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Pflege

Im Oberen Rodachtal heißt das Zauberwort digital

Das Obere Rodachtal darf sich künftig "Digi Ort" nennen. Ziel eines zweijährigen Projekts ist es, die pflegerische Versorgung in der Region zu verbessern.
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Staatsministerin Melanie Huml stellte den drei Bürgermeistern (von links) Michael Pöhnlein (Nordhalben), Jens Korn (Wallenfels) und Gerhard Wunder (Steinwiesen) 2,4 Millionen Euro für die Erprobung der digitalen Pflege-Plattform in Aussicht.Veronika Schadeck
Staatsministerin Melanie Huml stellte den drei Bürgermeistern (von links) Michael Pöhnlein (Nordhalben), Jens Korn (Wallenfels) und Gerhard Wunder (Steinwiesen) 2,4 Millionen Euro für die Erprobung der digitalen Pflege-Plattform in Aussicht.Veronika Schadeck

Bis zum Jahr 2021 wird im Oberen Rodachtal das Projekt "Digitales Gesundheitsdorf" oder kurz "Digi Ort" erprobt. Am Mittwoch wurde im Landratsamt vorgestellt, was man dahinter verstehen kann.

"Digi Ort", das ist das Schlagwort, mit dem künftig die medizinische und pflegerische Versorgung in den Gemeinden Wallenfels, Steinwiesen und Nordhalben und langfristig auch im gesamten Landkreis verbessert werden soll. Im Oberen Rodachtal ist man derzeit dabei, in Zusammenarbeit mit der Caritas und der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services, das Projekt zu realisieren.

Entlastung für Angehörige

Digitale Vernetzung, E-Akte, E-Rezept und Assistenzsysteme für zu Hause sind Techniken, von denen sich die Bürgermeister Gerhard Wunder (Steinwiesen), Jens Korn (Wallenfels) und Michael Pöhnlein (Nordhalben) eine effizientere Pflege versprechen. Mit dem Einsatz von digitalen Lösungen sollen zudem die Bedürftigen, die pflegenden Angehörigen und die ambulanten Dienste entlastet werden.

Wie Andreas Hamper vom Frauenhofer-Institut erklärte, wird 2028 aller Voraussicht nach jeder dritter Bewohner über 65 Jahre alt sein. Das Durchschnittsalter der Hausärzte betrage 50 Jahre. Mithilfe von digitalen Lösungen solle nun die Versorgung in der Zukunft sichergestellt werden.

Leichterer Datenaustausch

Hamper erklärte das System so: Mittels einer digitalen Plattform werden ambulante Pflegedienste, Hausärzte sowie Bedürftige und deren Angehörige vernetzt, mit dem Ziel, die Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Über diese Plattform sollen Gesundheits- und Pflegedaten von Hausärzten und ambulanten Diensten ausgetauscht werden. So könnten Ärzte leichter informiert bleiben, wie es ihren Patienten geht.

Das wiederum könnte eine Online-Beratung ermöglichen und den einen oder anderen Hausbesuch sparen. Darüber hinaus werden Daten aus der häuslichen Umgebung in die Plattform integriert. Weiterhin wird auch die Anbindung kommerzieller Active-Assisted-Living-Systeme erprobt, mit denen das alltägliche Leben älterer Menschen erleichtert werden soll. Beispielsweise kann mit einem Smart-Phone Licht und Wärme geregelt werden, es können Herde mit Abschaltsystemen angebracht werden. Weiterhin gibt es T-Shirts, mit denen durch den Einbau entsprechender Sensorik der Herzschlag überwacht werden kann.

Anlaufstelle in Steinwiesen

Wie Caritas-Geschäftsführerin Cornelia Thron erklärte, soll Mitte 2020 in dem Gebäude von "In der Heimat wohnen" in Steinwiesen eine Anlaufstelle eingerichtet werden. Ein Fachberater werde die Bürger über die Möglichkeiten des technikunterstützten Wohnens beraten. Gerhard Wunder erklärte, dass der Einsatz von AAL-Systemen derzeit in sechs Wohnungen getestet wird.

"Digi Ort" werde nicht den Arzt oder Betreuer ersetzen, sondern sei als Ergänzung gedacht, so Melanie Huml, Staatsministerien für Gesundheit und Pflege (CSU). Ihr Ministerium unterstütze mit 2,4 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren die Erprobung dieser digitalen Plattform. Die Gesamtkosten belaufen sich ihr zufolge auf 2,6 Millionen Euro.

"Sie Krankenkassen mit ins Boot holen"

Für AAL-Systeme ist laut Huml ein Zuschuss bis zu 4000 Euro durch die Pflegekasse möglich. Sie sei davon überzeugt, dass die Investitionskosten hier meistens im Rahmen bleiben, "da die meisten älteren Menschen nicht alle Hilfsmittel benötigen, die der Markt hergeben wird".

Gerhard Wunder sah die kommunale Familie in der Pflicht, den Bürgern "Digi Ort" zu vermitteln. Und: "Wir müssen die Krankenkassen mit ins Boot holen!"

Michael Pöhnlein appellierte an alle Beteiligten, "Digi Ort" in einer leicht verständlichen Sprache zu kommunizieren. Was die Finanzierung der AAL-Systeme betrifft, so meinte er: "Es gibt zwar in der Region bedürftige Senioren, aber es gibt auch solche, die ihr Geld lieber den Enkeln schenken."

Jens Korn sprach davon, dass in seiner Stadt "Gesundheitsversorgung 4.0" praktiziert wird. Am Anfang seien die Bürger kritisch gewesen, jetzt seien sie durchaus gewillt, das Angebot der Digitalisierung im Gesundheitsbereich anzunehmen.

Landrat Klaus Löffler begrüßte die Entwicklung im Oberen Rodachtal. Er betonte aber auch, dass für die Digitalisierung im Gesundheitsbereich die Voraussetzungen geschaffen werden müssten, so müsse der Breitbandausbau weiter forciert werden. Hier sei auch die Bundesregierung gefordert.