Förtschendorf
Bahnhofsgeschichte

Hirschfelder erinnert sich an Zeit am Bahnhof Förtschendorf: Hier kam das Holz auf die Gleise

Der Bahnhof Förtschendorf war Umschlagplatz für die Fichten des Frankenwalds. Tonnenweise wurden sie dort verladen.
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Edmund Wicklein steht am Bahnhof Förtschendorf zwischen seinem VW und einem geladenen Holzwaggon. Foto: Archiv Tobias Wicklein
Edmund Wicklein steht am Bahnhof Förtschendorf zwischen seinem VW und einem geladenen Holzwaggon. Foto: Archiv Tobias Wicklein
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"Edmund Wicklein, Holzhandlung- Holztransport". Den Stempel seines Unternehmens, das er bis 2016 geleitet hat, gibt es noch.

Die Frankenwaldbahn als Abbild der Geschichte

Etwa 60 Jahre lang handelte der heute 83-Jährige vom Steinbacher Gemeindeteil Hirschfeld aus mit dem Holz des Frankenwalds. Ein wichtiger Ort war dabei für ihn der Bahnhof in Förtschendorf. Denn wo heute nur noch ein unscheinbarer Haltepunkt ist, war lange Jahre eine wichtige Verladestation.

"Am Anfang haben wir das Holz mit Pferden hingefahren", erinnert sich Wicklein an die ersten Jahre, nachdem er 1953 den Holzhandel von seinem Vater übernommen hatte.

Er holte das von Waldbauern aus Windheim, Kehlbach oder Buchbach bereitgestellte Holz am Waldrand ab - transportierte und verkaufte es weiter. Wicklein: "Größter Abnehmer war die Papierfabrik Haindl in Augsburg. Sie benötigte meistens zwei Meter lange Stämme."

46 Raummeter pro Waggon

Zum Füllen eines Eisenbahnwaggons am Förtschendorfer Bahnhof war der Holzhändler aus dem Frankenwald einige Male unterwegs. Vier Raummeter brachte er auf sein Fuhrwerk, bis zu 46 passten in einen Waggon. Etwa sechs D-Mark erhielt Wicklein für den Raummeter. "Ich war die Zwischenstation, die Papierfabrik konnte ja nicht mit jedem Waldbauern einzeln Handel treiben."

Den Bahnhof Pressig wollte Rothenkirchen nicht

Ab den 1970er Jahren besaß Wicklein einen Klein-Lkw - und ersparte sich dadurch einige Wege. 20 Raummeter passten auf den grünen Mercedes-Benz. "Ich habe etliche Tausend Raummeter Holz verladen - extrem viel davon in Förtschendorf", sagt Wicklein.

Am Bahnhof lag sein Ziel, ein Holzschuppen, in Richtung Steinbach auf der rechten Seite. Mit einem kleinen Kran hievte er die Ladung auf den Waggon. Am Ladegleis in Förtschendorf war Wicklein selten allein; es erfreute sich regen Zuspruchs. Einige weitere Firmen aus Förtschendorf und den Nachbarorten verluden dort Holz, Schotter oder Split. Die Bäckerei Georg Scherbel erhielt über die Schiene Kohle für ihren Backofen.

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Für die Förtschendorfer Esso-Tankstelle wurde schweres Öl auf Ochsenfuhrwerken verladen. Der Mineralölhändler Wolfgang Lang entlud ab 1962 wöchentlich Diesel und Heizöl für sein Lager. Und auch die Weihnachtsbäume kamen mit dem Zug an.

Finger war dazwischen

An einen Verladetag erinnert sich Edmund Wicklein noch schmerzhaft: Als 18-Jähriger rutschte er beim Einladen aus. Just in dem Moment, als er sich festhielt, fiel Holz herunter, und krachte auf die Finger.

Ende der 1970er Jahre war dann jedoch für Wicklein Schluss in Förtschendorf. Wie viele andere kleine Bahnhöfe wurde auch der Halt im Frankenwald nicht mehr als Verladestation genutzt. "Heute gibt es in der Region nur noch Lichtenfels, Saalfeld und Hof", ärgert sich Wicklein. "Da fahre ich schon so viele Kilometer mit dem Lkw, dass sich das Verladen auf die Schiene nicht mehr lohnt."

In der Kreissstadt Kronach ist eine Verladung nur möglich, wenn ein ganzer Zug geladen wird. Wicklein wundert es deshalb nicht, wenn Güter von der Schiene auf die Straße wandern.

Denn zur Entfernung kommen noch Vorschriften. "Die Wagenmeister debattierten, wenn die Ladung verrutscht war, wegen fünf Zentimetern." Der Hirschfelder zieht Bilanz: "Es waren schöne Zeiten, aber es waren harte Zeiten."



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