vergangenen Jahr waren er beziehungsweise seine Mitarbeiter am Regal beziehungsweise schauten im Lager nach den Beständen, um danach den Code des benötigten Artikels mithilfe eines MDE-Geräts (Mobile Datenerfassung) zu erfassen und die Bestellung - die Mengen beruhten auf Erfahrungswerten - anschließend an den Server des Zulieferers weiterzuleiten.

Seit dem vergangenen Jahr ist alles anders. Mit der Einführung der neuen Software seien die Kassen, die Waagen in der Fleisch- und Wurstabteilung sowie der Computer im Büro miteinander vernetzt, erklärt Börschel. Somit werde der Computer permanent mit Daten gefüttert. Die Technik weiß, wann es an der Zeit ist, eine neue Bestellung in welcher Auflage aufzugeben, weil der aktuelle Lagerstand stets hinterlegt ist.

Auf einem mobilen Gerät liefert die Software per Knopfdruck und in Sekundenschnelle einen Überblick über die einzelnen Artikel und über laufende Bestellungen. "Lunar" kennt aber auch Feiertage wie Weihnachten und weiß deshalb, dass für diese Tage mehr Waren vorgehalten werden müssen. Dementsprechend wird die Bestellung dadurch angepasst.

"Das System bestimmt die Arbeitsabläufe, es automatisiert und optimiert alle wichtigen Abläufe im Markt", sieht Börschel mit Freude die Arbeitserleichterung. "Teilweise ist das Ganze aber auch gespenstisch", macht Börschel aber auch auf die Schattenseite aufmerksam. Denn alles wird registriert.

Kein Mitarbeiterersatz

Für seine Familie und ihn sei es nicht mehr möglich, einfach ein Joghurt für zwischendurch aus dem Regal zu nehmen. "Das würde das ganze System durcheinanderbringen." Alles müsse gescannt und genauestens gepflegt werden, erklärt er, damit es keine Ungereimtheiten in der Prozesskette gibt. Und schon aus diesem Grund wird diese Software auch keinen der 31 Mitarbeiter in seinem Supermarkt ersetzen.

Bei der Frage, ob bei der zunehmenden Digitalisierung im Lebensmittelhandel künftig kleinere Läden auf der Strecke bleiben werden, denkt Matthias Börschel kurz nach. Diese werden eher dann schließen, wenn ab dem Jahre 2028 alle Lebensmittelhändler verpflichtet werden, auf chemische Kältemittel, die die Ozonschicht belasten, für die Kühlung ihrer Theken zu verzichten. Diese müssen durch "grüne Kältemittel", wie Kohlenwasserstoffe oder auch CO2, ersetzt werden - und das sei für jeden Lebensmittelhändler mit größeren Investitionen verbunden. Dann werde sich so mancher in der Branche fragen, ob sich sein Geschäft noch lohnt. Hinzu komme, dass in den nächsten Jahren viele Kollegen ohne Nachfolge in den Ruhestand gehen werden. Bei Matthias Börschel ist mit Sohn Markus ein Nachfolger in Sicht - und dennoch: "Trotz Digitalisierung - einfacher wird das Ganze nicht."

Mit Chancen verbunden

"Der Wandel passiert", ist der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach und IHK-Vizepräsident, Hans Rebhan, überzeugt. Die Digitalisierung schreite in allen Branchen voran. Gerade für den ländlichen Raum sei diese vor allem mit Chancen verbunden, beispielsweise indem Gewerbetreibende und auch Einzelhändler ihren Kundenkreis erweitern könnten, ist Hans Rebhan überzeugt. Auch für kleinere Betriebe und Läden könne die Digitalisierung mit Vorteilen verbunden sein. Wichtig sei dabei allerdings, dass man sich dem Wandel nicht entziehe, sich mit neuen Ideen auseinandersetze und Alleinstellungsmerkmale suche.

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