Kronach
Jahresrückblick V

Hunderte Asylbewerber erreichen den Landkreis Kronach

Auch der Landkreis Kronach wurde im Spätsommer von der Flüchtlingswelle erfasst. Hunderte Menschen mussten in kurzer Zeit untergebracht werden.
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Die Sporthallen am Schulzentrum werden im Spätsommer zur Notunterkunft für die Flüchtlinge. Foto: Lea Schreiber
Die Sporthallen am Schulzentrum werden im Spätsommer zur Notunterkunft für die Flüchtlinge. Foto: Lea Schreiber
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Vieles ist zunächst graue Theorie. Aus dem Winternotfallplan für Flüchtlinge strickt das bayerische Kabinett einen allgemeinen Notfallplan. Die Landkreise machen sich auf die Suche nach Unterkünften zur kurzfristigen Aufnahme von jeweils 200 bis 300 Menschen. Doch welche Dimension die Angelegenheit im Lauf des Jahres erreichen wird, ist anfangs wohl kaum jemandem bewusst. Spätestens im August ändert sich das.


Halle wird zur Notunterkunft

"Nach Absprache mit dem Landratsamt Kronach ist geplant, die Turnhalle ab dem 10. August zu belegen. Das Landratsamt hat eine maximale Kapazität der Halle von 150 Plätzen gemeldet", teilt die Regierung von Oberfranken Ende Juli auf unsere Anfrage mit. Wenig später rollen die ersten Busse mit Asylbewerbern am Kronacher Schulzentrum ein. In der Regel belegen die Flüchtlinge aus Staaten wie Eritrea, Senegal, Nigeria, Irak, Afghanistan, Pakistan, Syrien oder Albanien die Halle nur vorübergehend, dann werden sie auf andere Einrichtungen aufgeteilt.

Im Oktober verlassen die Flüchtlinge die Sporthalle am Kreuzberg wieder. Die Schüler kehren in ihre angestammten Räume zurück. Für die Asylbewerber wird nun eine neue Unterkunft zur Verfügung gestellt. Sie befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Firma Dreefs in Unterrodach.


Was wird aus den jungen Leuten?

Insgesamt werden die Flüchtlinge mit großem Verständnis empfangen. Viele Menschen setzen sich ehrenamtlich ein, um ihre Not zu lindern und sie möglichst gut zu integrieren. Je länger der Ansturm dauert, desto häufiger werden jedoch auch Stimmen der Verunsicherung laut, ob die Region wirklich in der Lage ist, die Situation zu meistern. Zum Jahresende hin beruhigt sich die Debatte. Der Flüchtlingsstrom scheint abzuebben.

Ein Faktor der Asylfrage, der auch zu einer Chance für die Region werden könnte, sind die unbegleiteten Jugendlichen. Junge Menschen aus dem arabisch-afrikanischen Raum gehen an der Berufsschule in Kronach in den Unterricht. Sie lernen Deutsch, schnuppern in Berufe und wollen sich einbinden. Manche Politiker erkennen in deren Integration einen Teil der Antwort auf die Frage, wie man dem demografischen Wandel begegnen kann.


Blick in die Statistik

Unterkünfte Dezentrale Unterkünfte und Gemeinschaftsunterkunft der Regierung: Im November 2014 waren insgesamt 169 Asylbewerber im Landkreis dort untergebracht. Zum 11. Dezember 2015 waren es 404. Zu Beginn des Jahres wurden dem Landkreis jede Woche zehn Asylbewerber zur dezentralen Unterbringung zugewiesen. Im Oktober 2015 wurde die wöchentliche Quote auf 15 Asylbewerber erhöht.

Notunterkunft (Schulzentrum bzw. Unterrodach): Nach den ersten drei Bussen (10., 11. und 13. August) waren 132 Personen am Schulzentrum untergebracht. Der Höchststand betrug Ende August 139 Personen. Aktuell befinden sich 38 Personen in Unterrodach.
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