Tettau
Festabend

Humboldt, Tettau und das Porzellan

Der große Naturforscher Alexander von Humboldt hat auch die Porzellangeschichte im Frankenwald mitgeprägt, wie ein Festabend in Tettau deutlich machte.
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Sie waren beeindruck vom Porzellan: Kreiskulturreferentin Gisela Lang, Bezirksheimatpfleger Günther Dippold mit Marietta Rösler von Rösler Ceramtec. Veronika Schadeck
Sie waren beeindruck vom Porzellan: Kreiskulturreferentin Gisela Lang, Bezirksheimatpfleger Günther Dippold mit Marietta Rösler von Rösler Ceramtec. Veronika Schadeck
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Nicht Glas, sondern Porzellan und der 250. Geburtstag von Alexander Humboldt standen am Sonntagabend in der Festhalle im Mittelpunkt. Der Naturforscher und Weltbürger hat in Franken und Tettau Spuren hinterlassen und die Porzellangeschichte mitgeprägt. Es war ein kurzweiliger mit guten Gesprächen, beeindruckenden Bildern, vielen Informationen und stilvollem Porzellan. Und der Eindruck hat sich verfestigt, dass Tettau, Glas und Porzellan zusammengehören.

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold hielt einen packenden Vortrag über Alexander von Humboldt. Helmut Heinz und Helmut Seifferth inszenierten eine Ausstellung aus vier Jahrhunderten Porzellan und über die Beziehungen Humboldts zur Porzellanindustrie. Die Familie Rösler von Rösler Ceramtec legte sich mächtig ins Zeug. Marietta und Corinna Rösler kreierten nicht nur eine "Humboldt-Tasse", sondern stellten auch Porzellankostbarkeiten aus.

Für ihn als Glasmacher sei die Zusammenstellung der Ausstellung mit neuen Erfahrungen verbunden gewesen, zog Helmut Heinz Resümee. "Porzellan ist schön und fasziniert - egal ob als Figur oder Geschirr."

Alexander von Humboldt sei ihr am Ende ihres Studiums bei den Recherchen zu einer wissenschaftlichen Arbeit über die Historie der Industrieregion Tettau begegnet, erklärte Marietta Rösler. Wie eng die Entstehung der königlichen Porzellanfabrik Tettau mit dem Schauberger Blaufarben- und späteren Porzellanwerk verbunden war, habe sie überrascht. Sie war überzeugt, dass - wenn damals die Errichtung einer Porzellanfabrik in Schauberg nicht an verschiedenen Widerständen gescheitert wäre - die Rösler Ceramtec die älteste Porzellanfabrik in Bayern sein könnte.

Sie wies darauf hin, dass die Porzellanindustrie aufgrund des geänderten Konsumverhaltens und Billigimporten in die Bedeutungslosigkeit versunken sei und sprach von einer Ehrenpflicht gegenüber von Alexander von Humboldt. Diesen Auftrag fühle sich die Familie Rösler verpflichtet. Dabei gehe es nicht darum, Museen zu errichten, sondern mit intensiven Bemühungen, mit Forschung und Innovationen die Porzellantradition in Schauberg und im Tettauer Winkel aufrecht zu erhalten.

In packender Weise erzählte Dippold vom Leben des Alexander von Humboldt. Dieser kam im Alter von 22 Jahren, nämlich am 12. Juli 1792, zum ersten Mal als preußischer Bergassessor in die Region und ins Amt Lauenstein. Bis zum Frühjahr 1797 habe sich Humboldt in Franken für den Bergbau eingesetzt und brachte diesen zu einer neuen, letzten Blüte. In Franken schrieb Humboldt zudem die Grundlagen für sein wissenschaftliches Lebenswerk.

Stahlfabrik und Blaufarbenwerk

In seinen fränkischen Jahren habe Alexander von Humboldt aber auch wichtige Impulse für die Entwicklung der Porzellan- und Glasherstellung geleistet. Beispielsweise habe er, um das Problem mit dem Holz als Energieträger zu verknappen, den Unternehmern dieses Raums die langfristige Möglichkeit vermittelt, auf Steinkohle aus dem nahen Stockheim zurückzugreifen. So nahm dank Humboldt die Stahlfabrik in Ludwigsstadt ihren Betrieb auf. Noch in seinen letzten Dienstwochen, im Dezember 1796 warb Humboldt um Staatshilfe für das wiederzubelebende Blaufarbenwerk in Schauberg, das Kobalt aus dem nahen Kaulsdorf verarbeitete.

Das 1712 gegründete Blaufarbenwerk gehörte seit 1741 der Familie Pensel. 1790 wird es als florierend beschrieben mit 18 bis 20 Arbeitern. Doch es hielt den wirtschaftlichen Verwerfungen während der napoleonischen Kriege nicht stand. Es wurde stillgelegt und 1815 in eine Porzellanfabrik umgewandelt. Ab 1816 gehörte diese Fabrik der Familie Greiner. Nach mehreren Besitzerwechseln besteht diese bis heute (Firma Rösler Ceramtec). Die Stahlfabrik zu Ludwigsstadt bestand kaum über die 1830-er Jahre. Und die Königliche Porzellanfabrik, die Humboldt mit begründete, existierte bis ins 21. Jahrhundert. Im Jahre 2018 fand diese nach einem langen Todeskampf das Ende.

Bürgermeister Peter Ebertsch bedauerte, dass ausgerechnet zum 250. Geburtstags von Humboldt die Pforten der "Königlichen" geschlossen wurden. Er freue sich daher umso mehr, dass mit Rösler Ceramtec die Porzellanehre und -geschichte hoch gehalten wird. Danke sagte er auch dafür, dass die Familie Rösler den Erlös der Humboldttassen für die Grundschule Tettau spendet.

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