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Steinwiesen
Tourismus

Im Leerstand schlummert Potenzial

Attraktiver Wohnraum und qualitativ hochwertige Ferienwohnungen sollen das Kapital im Oberen Rodachtal werden.
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Ein positives Beispiel eines Ferienhauses ist das  Frankenwaldhaus in Steinwiesen.Archiv
Ein positives Beispiel eines Ferienhauses ist das Frankenwaldhaus in Steinwiesen.Archiv
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Gastfreundlich in die Zukunft - sanieren, investieren, Gastgeber werden. Wie das geschehen kann und welche Unterstützungen und Förderungen es gibt, konnte man beim Infoabend in Wagners Hotel erfahren. Ein volles Haus zeugte vom Interesse der Bevölkerung.

Es gibt ein großes Potenzial an ungenutztem Wohnraum im Oberen Rodachtal, wie Leerstände ganzer Häuser zeigen. Zugleich fehlen kleine und mittelgroße hochwertige Mietwohnungen oder auch attraktive Ferienwohnungen in der Gegend. "Der Trend geht zu kleineren Wohnungen, die bezahlbar sind, aber dennoch einen gewissen Standard bieten. Gerade für Rückkehrer in die Region oder Studenten sind die Wohnungen bis 50 Quadratmetern besonders geeignet", betonte Moderator Alexander Eberl von der DSK Stadtentwicklung.

Sabine Stöhr aus Pressig hat sich auf solche Wohnungen spezialisiert. Zwei Mietshäuser hat sie erworben und innerhalb von sieben Jahren komplett modernisiert. Zwölf Wohnungen mit je etwa 65 Quadratmetern sind entstanden. In dieser Zeit waren alle Wohnungen vermietet, renoviert wurde dann, wenn eine frei wurde. So waren auch die Einnahmen gewährleistet, die wieder investiert werden konnten. Eine neue Küche, ein qualitativ hochwertiges Bad und eine gute Elektrik sind ein Muss, aber der Charakter der Altbauwohnungen soll bewahrt werden.

Rainer Kober verwirklicht gerade in Steinwiesen ein ähnliches Projekt im Gerberhaus. Auch hier entstehen neun kleinere Wohneinheiten, die durch einen Aufzug barrierefrei werden, und ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss.

In einer kleinen Talkrunde diskutierten Sabine Stöhr, Bernd Hüttner von Hüttnerarchitekten Lichtenberg, Carsten Böhm von der Sparkasse Kulmbach-Kronach und Maximilian Stöhr vom Stadtumbaumanagement (SUM) unter der Moderation von Alexander Eberl die Möglichkeiten und Voraussetzungen für neuen attraktiven und bezahlbaren Wohnraum. Die Nachfrage ist in den Städten Kulmbach und Kronach natürlich höher, je weiter weg man anbietet, desto schwächer wird die Nachfrage. Aber den Trend zu kleineren Appartements kann man nutzen und selbst etwas schaffen. Dafür gibt es auch Förderprogramme der Regierung, kommunale Förderprogramme und Steuervorteile, das führte Maximilian Stöhr vom SUM aus. Für viele ist die Hemmschwelle jedoch hoch, sich hier Informationen und Hilfe zu holen. Doch hier ist Eigeninitiative gefragt. Es ist möglich, auch in Altbauten die Qualität von Neubauten herzustellen. "Aber man muss sich im Klaren sein, dass man mit den bisherigen Billigmieten und Quadratmeterpreisen in Zukunft nicht mehr agieren kann", sagte Bernd Hüttner. Qualität hat ihren Preis, und die Leute wollten dies ja, wie Studien zeigten.

"Nicht unter Wert vermieten"

Die Besucher interessierten vor allem die Größe der Wohnungen und der Preis pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Höhe der Miete hänge von mehreren Faktoren ab. "Doch niemand sollte seine Wohnung unter Wert vermieten, besonders wenn sie gut saniert worden ist", betonte Bernd Hüttner. Das Argument, wer solle schon hier wohnen wollen, wo es nicht mal eine vernünftige Anbindung zur Autobahn gibt, ließ Maximilian Stöhr nicht gelten. Viele Leute arbeiten im Landkreis und sie alle brauchen Wohnungen und diese werden auch nachgefragt. "Es wäre schade, wenn diese Leute wegen Wohnungsmangel wieder abwandern würden", sagte er.

