Kronach
Wilde Entsorgung

Im Kreis Kronach landet der Müll zu oft in der Natur

Der Hausmüll im Wald, die Überreste der Brotzeit im Straßengraben - Ortssprecherin und Stadtförster in Kronach ärgern sich über Umweltsünden. Das ist im Landkreis kein Einzelfall.
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Eine wilde Müllentsorgung am Kronacher Kreuzberg. Foto: Marco Meißner
Eine wilde Müllentsorgung am Kronacher Kreuzberg. Foto: Marco Meißner
Idyllisch schlängelt sich die Straße vom Fuß des Kronacher Kreuzbergs hinauf zur Kapelle. Links flankiert von den steinernen Kreuzweg-Stationen - rechts vom Müll. Immer wieder wird der Kehlgraben im Wald zur Deponie für Hausabfälle. Doch es ist nicht die einzige Stelle, die zugemüllt wird.

Claudia Wellach, Ortssprecherin für Vogtendorf, ging in der vergangenen Stadtratssitzung auf die Industriestraße in der Kreisstadt ein. Besonders in dem Bereich, der den Lastwagen Parkmöglichkeiten bietet, stellte sie zuletzt viel Abfall im Straßengraben fest. Deshalb regte sie an, die überfrachteten Standard-Abfalleimer in diesem Bereich durch größere Müllbehälter im Stil der Raststätten zu ersetzen.


Dreist Unrat "entsorgt"

Für Stadtförster Ulrich Dautel ist eine solche Situation nichts Neues. Nur findet er die Müllbeutel, Verpackungen und Essensreste nicht neben einer stark befahrenen Straße, sondern da, wo sich eigentlich Wanderer wohlfühlen und die Tiere ihre Ruhe haben sollen, mitten in der schönen Natur des Frankenwaldes. "Vorne steht ein Schild", spricht er das offensichtliche Verbot einer wilden Müllentsorgung im Bereich des Kehlgrabens im Kreuzberg-Wald an. Das Resultat des Hinweisschildes: "Jetzt sind die Sachen nicht nach der Brücke, sondern davor reingeschmissen worden", schimpft Dautel (siehe Foto). Wenn solche Vorkommnisse bemerkt werden, werde sofort die Polizei oder der Waldbesitzer eingeschaltet.

"In der Hammermühle haben wir dieses Jahr schon zwei-, dreimal räumen lassen", geht der Stadtförster darauf ein, dass die Probleme nicht auf den Kreuzberg beschränkt sind. Und es dreht sich nicht nur um Hausmüll. Ein weiterer Knackpunkt seien die Grünabfälle. Es gibt wohl immer wieder Zeitgenossen, die sich selbst die Fahrt zum Kompostplatz ersparen wollen. Und je mehr Unvernünftige es gibt, desto mehr Nachahmer finden sich, befürchtet Dautel. Nicht selten gerate den "Entsorgern" dann auch noch anderer Müll zwischen das Grüngut, das ja wenigstens verrotten würde.

Die Stadtverwaltung sieht diese Entwicklung ebenfalls kritisch. Doch oft bleibt nur der Appell an die Vernunft der Bürger. Denn Hauptamtsleiter Stefan Wicklein stellt fest: "Wir können nicht alle vermüllten Stellen mit Abfalleimern versorgen, das werden wir nie schaffen." Zumal sich eben auch außerhalb des Stadtgebiets stellenweise erhebliche Mengen an Müll in der Landschaft fänden.


Lösung wird gesucht

Was die von Claudia Wellach angeregten, größeren Behältnisse angeht, muss Wicklein bremsen. Die Frage stellt sich nämlich, wie diese geleert werden könnten. Allerdings prüft die Stadt gerade an anderer Stelle eine denkbare Lösung, die sich vielleicht auf die Industriestraße übertragen ließe. Bis darüber entschieden werden kann, soll regelmäßig vor Ort kontrolliert werden. Bei der jüngsten Überprüfung sei übrigens keine besondere Verunreinigung festgestellt worden, so Wicklein.

Die wilden Müllablagerungen sind aber kein rein Kronacher Thema. Das zeigt schon ein Blick in die Polizeimeldungen unserer Zeitung aus den vergangenen Monaten. "Kinderspielzeug und Elektrogeräte wurden entsorgt" (Burgstall), "neben einem Forstweg wurden zwei Müllsäcke mit Baumaterial-Müll gefunden" (Forstdistrikt Döbra), "13 Plastikmüllsäcke mit Hausmüll wurden abgelegt" (Ludwigsstadt) oder "sechs blaue Müllsäcke mit Haushaltsmüll wurden abgelagert" (Teuschnitz) wurde da beispielsweise gemeldet. Hiermit konfrontiert wird letztlich das Landratsamt, das sich um die Beseitigung des Unrats kümmern muss. Und das kostet unnötig Zeit und Geld.


Das sagt das Landratsamt

Von Kommunen werden durchschnittlich circa 20 wilde Müllablagerungen im Jahr gemeldet, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Diese werden den Gemeinden meist durch Bürger mitgeteilt. Oftmals melden Bürger die wilden Ablagerungen auch direkt dem Landratsamt. Zudem wird das Amt durch die Polizei im Rahmen von Anzeigen informiert. Insgesamt werden monatlich etwa drei wilde Müllablagerungen gemeldet.

Sofern die Beseitigung der Abfälle nicht direkt durch die Mitteiler oder die Kommunen selbst erfolgt, beauftragt das Landratsamt ein Unternehmen mit der ordnungsgemäßen Entsorgung. Im nördlichen Landkreis Kronach wird mit dieser Aufgabe die Asco Teuschnitz betraut, im südlichen Landkreis der Diakonie-Gebrauchtwarenmarkt Kronach. Der Großteil der gemeldeten wilden Ablagerungen befindet sich im südlichen Landkreis Kronach.

Die Kosten werden dem Landratsamt - je nach Aufwand und Entsorgungsgebühren - in Rechnung gestellt. Die Entsorgungskosten sind maßgeblich davon abhängig, um welche Abfälle es sich handelt und ob diese an einem der zahlreichen Wertstoffhöfe des Landkreises abgegeben werden können oder ob sie zur Entsorgung auf eine Deponie oder über die Müllumladestation Neuses zum Müllheizkraftwerk Coburg gebracht werden müssen. Die anfallenden Kosten müssen von der Abfallwirtschaft übernommen und über die Müllgebühren finanziert werden. Jährlich fallen dabei ungefähr Kosten zwischen 1000 und 2000 Euro an.

In der Regel werden illegale Müllentsorgungen bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Wer dabei erwischt wird, wie er Abfälle illegal entsorgt, muss gemäß Paragraf 69 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes mit einem Verwarnungsgeld oder der Einleitung eines Ordnungswidrigkeiten-Verfahrens mit Geldbußen bis zu 100 000 Euro rechnen. Werden gefährliche Abfälle (zum Beispiel asbesthaltige Eternitplatten) nicht ordnungsgemäß entsorgt, kann dies sogar eine Straftat darstellen, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Zusätzlich ist der Verursacher zur Entsorgung der Abfälle verpflichtet oder muss die angefallenen Entsorgungskosten erstatten.


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