Steinbach am Wald
Borkenkäfer

Im Frankenwald fällt der Holzpreis in den Keller

Bernhard Weisse betrachtet die Entwicklung des Waldes mit Sorge. Er hat eigene Versuche gemacht, seinen Wald umzugestalten. So setzt er auf Ahornbäume und auf Laubbewuchs.
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Symbolfoto: Kara - stockadobe.com
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Mehrmals in der Woche ist Bernhard Weisse in seinem Wald unterwegs. Und bei jedem Rundgang entdeckt er Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind. Das stimmt ihn traurig. Schon längst hat er einen Blick dafür bekommen, dass auch gesund aussehende Bäume durchaus vom Käfer befallen sein können, nämlich dann wenn an den Wurzelausläufern Bohrmehl an der Rinde zu erkennen ist.

87 Hektar Wald rund um Ludwigsstadt befindet sich im Besitz der Familie Weisse. Nur einen geringen Teil davon habe er geerbt, erzählt Bernhard Weisse. In seinen jungen Jahren hat der 84-Jährige sukzessive Flächen erworben, die teilweise aufgrund ihrer geographischen Lage für die Land- und Forstwirte schwierig waren, zu bewirtschaften. Diese Areale habe er aufgeforstet, berichtet er. "Borkenkäfer war damals kein Thema!"

Waldpflege wird schwieriger

Ebenso wie viele andere Waldbesitzer wollte der Rentner sich mit dem Wald ein Einkommen im Alter sichern. "Das ist jetzt vorbei!" Und er meint, dass - wenn die Entwicklung des Waldes so weiter fortschreitet, werde man die Pflege nicht mehr mit dem Ertrag, der aus der Holzvermarktung erzielt wird, kompensieren können.

Der Befall des Waldes mit dem Borkenkäfer ist schon jetzt ein Dilemma. Es müssen zu viele Bäume gefällt werden. Das bedeute ein Überangebot auf dem Holzmarkt, erklärt er. Die Bäume werden teilweise erst nach Monaten von den Holzhändlern und Sägewerkbesitzern abgeholt. Die Baumbestände müssen gelagert, teilweise mit Schädlingsbekämpfungsmitteln gespritzt oder entrindet werden. Die Holzpreise fallen in den Keller. Noch vor einem Jahr habe er für einen Festmeter "gesundes Holz" 77,00 Euro erhalten. Aktuell liegt der Preis für Käferholz bei rund 30,00 Euro, falls man das Holz überhaupt noch vermarkten kann.

Schon von Kindheit an war der Wald für Bernhard Weisse ein Thema. Mit zunehmendem Alter wurde dieser für den Unternehmer i. R. mehr und mehr ein Ort der Erholung und der Ruhe. Es war und ist für ihn ein idealer Rückzugsort aus dem Alltag. "Der Wald ist Balsam für die Seele." Nicht zuletzt deshalb will der Ludwigsstädter seinen Wald retten. Außerdem: "Der Wald ist Teil unserer Natur und unserer Region!"

Ein Patentrezept, wie er seinen Wald retten und für seine Nachkommen erhalten kann, hat Bernhard Weisse nicht. Er ist nur überzeugt, dass die Fichtenbestände - der Brotbaum des Frankenwaldes - keine Zukunft in der Region haben.

Bernhard Weisse weiß, dass die Waldbesitzervereinigungen und Staatsforsten auf die Bepflanzung des Waldes mit Laubbäumen setzen. Dabei können Bäume wie die Douglasie oder Buchen eingesetzt werden. Er spricht auch vom "neuesten Hit", nämlich der amerikanischen Hemlock-Tanne. "Ob das alles was bringt?"

Geglückter Versuch

Der Rentner hat mittlerweile damit begonnen, seinen Wald umzugestalten. In seinem Wald hat er Ahornbäume stehen lassen, die auf neben liegenden Freiflächen Samen ausgebracht haben. Dadurch entstand Laubbewuchs. Unter diesen Bewuchs will er nun Tannen einpflanzen.

Er freut sich: "Der Versuch ist geglückt!" Es habe sich gezeigt, dass die Natur für einen Laubbewuchs sorgt, sofern Samenbäume stehen gelassen werden.

Der Revierleiter für Privatwaldbesitzer am Rennsteig, Martin Körlin, spricht von einer kritischen Situation. Er hält es durchaus für möglich, dass es demnächst "größere flächige Ausfälle" in Waldbeständen geben wird. Er spricht von Käferfallen, die in den Wäldern angebracht sind. "Die Fangzahlen waren seit meiner 15-jährigen Tätigkeit in der Region noch nie so hoch!"

Bezüglich der Vermarktung von Käferholz spricht er ebenso wie Weisse von einer kritischen Situation. Es müsse mit starken Verzögerungen gerechnet werden, sagt Körlin. Für Bernhard Weisse sind das keine Neuigkeiten, dennoch glaubt er an eine Zukunft des Waldes, wenn es dann sein muss - halt ohne Fichte.

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