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Stockheim
Bauarbeiten

Hinab in die Tiefen des Stockheimer Maxschachtes

Ein über 200 Jahre alter Entwässerungsstollen der Stockheimer Bergwerke wird saniert. Dazu wird ein 35 Meter tiefer Schacht abgeteuft.
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Derzeit wird ein 35 Meter tiefer Schacht zum Entwässerungsstollen abgeteuft. Dabei wird vor allem Spritzbeton verwendet.  Fotos: Gerd Fleischmann
Derzeit wird ein 35 Meter tiefer Schacht zum Entwässerungsstollen abgeteuft. Dabei wird vor allem Spritzbeton verwendet. Fotos: Gerd Fleischmann
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Um den 1,1 Kilometer langen Entwässerungsstollen mehrerer ehemaliger Steinkohlenbergwerke - erbaut von 1804 bis 1855 durch das Königreich Bayern - wieder voll funktionsfähig zu machen, sind in den nächsten Jahren umfangreiche Instandsetzungsarbeiten erforderlich, verbunden mit hohem Finanzaufwand. Die sächsische Spezialfirma Golho aus Halsbrücke hat ein umfassendes Erneuerungskonzept erarbeitet. Sie ist unter anderem zuständig für Erkundung und Sicherung unterirdischer Hohlräume und Bauwerke sowie für Montanarchäologie. Auftraggeber für die Wiederherstellung der Grubenwasserableitung des Königlich-bayerischen Maximilian-Erbstollens ist das Bergamt Nordbayern, so dass für Stockheim keine Kosten anfallen.

Viele Schäden am Erbstollen

Die Zeugnisse des ehemaligen Bergbaus im Stockheimer Revier werden in den nächsten Jahren einer umfassenden Sanierung unterzogen. Der Grund: Bei einer geotechnisch-markscheiderischen Bewertung wurde festgestellt, dass der Erbstollen in der Vergangenheit immer wieder Schäden, Teilverbrüche und Verbrüche aufwies.

Und das haben die Untersuchungen ergeben: Zur Beseitigung und Vermeidung von Schäden und Gefahren an der genutzten Tagesoberfläche ist das Grubenwasser dauerhaft, nachsorgefrei und kontrolliert über den Erbstollen abzuführen. Das mit großem Finanzaufwand erbaute Entwässerungssystem war Voraussetzung dafür, dass in größeren Tiefen in Stockheim Steinkohle abgebaut werden konnte.

Riesige Ausmaße

Die Dimension des Entwässerungssystems ist beachtlich. Die Länge des mit Sandsteinen ausgemauerten Hauptstollentrakts bis hin zur Firma Stegner beträgt 560 Meter. Die Rösche (eine Rinne zur Wasserableitung im unteren Bereich des Stollens), die die Eisenbahnlinie sowie die B 85 unterquert und in den Haßlachfluß bei Wolfersdorf mündet, ist 535 Meter lang.

Als erste Maßnahme wurde am Haßlachfluß in unmittelbarer Nähe der Wolfersdorfer Brücke eine Durchflussmessstelle eingebaut. Der Wasserabfluss beträgt, je nach Witterung und Jahreszeit, maximal 19 und minimal vier Liter pro Sekunde. Den Schlussstein des Röschenmundloches fertigte der Stockheimer Steinmetzmeister Udo Deinlein an. Der 30 Kilogramm schwere Sandstein ist beschriftet mit "K. B. Maximilian Erbstollen 1804".

Als weitere Maßnahme diente 2019 die Absicherung des Maxschachtes im Bereich des Schützenhauses. Nachdem die etwa 300 Meter tiefe Schachtanlage - sie wurde nach der Schließung im Jahr 1911 aufgefüllt - im Frühjahr 1955 überraschend neben dem Fußballtor des 1. FC Stockheim eingebrochen war und zwei Bergleuten das Leben kostete, sieht das Bergamt Nordbayern Handlungsbedarf.

So ist zwischenzeitlich eine aus zehn Einzelplatten bestehende tonnenschwere Arbeitsbühne auf drei Doppel-T-Träger vor dem Eingang der Schützenhaushalle verlegt worden. Laut dem Bergamt Nordbayern wird der Maxschacht mit einem Verschluss versehen. Welcher Verschluss der geeignetste ist, soll nach einer Bohruntersuchung festgelegt werden.

Arbeiten werden länger dauern

Derzeit konzentrieren sich die Sanierungsarbeiten westlich des Stockheimer Friedhofs auf Höhe des Erbstollens. Die komplizierten Grabungen macht die Spezialfirma Feldhaus aus Schmallenberg (Sauerland), unter anderem zuständig für Altbergbau. Aktuell teufen Bergbauexperten mit schwerem Gerät einen 35 Meter tiefen Schacht zum Entwässerungsstollen. Geplant ist dann eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Erbstollens. Der Ausbau wird in Stahlbauweise nach dem deutschen Türstockprinzip erfolgen. Polier Martin Nordmann und sein Team haben sich auf einen längeren Aufenthalt eingestellt.