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Kronach
Corona-Krise

Im Handwerk geht die Sorge um

Carola Beez soll ihre Friseurläden offenhalten, aber die Kunden bleiben weg. Andere Handwerker machen sich Gedanken, wie es mit den Aufträgen weitergeht.
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Carola Beez in einem ihrer vier Salons, in denen die Kundenfrequenz schon deutlich nachgelassen hat.Veronika Schadeck
Carola Beez in einem ihrer vier Salons, in denen die Kundenfrequenz schon deutlich nachgelassen hat.Veronika Schadeck

Carola Beez kann nur den Kopf schütteln. Während die bayerische Staatsregierung zunächst die Schließung aller Friseursalons angekündigt hatte, folgte wenig später die Kehrtwende. Die Friseurmeisterin betreibt vier Läden in der Region mit ingesamt 32 Mitarbeitern. Am Mittwochvormittag war sie unterwegs zu den Arbeitsämtern in Kronach und Kulmbach, um Kurzarbeit für ihre Beschäftigten anzumelden. Für den Publikumsverkehr sind die Ämter geschlossen, erzählt sie am Nachmittag. Die Anträge hat sie in den Postkasten geworfen.

"Alle haben zu, die Behörden, die Handwerkerschaft", äußert sie ihr Unverständnis. Aber gerade ihre Branche solle arbeiten. In Zeiten, in denen Menschen Abstand zueinander halten sollen, verstehe sie nicht, warum gerade die Friseure weiterhin aufmachen sollen. "In 1,5 Meter Abstand lassen sich nun mal bei keinem Kunden die Haare schneiden." Und schließen könne sie nicht ohne weiteres, da sie den Verdienstausfall nirgendwo geltend machen könne.

Carola Beez ist wohl nicht die Einzige in ihrer Branche, die um ihre Existenz fürchtet. "In meinen über 30 Jahren Selbstständigkeit habe ich so eine Situation noch nie erlebt!" Sie fragt sich, warum ihre Branche keine Hilfe bekommt. Seit vergangener Woche brechen die Kunden wegen Corona und wegen der damit verbundenen Einschränkungen weg. Deshalb sei der Weg, Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter anzumelden, unumgänglich gewesen. Bei den noch vorhandenen Kunden werden Dienstleistungen wie schminken, Augenbrauen zupfen und färben nicht mehr durchgeführt. Die Scheren werden öfter desinfiziert und die Hände oft gewaschen.

Carola Beez betont, dass sie nicht die Einzige in ihrer Branche sei, die sich von der Politik alleine gelassen fühlt. Sicherlich, die Arbeitsstunden ihrer Mitarbeiter sind nun bis auf weiteres halbiert. Sie als Inhaberin von vier Salons mache sich dennoch Gedanken darüber, wie sie - wenn die Situation nun mehrere Wochen andauern sollte - die Löhne für ihre Mitarbeiter sowie die Mieten und sonstige Unkosten für ihre Läden aufbringen soll.

Aber auch ihre Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs, nicht wenige davon haben Familie mit Kindern, Eltern und Großeltern und haben Eigentum mit zu finanzieren beziehungsweise zu unterhalten. Hinzu kommt noch eine gewisse Angst vor einer möglichen Ansteckung. Sie hofft, dass die kleinen Betriebe und auch die Selbstständigen bei den geplanten Rettungsmaßnahmen nicht vergessen werden.

Die Corona-Krise hat erste Auswirkungen auf die Stimmung im Handwerk, meint der Obermeister der Kreishandwerkerschaft Heinrich Schneider. So wurde die Frühjahrsfreisprechung der Kreishandwerkerschaft Kronach, die für den Freitag, 3. April, geplant war, abgesagt. Wie der Obermeister weiter auf Anfrage erklärte, sollen nun die Übergabe der Gesellenbriefe, die Jungmeistervorstellung und die Überreichung der Goldenen Meisterbriefe zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Geschlossen für externe Besucher hat auch die Kreishandwerkskammer. Beratungen finden auf elektronischem beziehungsweise telefonischem Weg statt.

Wie er weiter erklärte, stellen sich vor allem kleinere Betriebe, die für das tägliche Leben der Menschen nicht unmittelbar von Bedeutung sind - wie etwa Kosmetikerinnen und Friseure - die Frage, ob sie weiterarbeiten können.

Andere Handwerker wie Dachdecker und das Bauhandwerk machen sich dagegen weniger Sorgen. Sie könnten weiter arbeiten, Aufträge annehmen und abarbeiten. Aber mittlerweile stellt man sich die Frage, wie lange die Aufträge abgearbeitet werden können, wie lange Lieferungen von Materialien noch erfolgen. Wie er erklärte, verlaufen schon aktuell die Anlieferungen von Materialien und Zubehörteilen problematisch. Die Fahrer steigen nicht mehr aus dem Auto, Lieferscheine werden nicht mehr unterschrieben.

Bleibt es bei den Aufträgen?

"Das ganze Leben ist lahmgelegt", meint Frank Fischbach, der in seiner Firma neun Dachdecker beschäftigt. Es werden sogar Veranstaltungen mit 20 Teilnehmern abgesagt. Momentan werden in seiner Firma noch Aufträge abgearbeitet. Er fragt sich aber, was passiert, wenn die Einschränkungen keinen Erfolg bringen. Es würden wohl viele Existenzen ruiniert werden, Aufträge zurückgezogen, und es wird zu Zahlungsausfällen von Kunden kommen.

Er weist auf Investitionen hin, die in seiner Branche getätigt werden. So manche selbstständige Handwerker werden ihre Kredite, die sie für die Anschaffung von Maschinen und Technologien aufgenommen haben, dann nicht mehr zurückzahlen können.

Außer, dass derzeit mehr Brot und Brötchen gekauft werden, merke man nichts, meint Carsten Löffler von der Bäckerei Löffler in Kleintettau. Sein Vater Carsten Löffler, der auch der Obermeister der Bäckerinnung ist, hat den Eindruck, dass die Kundschaft derzeit bei ihrem Einkauf wieder mehr den heimischen Bäcker berücksichtigt.

"Die Leute schaffen sich schon mehr Vorrat an", meint der Inhaber der Metzgerei Kraus, Eberhard Kraus. Noch funktioniert alles. Es wird verstärkt auf Händewaschen und auf das Nutzen von Desinfektionsmitteln geachtet. Ihn treibt die Sorge um, dass ein Teil seiner 13-köpfigen Teams krank werden könnte. "Dann hätten wir Engpässe, sowohl was die Produktion als auch den Verkauf unserer Produkte betrifft!"

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