Kronach
Kunst

Im Namen des Vaters

Den Markennamen "Cranach" tragen nicht nur eigenhändige Arbeiten des Malers Lucas Cranach d.Ä., sondern auch die seiner Mitarbeiter sowie seiner Söhne.
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Hans Cranach: "Brustbild zweier Kinder"; farbige Kreiden auf Bütten  Bildquelle: Universitätsbibliothek Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Hans Cranach: "Brustbild zweier Kinder"; farbige Kreiden auf Bütten Bildquelle: Universitätsbibliothek Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Selbst für Experten ist eine Unterscheidung der Werke Lucas Cranach d.Ä., seiner Mitarbeiter sowie seiner Söhne heute noch eine Herausforderung. Die Ausstellung "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" in Cranachs Geburtsstadt Kronach wirft auch ein Schlaglicht auf den früh verstorbenen Sohn Hans.

Eine querformatige, farbige Zeichnung mit dem Titel "Brustbild zweier Kinder": links ein Junge mit einer für die Renaissance typischen, halblangen Ponyfrisur; rechts ein Mädchen, etwas älter, mit Stirnband und hochgebundenen Zöpfen. Eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Kinder lässt darauf schließen, dass sie Geschwister sein könnten.

Die Porträts sind schräg zueinander versetzt. Die Kinder sehen einander nicht an; ihr Blick scheint in die Ferne zu schweifen. "Wie die beiden heißen, wissen wir heute nicht. Vermutlich handelt es sich um die Darstellung eines kleinen Prinzen und einer jungen Prinzessin aus dem sächsischen Herrschergeschlecht der Wettiner", konstatiert Museologe Alexander Süß, zuständig für die Ausstellungen in der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg.

"Die Handzeichnungen geben uns einen wertvollen und spannenden Einblick in die geheimen Produktionsabläufe der erfolgreichen Wittenberger Cranach-Werkstatt", so Süß. Die zarte Kreide-Kohle-Zeichnung "Brustbild zweier Kinder" konzentriert sich auf die Gesichter.


"Kreide und Kohle lassen sich sehr schnell verarbeiten. Die Kinder hatten sicher keine Geduld, beim Porträtiert werden lange still zu sitzen. Der Künstler musste daher sehr zügig arbeiten. Die Körper und die Kleidung wurden erst in der Werkstatt schablonenartig hinzukomponiert." Das Porträt der Enfanten gehört zu den auffälligsten Exponaten der Ausstellung.

"Anhand der Stilistik und durch Vergleiche u.a. mit Portraits oder den Skizzen im 1536 begonnenen Reisetagebuch von Hans Cranach kann diese Zeichnung dem erstgeborenen Sohn von Lucas Cranach zugeschrieben werden. Dass sie nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist an sich schon eine kleine Sensation, da es - neben seinen wohl berühmtesten und teils mit dem Zusatz ‚H.C.‘ signierten Bildern wie beispielsweise dem ‚Porträt eines bärtigen Mannes‘ oder ‚Herkules und Omphale‘, heute im Besitz des Museums Thyssen-Bornemisza in Madrid - nur wenige eindeutige Werke Hans Cranachs gibt."

Hans Cranach wurde 1513 in Wittenberg geboren und wohl nach seinem Kronacher Großvater Hans Maler benannt. Wie seine Geschwister und insbesondere sein jüngerer Bruder Lucas wächst Hans in und mit der Wittenberger Werkstatt des Vaters auf.

Bereits mit 14 malt er eigene Bilder. Schon früh spielt er eine führende Rolle. So quittiert er z.B. am 2. Oktober 1534 in Leipzig den Sold für seinen Vater. Als einziger Mitarbeiter der Werkstatt signiert er die von ihm geschaffenen Bilder selbstbewusst mit den Initialen "H.C." und setzt sie neben das Schlangensignet des Vaters.

Eine außerordentliche Ausnahme, denn Lucas Cranachs Geschäftserfolg beruht vor allem darauf, dass seine Mitarbeiter eben keinen individuellen Stil ausprägen. Durch unermüdliche Einübung hatten sie sich die typische Handschrift des Meisters als Werkstattstil anzueignen. So wurde die hohe Produktivität der Cranach Werkstatt erst möglich.

Hans Cranach gilt vielen als der talentiertere der beiden Söhne und soll als der ältere einmal die väterliche Werkstatt übernehmen. Um 1537 unternimmt er eine Reise nach Italien Am 9. Oktober 1537, mit erst 24 Jahren, stirbt Hans Cranach in Bologna.Nach dem Tod des Sohns trägt die stolze Schlange im Signet der Cranach-Werkstatt ihre nun in Vogelflügel umgewandelten Schwingen gesenkt.

Finissageprogramm
Die Ausstellung "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" auf der Festung Rosenberg schließt mit einem bunten Sonderprogramm am kommenden Wochenende von Freitag, 22. Juni, bis Sonntag, 24. Juni, auf der Festung Rosenberg.
Kuratorenführungen
Den Anfang macht am Freitag Ausstellungskurator Manuel Teget-Welz (Universität Erlangen-Nürnberg) mit zwei Kuratorenführungen. Jeweils um 16.30 und um 17.30 Uhr wird er Einblicke in das zeichnerische Schaffen der Wittenberger Bildermanufaktur Cranachs geben.

Die Lukaszeichner & Familienführungen
Am Samstagund Sonntag steht die Fränkische Galerie zwischen 11 und 16 Uhr im Zeichen der Lukaszeichner. Ingo Cesaro bietet mit Professor Horst Böhm und weiteren Künstlern während der Öffnungszeiten des Museums ein kreatives Werkstatt-Wochenende für die ganze Familie. Zur Einstimmung gibt es am Samstag und Sonntag jeweils um 11 und 14 Uhr Ausstellungsführungen durch Alexander Süß. Anschließend können die Besucher unter künstlerischer Anleitung selbst den Stift in die Hand nehmen und als Lehrlinge der Cranach-Werkstatt Zeichnungen des Meisters mit ihren ganz eigenen Ideen vollenden. Eine Auswahl der entstandenen Zeichnungen soll später in einer eigenen Ausstellung gezeigt werden.

Abschlussvortrag
Das Ende der Finissage bildet am Sonntag um 16 Uhr der Abschlussvortrag des Museologen Süß mit einem Resümee zur Ausstellung. Ein beispielhaftes Kooperationsprojekt der Stadt Kronach mit dem Bayerischen Nationalmuseum in München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das schon bald eine Fortsetzung finden werde, dann mit Zeichnungen des Dürer-Schülers Hans Süß aus Kulmbach.
Eigens für das Finissage-Wochenende ist der Ausstellungseintritt mit Sonderführungen für Einzelpersonen auf vier Euro und die Familienkarte auf zehn Euro reduziert. Interessierte an den Führungen von Manuel Teget-Welz melden sich bitte unter Telefon 09261/60410 auf der Festung Rosenberg an.


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