Gehülz
Archäologie

Hightech soll neue Erkenntnisse zur Heunischenburg liefern

Für etwa drei Wochen wird der Geschichte der Heunischenburg bei Gehülz mit moderner Technik auf den Grund gegangen.
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Der Archäologe Philipp Schinkel sucht nach Abweichungen im Magnetfeld, die Indizien für Straßen oder Gebäude unter dem Waldboden sein können. Foto: Marco Meißner
Der Archäologe Philipp Schinkel sucht nach Abweichungen im Magnetfeld, die Indizien für Straßen oder Gebäude unter dem Waldboden sein können. Foto: Marco Meißner
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"Tick, tick" - viel mehr ist nicht zu hören. Nur noch Schritte, die zielstrebig durch das dürre Laub rascheln. Stillschweigend verfolgen die rekonstruierten Mauern der Heunischenburg das Geschehen zu ihren Füßen - einen Mann, der immer wieder in engen Linien auf und ab läuft.

Wer bei archäologischen Untersuchungen nur das Klopfen von Hämmern und das Scharren von Spaten erwartet, wird am früheren Bollwerk nahe Gehülz eines Besseren belehrt. Mehr als dieses fortwährende Ticken gibt die Technik nicht von sich, die Archäologe Philipp Schinkel an einem Geschirr über den Waldboden trägt.

Magnetikmessungen

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"Wir haben Messquadrate über den ganzen Bereich gelegt", geht er auf die Vorbereitungen ein, die mit viel ehrenamtlicher Unterstützung bereits seit Dezember laufen. Nun schreitet Schinkel mit seinem Team die so genannten Grids ab. Zehn mal zehn Meter groß sind sie und über rund zwei Hektar rings um das Mauerwerk verteilt. Drei Wochen, vermutet der Wissenschaftler, dürfte diese Arbeit, die so genannte Magnetometer-Prospektion oder kurz Magnetik, in Anspruch nehmen. Begonnen hat sie am Mittwoch.

Diese Prospektion lässt das Team an Archäologen und Helfern etwa einen Meter tief unter die Erde blicken, ohne dafür etwas aufgraben zu müssen. Das während der Messung stetig tickende Gerät, das Schinkel hierfür verwendet, stellt Abweichungen im Magnetfeld der Erde fest. Später lässt sich aus dem Mosaik der Messquadrate eine Karte der "Unterwelt" rings um die Heunischenburg (circa 800 v. Chr.) erstellen. Dadurch soll genauer als bisher bestimmt werden, wo sich Mauern, Gebäude oder Straßen befunden haben könnten. Bis es soweit ist, wird aber noch einige Zeit vergehen. Denn neben der Auswertung der Messergebnisse wartet im Nachgang auch noch reichlich Schreibtisch-Arbeit auf die Archäologen.

Während Schinkel seine ersten Bahnen läuft, verfolgen unter anderem der Museologe der Stadt Kronach, Alexander Süß, sowie Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege den Start der Magnetikmessungen. "Wir wollen die Heunischenburg besser erfahrbar machen", erklärt Süß den Sinn des Projektes. Dabei sollen die bisherigen, schon Jahrzehnte alten Erkenntnisse über die historische Stätte keinesfalls über Bord geworfen werden. Sie sollen vielmehr eine Basis für das sein, was nun geschieht.

"Wir wollen noch mehr ins Detail gehen, die Anlage zielgruppenorientierter und auch besser für Kinder und Jugendliche erschließen", spricht Süß unter anderem eine geplante Überarbeitung der Ausschilderung an. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen sich allerdings auch in Ausstellungen und wissenschaftlichen Abhandlungen widerspiegeln.

Ehrenamtliches Engagement

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Damit es dazu kommt, ist für die Initiatoren der Untersuchungen wichtig, dass das Landesamt für Denkmalpflege auch den weiteren Weg begleitet. Bislang förderte es die Maßnahme zu 50 Prozent. Auch die Stadt und die Oberfrankenstiftung brachten sich mit ein. Besonders hebt Obst allerdings das große Engagement der Ehrenamtlichen hervor. "Nicht nur Kronacher zeigen Interesse", freut sich Schinkel über weitere Helfer aus dem Coburger Landkreis. Und Süß ergänzt, dass der Heimatpflege-Verein Gehülz/Seelach/Ziegelerden eine tragende Rolle übernommen hat.

Dann geht es weiter. Schinkel schultert sein Messgerät und macht sich auf den Weg in den Wald. Schließlich muss er noch Hunderte Bahnen tickend ablaufen, denn alle sind schon gespannt auf seiner Ergebnisse. Die Uhr tickt.



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