Kronach
Bildung

Hochschulregion Kronach: Wohin mit dem Campus?

Das Hochschul-Konzept hat in den letzten Monaten Form angenommen. Ehe die Studenten kommen können, stehen allerdings noch einige Herausforderungen an.
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Gespräche, Gespräche, Gespräche - für MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) steht das Thema Hochschulregion in den nächsten Wochen noch oft im Kalender. Treffen mit Vertretern der Stadt, des Landkreises, Grundstückseigentümern, Ministerien und Hochschulen - der Landtagsabgeordnete hat schließlich ein ehrgeiziges Ziel: "Im November 2019 steigen wir ein."

Knapp fünf Monate ist es her, dass Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit einer Delegation aus der Kreisstadt in München stand und die Politiker rund um Baumgärtner mit breiter Brust in die Kamera lächelte. In der Hand das Schild: Hochschulregion Kronach. Der Grundsatzbeschluss der Staatsregierung, das wissenschaftliche Angebot in der Region zu erweitern, löste regelrechte Jubelstürme aus. Zwar waren bis dato weder ein konkretes Zeitfenster noch Höhe der Fördergelder bekannt, dennoch veranlasste die Ankündigung Landrat Klaus Löffler damals dazu, von einer "historischen Weichenstellung" zu sprechen. Mittlerweile kann zumindest so viel verraten werden: In Kronach soll eine Plattform geschaffen werden, auf der verschiedene Hochschulen Studiengänge anbieten werden. "Vier Hochschulen haben ganz konkretes Interesse signalisiert", sagt Baumgärtner.

Laut Informationen des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK) seien die Hochschulen Coburg und Hof zu einer Ausweitung ihrer Angebote bereit und haben hierfür je einen Studiengang und eine Forschungseinrichtung vorgeschlagen. Außerdem hätten mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Gespräche stattgefunden. Als vierten möglichen Kooperationspartner nennt Baumgärtner die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Man wolle sich thematisch breit aufstellen, sagt Baumgärtner. Im Januar habe Landrat Klaus Löffler zu einem gemeinsamen Workshop eingeladen, heißt es aus München.

In einem Jahr will der Landtagsabgeordnete mit dem Projekt starten, das langfristig rund 1000 Studierende in die Kreisstadt bringen könnte. Wo der wissenschaftliche Nachwuchs in Zukunft lesen, lernen, forschen und wohnen wird, ist eine Herausforderung für die kommenden Monate, wenn nicht Jahre. "Es wird ein riesen Projekt, wir werden die halbe Stadt umstrukturieren."

Von innen nach außen

"Wir müssen die Stadt von innen nach außen entwickeln", sagt Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU). Ein Campus am Stadtrand mache wegen der fehlenden Infrastruktur wenig Sinn. Wichtig sei ihr, dass bei Baumaßnahmen - egal ob Wohnungen, Gewerbeobjekte oder öffentliche Gebäude - zunächst Leerstand, brache Flächen, renovierungsbedürftige Gebäude und Baulücken in der Innenstadt genutzt werden. Derzeit werde seitens der Stadt außerdem ein ISEK-Verfahren (integriertes Stadtentwicklungskonzept) eingeleitet, das auf die Teilhabe der Bevölkerung abziele. Bürger könnten so von Anfang an am Entwicklungs- und Entscheidungsprozess teilnehmen.

Dort wirken, wo heute noch städtebauliche Herausforderungen vorliegen, ist auch Baumgärtners Ansatz. Dafür unternimmt er einen imaginären Spaziergang durch die Cranach-Stadt: Angefangen am Feuerwehrhaus am Martinsplatz ?, vorbei am Rathaus die Lucas-Cranach-Straße entlang ?, über den Melchior-Otto-Platz geht der MdL die Treppen hinunter zum Marienplatz und weiter auf den Hussitenplatz ?, blickt auf das Areal rund um das ehemalige Autohaus Endres ? und die Kühlenzpassage ? & ? - denkt dabei auch an das ehemalige Carl-Link-Gebäude ?. "Wenn Sie mit offenen Augen durch die Stadt gehen, fällt Ihnen städtebaulich einiges ein", sagt er. "Wir haben Leerstand, Brachen, Häuser, die nicht mehr zum Stadtbild passen." Überall dort könnten Teile eines Campus entstehen - des Zukunfts-Campus Lucas Cranach.

Diese Standorte seien sicher eine Option - müssten allerdings von Fachleuten auf ihre Eignung hin geprüft werden, sagt Hofmann. Neben der fachlichen Prüfung und der Meinungsbildung im Stadtratsgremium, sei ihr das ISEK-Verfahren sehr wichtig. Ein mögliches Wohnheim sollte außerdem fußläufig in wenigen Minuten erreichbar sein - auch die Anbindung zum (Bus-)Bahnhof soll gut sein. Daher schieden Kreuzberg und Siedlung eher aus und sollten als Wohngebiete für Familien zur Verfügung stehen - es gibt zahllose Faktoren zu beachten.

"Wir haben verschiedene Möglichkeiten", sagt Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW). "Und es werden aktiv Gespräche geführt." Leerstandsmanagement und der Einbezug von Altbeständen stehen dabei ganz oben. Das alles sei tangiert von schwierigen Eigentumsverhandlungen und am Ende natürlich eine Kostenfrage. Eines stellte das Stadtoberhaupt aber ganz deutlich heraus: "Es sollen an die tausend Studenten kommen. Wir brauchen Single-Wohnungen." Das wolle man nun gezielt angehen.



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