Aber nicht jeder möchte Wohnungen dauerhaft vermieten. In der zweiten Talkrunde unter der Leitung von Margarita Volk-Lovrinovic vom Kommunalmarketing kamen vor allem Sabine Stöhr, Christoph Wagner und Sandra Heinz zu Wort. Ein Trend geht seit Jahren hin zur Ferienwohnung, weg von privaten Zimmern. Christoph Wagner, Besitzer von Wagners Hotel und Restaurant, wird nach der Sanierung eines erworbenen Hauses auch Ferienwohnungen anbieten, auch hat er die neuen Ferienwohnungen im Forsthaus in Nordhalben in sein Konzept eingebunden. "Wir bekommen im Hotel immer wieder Anfragen nach Ferienwohnungen", erläuterte der Hotelier.

Auch Sabine Stöhr hat neben ihren Mietwohnungen Ferienhäuser im Angebot. Einmal in Wickendorf ein sehr reizvolles Schieferhaus, in der Vorderen Schnaid das "Haus Freddy", etwas rustikaler, und ganz neu wird in Presseck eine Luxusferienwohnung entstehen. Attraktive, qualitativ hochwertige Ferienwohnungen sind immer gesucht und auch gut gebucht. Dies bestätigte in der zweiten Talkrunde Sandra Heinz vom Tourismusbüro Oberes Rodachtal. Die Vorteile der Region mit Natur, Ruhe und vor allem guten Wanderwegen sei ein Plus für die Vermarktung, die jedoch online erfolgen sollte. "Circa 80 Prozent der Buchungen laufen übers Internet und wer da nicht präsent ist, bleibt außen vor", sagt Sandra Heinz. Der Tourismusverband ORT und der Frankenwaldtourismus bieten hier Hilfestellung. Auch Christoph Wagner stellte fest, dass seine Gäste hauptsächlich wegen der wunderschönen Natur kommen, denn hier ist die "Welt noch in Ordnung". Aber die Ansprüche der Gäste werden immer höher, man dürfe nicht stehen bleiben, muss sich weiterentwickeln. Und da hätten alte Gebäude durchaus Potenzial und der Umbau ist finanzierbar, so Christoph Wagner.

Trend zum Kurzurlaub

Was auch eine große Rolle spiele, sei der Trend zum Kurzurlaub. Schnell noch ein paar Tage erholen und ausspannen - da fahre man nicht so weit und so lange, deshalb stehe der Frankenwald, das Obere Rodachtal, hier im Kurs schon sehr weit oben - wenn genügend attraktive Ferienwohnungen und Übernachtungsmöglichkeiten da sind. Hier gibt es in Nurn positive Beispiele für hochwertige Ferienwohnungen, die auch eine gute Auslastung haben. Auch in Steinwiesen sind bereits einige Objekte entstanden, die fast immer belegt sind. Die Nachfrage ist da, nun müssen sich die Hauseigentümer und mögliche Vermieter trauen und den Tourismus in der Region vorantreiben, denn es profitiert der ganze Ort, die ganze Region davon. Unterstützung kann man sich beim Tourismusbüro holen, Stadtumbaumangement, Regionalmanagement und das Büro DSK stehen ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite.

Zweiter Bürgermeister Bruno Beierlorzer aus Steinwiesen und Bürgermeister Jens Korn aus Wallenfels hatten bereits bei ihrer Begrüßung die Zusammenarbeit im Oberen Rodachtal hervorgehoben. Die Entwicklung der Übernachtungen vom Höhepunkt in den 60/70er Jahren sei natürlich extrem nach unten gegangen. Aber man sei optimistisch, dass man gemeinsam mit den Bürgern den Trend wieder nach oben bewegen kann. "Wir Kommunen bieten hier unsere ganze Unterstützung an", sagte Korn.

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