Nordhalben
Avalon-Nord-Projekt

Historisches Schulungszentrum in Nordhalben

In Nordhalben soll ein Historisches Schulungszentrum entstehen. Das Avalon-Nord-Projekt ist bereits spruchreif. Mittelalter-Experte Stephan Roger äußert sich zu dem Vorhaben.
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Für das Avalon-Nord-Projekt muss noch so mancher Stein bewegt werden (von links): Ana Wagner, Holger Wagner, Gabi Dietzsch und Stephan Roger. Foto: Carina Kuhnlein
Für das Avalon-Nord-Projekt muss noch so mancher Stein bewegt werden (von links): Ana Wagner, Holger Wagner, Gabi Dietzsch und Stephan Roger. Foto: Carina Kuhnlein
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Die wilde Zeit des Mittelalters scheint schon sehr weit zurückzuliegen. Fließendes Wasser, Supermärkte, Industrie und neuste Technologie lassen uns das damalige Leben vergessen.

Nur noch Fachwerkgebäude oder alte Burgen erinnern an die Zeit zwischen Antike und Neuzeit (6. bis 15. Jahrhundert). Jedoch hat diese Epoche eine eigenartige Faszination. Viele düstere Mythen ranken sich um die Zeit der Könige und Ritter. Die ersten Assoziationen: rau, wild, ungestüm. Auch Schlagwörter wie Pest, Kreuzzüge und Frondienste schießen einem zu diesem Zeitalter ins Gedächtnis.

Häuser werden angelegt

So weit das Mittelalter auch zurückliegt, so facettenreich ist es auch. Stephan Roger ist es deshalb eine Herzensangelegenheit, der Bevölkerung diese Epoche näherzubringen und auch Türen zu öffnen, um sich informieren zu können.
Genau das, soll mit dem so genannten Avalon-Nord-Projekt ermöglicht werden. Geplant ist, in Nordhalben unterhalb der Nordwaldhalle ein festes Gelände für ein Historisches Schulungszentrum entstehen zu lassen.

"Insgesamt sollen zehn bis 15 Häuser im Fachwerkstil wie eine Siedlung angelegt werden. Ebenerdig werden zeitgenössische Gewerbe hineinkommen, wie eine Schmiede, Seilereien, Töpfereien, ein Bäcker oder eine Mühle", so Roger. Im Obergeschoss würden später Schlafplätze für Schulklassen oder allgemein Interessierte eingerichtet. "Ab einem gewissen Ausbaustand können dann Schulen eine Art Klassenfahrt ins Mittelalter machen", schwärmt der Mittelalter-Experte.

In Deutschland gebe es zwar schon zahlreiche "lebendige Museen", der Nachteil dabei aber sei, dass die Besucher nur zuschauen könnten. Verinnerlicht werde das Gelernte auf diese Weise aber nicht. Bei dem Vorhaben in Nordhalben, werde den Besuchern eine Anleitung gegeben, alles vorgeführt und gezeigt, und letztendlich könne man quasi selbst eine Zeitreise unternehmen. Auf einem 100.000 Quadratmeter großen Gelände kann altes Handwerk erlebt und ausprobiert werden. Kulturelle Vermächtnisse können zu neuem Leben erweckt werden - und das mitten im Naturpark Frankenwald. Eben im "Nortwald", wie das Gebiet des oberen Frankenwalds früher genannt wurde.

All inclusive oder hardcore?

"Bei den Klassenfahrten beispielsweise planen wir, dass man buchen kann, ob man ,all inclusive‘ oder ganz ,normal‘ unterkommen will", lacht Roger. All inclusive heißt, man wird früh, mittags und abends verpflegt. Nicht so bei den "Hardlinern". Für die gibt es lediglich eine Anleitung und beispielsweise einen Eimer Milch vor die Nase gesetzt. Wie sie dann Essen daraus herstellen, bleibt Aufgabe des Besuchers. Ganz schön hart, bei knurrendem Magen.

"Erzähle es mir und ich vergesse es! Zeige es mir und ich erinnere mich! Lass es mich tun und ich werde es verstehen", zitiert Roger Konfuzius. Durch das selbst Hand anlegen, soll das Gelernte also besser verstanden werden.

Ein Projekt für alle

"Mitzuhelfen und sich einzubringen, dazu sind auch alle aus Südthüringen und Umgebung herzlich eingeladen", betont Roger. Integrationsprojekte riefen auch Immigranten ausdrücklich auf, über das Leben - zum Beispiel im Russland des 17. Jahrhunderts - zu berichten. "Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Mitmenschen unsere Einladung annähmen. Man weiß zu wenig, das wollen wir ändern", betont Roger. Weitere Informationen unter www.Avalon-Nord.de oder www.Nordwald-Spektakulum.de

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