Laden...
Kronach
Medizin

Im Notfall steht im Kreis Kronach keiner ohne Hilfe da

Das Bayerische Rote Kreuz prangert Ausfallstunden bei den Notärzten an. Die vorgelegten Zahlen geben aber Raum zur Interpretation.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wer kommt, wenn der Notfall eintritt? Damit beschäftigte sich der BRK-Landesverband in nicht unumstrittener Weise. Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Wer kommt, wenn der Notfall eintritt? Damit beschäftigte sich der BRK-Landesverband in nicht unumstrittener Weise. Foto: Archiv/Hendrik Steffens

Eine Radiomeldung schlug am Freitag große Wellen. "Rotes Kreuz in Bayern warnt: So oft fallen in eurer Region Notärzte aus!", titelte der Sender Antenne Bayern auf seiner Homepage. Und verwies auf Zahlen, die vor allem den Landkreis Kronach in ein schlechtes Licht rückten.

BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi erläuterte gegenüber dem Sender, dass es in der Zeitspanne vom 1. Dezember 2019 bis zum 6. Januar 2020 bayernweit 551 Ausfälle von Notärzten gegeben habe, was rund 6000 Ausfallstunden bedeute - drei Prozent der insgesamt 173 000 anfallenden Notarztstunden. Als Ausreißer in der Statistik bezeichnete Taheri-Sohi den Kreis Kronach mit alleine schon über 1000 Ausfallstunden.

Was steckt hinter den Zahlen?

Müssen die Menschen im Frankenwald also ernsthafte Sorge haben, im Notfall ohne kompetente medizinische Hilfe dazustehen? Wie Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes vom Kronacher Roten Kreuz betont, sind solche Ängste nicht begründet. Das sei auch nicht die Intention gewesen, die hinter dem Vorstoß des Bayerischen Roten Kreuzes steckt.

Grundsätzlich sei die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) für die Organisation und Besetzung des Notarzt-Dienstes zuständig, erklärt Beierwaltes, der die 1000 Ausfallstunden an den vier heimischen Notarztstandorten bestätigt. Doch Zahlen können täuschen. "Trotz dieser Nichtbesetzung ist jeder Notfallpatient vom BRK-Kreisverband Kronach mit hoch qualifizierten Notfallsanitätern und - wenn notwendig durch die Leitstelle disponiert - mit einem Notarzt aus einem anderen Rettungsdienst-Bereich oder der Luftrettung, versorgt worden. Die Menschen im Landkreis Kronach waren und sind rettungsdienstlich und notärztlich versorgt", betont Beierwaltes.

Ganz andere Zielrichtung

Hintergrund der Veröffentlichung durch den Landesverband sei nicht gewesen, Angst vor einer schlechten Versorgung zu schüren. Bei den Zahlen gehe es darum, ein Augenmerk auf Verbesserungsmöglichkeiten zu lenken. Das betreffe einerseits die Ausbildung und die Ansiedlung von Ärzten in der ländlichen Region. Andererseits drehe es sich darum, gesetzliche Veränderungen zu erreichen, die den Notfallsanitätern einen größeren Handlungsspielraum einräumen (siehe Textende).

Beierwaltes zieht daher ein klares Fazit: "Die Menschen im Landkreis Kronach erhalten qualifizierte Hilfe, wenn sie diese benötigen - trotz der schwierigen Notarztsituation." Und weiter: "Um eine Verbesserung zu erreichen, sind Maßnahmen vom Landrat und Kreisvorsitzenden des BRK, Klaus Löffler, ergriffen worden. Deren Umsetzung wird eng begleitet."

Abgeordneter zwischen Zusage und Verärgerung

Zur Chefsache möchte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) das Thema "Notarzt-Versorgung" machen. Die KVB sei ebenso wie die Ministerien in München und Berlin mit der Masse an Zukunftsthemen mittlerweile überlastet, meint er. Zu vieles müsse delegiert werden. Deshalb möchte er das Thema dem Ministerpräsidenten direkt ans Herz legen.

Schwer enttäuscht zeigte sich Baumgärtner im gleichen Atemzug über das Verhalten der Verantwortlichen im BRK-Landesverband. Wie dort mit solchen Zahlen jongliert werde, sei beschämend. "Mit einer solchen Medienpolitik wird eine ganz Region angezündet", schimpfte er über ein seiner Ansicht nach unbedachtes Vorgehen.

Was kann verbessert werden?

Verbesserungen BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes geht auf Verbesserungsmaßnahmen ein, die von der Kassenärztlichen Vereinigung oder vom Roten Kreuz mit seinem Kreisvorsitzenden, Landrat Klaus Löffler (CSU), angeregt beziehungsweise aufgegriffen wurden.

KVB: Verbesserung der Vergütung der Notärzte und Gespräche mit der Helios-Frankenwaldklinik zum verstärkten Einsatz von Ärzten im Notarzt-Dienst wurden angekündigt.

Modellprojekt: Von Klaus Löffler wurde eine Interessensbekundung zur Teilnahme am Modellprojekt "Telenotarzt Bayern" im Mai 2018 an das Innenministerium gerichtet. Von Seiten des Ministeriums wurde das begrüßt, allerdings darauf hingewiesen, dass ein Rollout auf ganz Bayern ab dem Jahr 2020 vorgesehen sei. Der Landkreis werde dann als einer der ersten "Rollout-Landkreise" berücksichtigt.

Ansatzpunkte: Das BRK und der Landrat unterstützen die Gesetzesinitiative, dass Notfallsanitäter mehr Hilfeleistung erbringen dürfen (Änderung Heilpraktikergesetz). Weiterhin trägt die Maßnahme des Landkreises, Ärzte bei der Übernahme von Praxen im Landkreis Kronach finanziell zu unterstützen, erste Früchte. Weitere Ansatzpunkte wären aus Sicht von BRK und Landrat, die Zulassungsvoraussetzungen für angehende Medizinstudenten zu entschärfen, wenn eine Verpflichtung zum Praktizieren auf dem Land eingegangen wird. Auch die Aufnahme eines Studienmoduls "Notfallmedizin" in die Ärzteausbildung würde als eine wichtige Maßnahme begrüßt werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren