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Abenteuer

Hirschfelder erklimmt zehn 4000er in fünf Tagen

Der Hirschfelder Conny Grünbeck hat eine Monte-Rosa-Durchquerung gemacht und dabei zehn Gipfel über 4000 Meter bestiegen. Ein Absturz bereitete seiner Frau große Angst.
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Conny Grünbeck hat in fünf Tagen zehn 4000er bestiegen.
Conny Grünbeck hat in fünf Tagen zehn 4000er bestiegen.
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Conny Grünbeck ist von Beruf Rettungsassistent - ein Beruf, der ihm nicht nur auf Grund des Schichtdienstes alles abverlangt. Einen Ausgleich findet er in den Bergen - so auch im Juli dieses Jahres, als sich der 55-Jährige mit der Durchquerung der Monte Rosa einen Traum erfüllt hat. Dabei handelt es sich um ein ausgedehntes Gebirgsmassiv in den Walliser Alpen auf der Grenze zwischen Italien und der Schweiz. In fünf Tagen hat Grünbeck zehn Gipfel über 4000 Meter erklommen.

Zu den Bergen fühlte sich der Hirschfelder schon in jungen Jahren hingezogen. "Die Begeisterung hat sich kontinuierlich gesteigert", erinnert sich der 55-Jährige, der im Laufe der Jahre seine Ausrüstung bis hin zu Steigeisen und Pickel stetig erweitert hat. Vor sechs Jahren hat er die 3774 Meter hohe Wildspitze in den Ötztaler Alpen bestiegen.
"Da habe ich mir dann gedacht, ein 4000er müsste doch auch drin sein." Im Internet ist er schließlich auf Zermatt gestoßen, um das sich 38 Berge mit einer Höhe von mindestens 4000 Meter in die Höhe ragen. Als er drei Tage frei hatte, hat er sich ins Auto gesetzt und sich auf den Weg in die Schweiz gemacht und in dem Gebiet erste Erfahrungen gesammelt. Dabei hat er unter anderem den 4092 Meter hohen Pollux bestiegen. "Ich wollte zunächst einfach mal schauen, wann die beste Zeit ist und testen, was ich gehen kann." Dabei hat er die Erkenntnis gewonnen, dass man erst nach drei Tagen der Akklimatisierung auf den Berg soll: "Zermatt liegt auf 1600 Meter. Wegen der Höhe hat man spätestens am dritten Tag einen Tiefpunkt. Wenn man den überwunden hat, ist man aber topfit."

Diesen Aspekt hat Grünbeck schließlich in seine Planungen für die Monte-Rosa-Durchquerung aufgenommen. Im Winter war der 55-Jährige im Internet auf eine Alpinschule gestoßen, die solche Touren anbietet. "Ein Termin lag genau in meiner Urlaubszeit", erinnert sich der Hirschfelder, der deshalb nicht lange überlegen musste. Seine Frau Andrea war hingegen nicht so begeistert: "Ich habe ihm gesagt, wenn er es unbedingt will, soll er es machen. Aber Angst war da schon dabei."

Vorbereitung

Im Fitnessstudio sowie am Rennsteig, im Fichtelgebirge und im Chiemgau hat er sich die erforderliche Fitness für die rund 50 Kilometer lange Tour zugelegt, die er schließlich im Juli in Angriff genommen hat. In Zermatt angekommen, konnte er schließlich auf die Hilfe eines Hotelmitarbeiters zurückgreifen, den er bei seinen Besuchen zuvor kennen gelernt hatte und der früher in Sonneberg tätig war. Bei ihm konnte er einen Teil seines Gepäcks abstellen.

Nach eben den drei besagten Tagen der Eingewöhnung war es für Conny Grünbeck endlich so weit. Gemeinsam mit weiteren Bergsteigern und einem Bergführer ging es in einer so genannten Vierer-Seilschaft, in der jeder mit dem anderen über ein Seil verbunden und damit gesichert ist, auf den Weg.

Und während Conny Grünbeck so erzählt, wird spürbar, welch bleibenden Eindruck diese Tour bei ihm hinterlassen hat. Er redet sich förmlich in einen Rausch und gerät ins Schwärmen, wenn er ans Alpenpanorama bei schönstem Wetter zurück denkt. "Eher habe ich einen Sechser mit Zusatzzahl als noch einmal so schönes Wetter." Das wichtigste Utensil war dementsprechend eine Sonnenbrille, "um sich die Augen die nicht zu verblitzen".
Die Hochtour, die auch mit einigen Kletterpassagen verbunden war, hat viel Schweiß gefordert. Doch obwohl seine Mitstreiter zum Teil über 20 Jahre jünger waren, konnte Grünbeck konditionell gut mithalten: "Das macht mich auch etwas stolz." Und dennoch: Die letzten 100 Höhenmeter konnten sich schon einmal ziehen, wenn es immer steiler wurde.

Tagesablauf

Der Tagesablauf war immer gleich: Zwischen 5.30 und 6.30 Uhr machte sich die Gruppe auf ihren 6,5 bis 8 Stunden dauernden Marsch, der jeden Tag auf einer anderen Hütte endete. "Wenn wir los sind, haben die Temperaturen bei fünf bis acht Grad Minus gelegen. Zum Gehen war das aber angenehm", erinnert sich Grünbeck und denkt ans hart gefrorene Eis am Berg, das mit Hilfe der Steigeisen bestens zu begehen war. Am Nachmittag sah die Sache dann schon etwas anders aus: "Durch die Sonne sind Eis und Schnee aufgeweicht. Da bist du dann zehn bis 15 Zentimeter eingesunken. Das war dann schon beschwerlich und hat richtig Kraft gekostet." Doch an einer Hütte angekommen, war bei einer warmen Mahlzeit wieder Zeit zum Krafttanken: "Ich hätte oft Stunden lang einfach nur rumsitzen und auf die Berge schauen können", betont Grünbeck, der die Ruhe am Berg genossen hat. Selbst während der Tour sei nicht viel geredet worden. "Man muss schon aufpassen, wo man hintritt", berichtet er von zum Teil schmalen Graten, Gletscherspalten und nicht zuletzt von der Anstrengung.

Gewitter von oben

Sein einprägsamstes Erlebnis hatte er auf der Capanna Margherita, einer Schutzhütte auf der Signalkuppe (4554 Meter). "Als ich auf die vielleicht rund 500 Meter unter uns liegenden Wolken geschaut habe, habe ich immer wieder wie so orange Bindfäden gesehen. Zuerst habe ich gedacht, dass mir die Höhenluft zu schaffen macht. Aber dann hat mir der Bergführer gesagt, dass das ein Gewitter ist. Das war der Wahnsinn, wenn man von oben sieht, wie sich die Blitze aufbauen. Das war einfach nur faszinierend."

Und während der 55-Jährige in den Alpen unterwegs war, hatte seine Frau zu Hause kaum Ruhe: "Mir war das nicht so einerlei - vor allem als dann noch im Radion gemeldet wurde, dass in der Schweiz jemand abgestürzt ist. Da war ich am Ende." Mit einem Anruf hätte sie sich der Ungewissheit schnell entledigen können, doch das war nicht möglich: "Auf dem Berg hatten wir kaum Empfang", erinnert sich Conny Grünbeck, dessen Frau umso glücklicher war, dass ihr Mann die Tour gesund überstanden hat.

"Das werde ich nie in meinem Leben vergessen. Das war das mit Abstand eindrucksvollste und prägendste Freizeiterlebnis, das ich je hatte."

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