Der fürstliche Rahmen auf Kloster Banz schien zumindest der Wortwahl des Landrats angemessen, der zu Beginn verkündete:  "Diese Tagung war ein historisches Ereignis für den Landkreis Kronach."

Kronach meets Hochschulen - unter diesem Motto fand Donnerstag und Freitag eine Klausurtagung auf Kloster Banz statt. Landrat Klaus Löffler (CSU) hatte neben MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), dem Vorstandsprecher des Innovations-Zentrums Kronach (IZK), Hans Rebhan, und den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags Kronach auch Vertreter der vier Hochschulen eingeladen, die für eine Kooperation infrage kommen. Während sich die Hochschulen in einer eigenen Pressemitteilung zu einem möglichen Engagement in der Kreisstadt äußerten, luden die Kronacher Politiker rund um Löffler zum Pressegespräch in das Fürstenzimmer des Bildungszentrums Kloster Banz.

Das wichtigste Ergebnis der zweitägigen Klausur sei für Löffler, dass man mit allen vier geladenen Hochschulen einen Konsens gefunden habe und nun gemeinsam auf das langfristige Ziel hinarbeite, den Landkreis zu entwickeln. "Es geht nicht mehr um die Frage, ob der Campus kommt - sondern vielmehr, wie er sich darstellen wird."

Wann der Campus kommen soll, beantwortete Jürgen Baumgärtner zumindest im Ansatz. "Wir wollen im Jahr 2035 rund 1000 Studierende in Kronach haben." Mit ersten konkreten Angeboten wolle man bereits im Oktober 2019 starten - zumindest im Bereich Forschung. Der Schwerpunkt dieser Forschung am Lucas-Cranach-Campus werde laut Löffler zu Beginn auf die Bereiche autonomes Fahren und digitales Gesundheits- und Pflegemanagement gelegt.

Hierfür liegen bereits konkrete Konzepte vor, die auch in der für spätestens Mai anberaumten bayerischen Haushaltsplanung berücksichtigt werden sollen, so der Abgeordnete. "Die bayerische Staatsregierung hat nach der Grundsatzentscheidung im Juli 2018geprüft, ob das wissenschaftliche Angebot in der Region erweitert werden kann." Da diese Prüfung zugunsten der Kronacher ausgefallen sei, werden auch die notwenigen Mittel bereitgestellt. "Geld folgt Ide en", sagte Rebhan dazu.

Richard Rauh (SPD) betonte, dass man bereit sei, für die Umsetzung dieses Zieles auch Geld in die Hand zu nehmen. "Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht", sagte er, verwies aber darauf, dass noch ein langer Weg vor ihnen liege.

Wichtig sei Baumgärtner, dass auf diesem Weg kein einziges Gebäude auf der "grünen Wiese" gebaut werde. Zudem soll sich das Campusleben sich nicht nur auf die Kreisstadt beschränken, sondern auch in ausgewählten Gemeinden stattfinden. Für den Bayerischen Gemeindetag sagte Jens Korn (CSU) dazu: "Der Campus wird im gesamten Landkreis sichtbar sein." Er sei sich zudem sicher, dass der Landkreis zum Vorbild für ländliche Entwicklung in ganz Bayern werde.

Konzept im Spätherbst 2020

Angeboten werden sollen laut Baumgärtner Bachelor-, Master- und berufsbegleitende Studiengänge, mit Modulsystemen wolle man außerdem Handwerksmeister ansprechen. Mit einem finalen Konzept könne man im Spätherbst 2020 rechnen. "Dafür brauchen wir ein Alleinstellungsmerkmal, einen Markenkern", sagte Hans Rebhan dazu. Man müsse neue, innovative Formen der Lehre anbieten, um neben den deutschlandweit 429 Hochschulen eine Daseinsberechtigung zu haben. Mithilfe der Kompetenzen der kooperierenden Hochschulen wolle man junge Menschen dort abzuholen, wo sie zu Hause sind: "In der Cyberwelt."

Einen Schritt weiter ging Björn Cukrowski, dem es darum geht, "die Region in ein neues Zeitalter zu überführen." Der FDP-Kreisrat sprach von der Wissensvermittlung der Zukunft.

Für Rainer Detsch (FW) gehe es nun darum, möglichst schnell in die Realisierung der geschmiedeten Pläne zu gehen. "Die Etablierung des Campus ist ein weiterer, wichtiger Schritt um den Bildungsstandort Kronach zu stärken."

Während sich bei Petra Zenkel-Schirmer (FL) zwar einige Illusionen in Luft ausgelöst hätten, sieht sie ein "pfeilgenaues Konzept mit konkreter Terminierung" als Ergebnis der Zusammenkunft. "Der Campus wird akademisch, finanziell und touristisch für Aufschwung sorgen."

Edith Memmel (Grüne) bezeichnete den Campus als "Querschnittprojekt über die Grenzen Bayerns hinaus", an dessen Gelingen sie fest glaube.