Kronach
Versorgung

Hoher Bedarf, wenig Spender: Warum Blutspenden im Sommer umso wichtiger ist

Das BRK buhlt vor allem in der Ferienzeit um jeden Blutspender. Während der Bedarf in den Sommermonaten erfahrungsgemäß steigt, sinkt die Spendenbereitschaft.
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Es sind in der Regel keine 60 Minuten. Sicher, in 60 Minuten könnte man in der Sommerzeit so einiges anfangen. Ins Schwimmbad fahren. Den Garten wässern. Den Grill anfeuern. Oder sich die eine Stunde Zeit nehmen, um Menschen zu helfen, für die die ersten Optionen momentan nicht in Frage kommen. Weil sie eine große Operation vor sich haben und ans Krankenhausbett gefesselt sind. Oder gerade in einen schweren Unfall verwickelt waren und um ihr Leben kämpfen. Und deshalb dringend auf eine Bluttransfusion angewiesen sind. Allein in Bayern werden täglich rund 2000 davon benötigt.

Deutlicher Einbruch

Der Landkreis Kronach ist grundsätzlich auf einem guten Niveau was Blutspenden betrifft, weiß Ralf Schmidt. Er ist beim BRK-Kreisverband Kronach für das Ehrenamtsmanagement und damit auch die Organisation der Blutspendetermine verantwortlich. Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis 4601 Spenden registriert. Im bayernweiten Vergleich stehe man mit dieser Zahl sehr gut da. Aber: "Wir merken die Urlaubszeit ganz deutlich, die Termine sind weniger stark besucht."

Das liege zum einen daran, dass die Spender verreist seien. Aber bei den steigenden Temperaturen schwinde natürlich auch die Motivation, sich auf den Weg zur Spende zu machen. Grundsätzlich spreche nichts dagegen, auch im Sommer bei Hitze zu spenden. "Jeder kennt seinen eigenen Körper. Wenn ich bei Hitze ohnehin Schwierigkeiten habe und mich nicht gut fühle, sollte ich auch nicht zum Blutspenden gehen." Wer sich hingegen fit und gesund fühlt, könne auch bei 35 Grad ohne Bedenken zum Spenden kommen.

Heute ist er mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort in Mitwitz. Circa 80 Spender erwarten die Rotkreuzler und das Fachpersonal vom Blutspendedienst in den kommenden vier Stunden. "Das ist ein gutes Niveau", sagt Schmidt. Kämen weniger, würde es sich kaum noch lohnen. "Irgendwann ist so eine Aktion einfach nicht mehr wirtschaftlich", erklärt er. Deshalb richte man an manchen Standorten mittlerweile keine Aktionen mehr aus, woanders seien die Zahlen allerdings stabil.

Nachwuchs fehlt

Vier bis acht Termine bietet das Team im Monat im ganzen Landkreis verteilt an. Dabei falle auf: Es sind immer wieder die gleichen, die mitunter schon seit vielen Jahren wenn nicht Jahrzehnten kommen. "Wir haben tatsächlich ein Problem mit der Überalterung", sagt Schmidt. Das durchschnittliche Alter der Spender liege im Landkreis bei circa 45.

Vor einigen Jahren lag der Altersdurchschnitt noch bei 35. "In den letzten drei Jahren ist es extrem geworden, uns fehlt der Nachwuchs." 212 Erstspender seien im vergangenen Jahr zum BRK gekommen. Wie viele von ihnen seitdem regelmäßig wiederkehren, weiß er nicht, schätzt die Quote allerdings eher niedrig ein. "Man denkt einfach nicht immer daran." Bei der älteren Generation sei das anders, für die "gehöre das einfach dazu" und sei ein fester Termin im Kalender. Dass dieses Bewusstsein auch bei der jüngeren Generation entstehe, dafür arbeite man ständig.

Mit verschiedenen Aktionen und Ideen versucht das BRK, neue Spender zu motivieren. Dafür trete man beispielsweise an Vereine, Unternehmen oder Abschlussklassen an Schulen heran, überlege sich besondere Anreize und Geschenke. "Am effektivsten ist natürlich die Werbung untereinander", weiß Schmidt. Wenn jemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis bereits regelmäßig Blut spende oder in der Vergangenheit mal eine Transfusion benötigt hat, komme man viel eher mit dem Thema in Verbindung. Da man diese Mundpropaganda schlecht steuern könne, bleibe nichts übrig, als den Menschen immer wieder die Dringlichkeit des Themas ins Bewusstsein zu rufen.

Dass den Kliniken in den Sommermonaten das Blut ausgehe, müsse man übrigens nicht befürchten. "Wir sind dazu verpflichtet, für den Katastrophenfall einen gewissen Vorrat zu halten", sagt er. Doch wenn es dann erstmal an diese Reserven geht und nicht ausreichend Spenden reinkommen, werde das natürlich ein Problem. Das mit nur 60 Minuten Zeitaufwand gelöst werden könnte.

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