Ludwigsstadt
Theater

Herz, Schmerz, Zickenkrieg in Ludwigsstadt

In Ludwigsstadt haben mit dem "Sommernachtstraum" die Shakespeare-Spiele begonnen. Das Publikum erlebte eine großartige Premiere.
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Eie Szene aus dem "Sommernachtstraum" in der Ludwigsstadter Hermann-Söllner-HalleMartin Modes
Eie Szene aus dem "Sommernachtstraum" in der Ludwigsstadter Hermann-Söllner-HalleMartin Modes
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Am Mittwoch feierten die Shakespeare-Spiele Ludwigsstadt in der Hermann-Söllner-Halle Premiere. Während sich draußen der Herbst warm läuft, entsteht drinnen auf der Bühne eine romantisch-schwüle Atmosphäre.

Verwirrungen, Missverständnisse und Entwirrungen - darauf läuft es bei Shakespeare-Komödien immer hinaus. Schauspielchef Daniel Leistner betonte, dass es sich beim "Sommernachtstraum" um eines seiner Lieblingsstücke handelt - und wenn man sich da nicht amüsiere, wisse er auch nicht mehr weiter. Klingt bekannt, halt Leistner pur, der sein Publikum jedes Jahr an seiner persönlichen Theaterwelt teilhaben lässt.

Geniale Gauklertruppe

Auch bei einem Shakespeare ist das Vergnügen nicht automatisch garantiert - und speziell beim Sommernachtstraum. Denn die Gauklertruppe, die zur Fürstenhochzeit ihren Beitrag leisten will mit der Tragödie von Pyramus und Thispe - pardon, die Truppe völlig unbegabter schauspielender Handwerker - kann schon sehr nerven. Das Spiel im Spiel, das die "Meisters" im verzauberten Wald proben wollen und bei dem sie wegen ihres zum Esel verwandelten Kumpels Zettel schon an den Proben scheitern, dehnt sich in manchen Theateraufführungen endlos gähnend aus. Schließlich lenkt es auch noch von der Hauptgeschichte um die verzauberten jungen Liebespaare ab.

Und diesmal? Meister Peter Squenz und seine chaotisch-überforderte Schar mit Meister Schnauz, Meister Schlucker, Meister Schnock, Meister Flaul und Meister Zettel stehlen der Hauptgeschichte die Schau.

Erhard Witte als Theseus, Fürst von Athen, gibt einen wohlwollenden Landesvater, sehr getragen und doch mit großer Autorität ausgestattet. Wahrscheinlich gilt auch hier - ein großer Mann hat immer eine starke Frau im Hintergrund. Und das ist ganz offensichtlich Hippolyta, die Königin der Amazonen (Corina Georgi), die souverän die Herausforderung der stummen, stets beäugten Rolle auf der Bühne meistert - mit dem wohlwollenden landesmütterlichen und strahlendsten Lächeln des Abends.

Zurück zur Gauklertruppe: Evi Heyder als Zeremonienmeister Meister Squenz hat ihre Truppe wichtigtuerischer Knaben souverän im Griff. Und der Sschaupielernachwuchs wie Bruno Treuner haut stilsicher seine Pointen und frechen Sprüche raus. Besonders vergnüglich ist Rico Wurzbacher, als Transvestiten-Komödiantin Thispe. Und fast schon zu erwarten: Den "Schaustehlern" von der Gauklertruppe setzt einer die Krone auf - Astrid Vetter als Zettel. Der ist so penetrant egomanisch blöd und liebenswert, dass er den ganzen Abend alleine rocken würde.

Und obwohl der totalste Selbstdarsteller überhaupt, unter seinen Handwerkerkollegen und beim Publikum ist er der sympathische Held, der den Abend rockt. Außerdem läuft er als Elfenkönigin Titanias vorübergehend geliebter Esel noch mal ganz anders zur Hochform aus. Und die Maske ist einfach "bomfortionös".

Nicht zu vergessen: Die Handwerker sind diesmal auch die Ludschter Dialekt-Truppe und holen in ihrem geschlossenen Spiel das maximale raus für den heimischen Dialekt.

Dialektfrei hochsprachlich dagegen geht's im Zauberwald von Nachtschattenchef Oberon und dessen Gemahlin, der Elfenkönigin Titania, zu. Wiederum Erhard Witte, diesmal statt Athener Fürst gleich ein Götterkönig, wieder mit einer starken Frau an seiner Seite, die aber von ganz anderem Kaliber ist. Manja Hünlein als Titania liefert die einzigen Momente, in denen es gendergerecht zugeht. Weibliche Souveränität trifft auf männlichen Herrschaftsanspruch - und bricht. Eigentlich vergibt sie sich gar nichts, als sie den armen Schlucker Zettel in Eselsverwandlung wegen einer Zauberblume zu ihrem Herzbrecher auserkoren hat.

Und dann auch noch diese hippen Athener Jugendlichen. Wobei die richtigen Schauspieler auch schon Jahre bis Jahrzehnte (!) aus dem Teenageralter raus sind: Hermia (Julia Knauer), die sich selbst als "Wuchtbrumme" sieht, ganz weiblich üppig und "Püppchen" Helena (Anja Barthen), die sich für hässlich hält, sind in unentwirrbare Liebeshändel mit den beiden jungen Herren aus gutem Hause, Demetrius (Daniel Leistner) und Lysander (Julian Rauh) verstrickt. Ein Mekka für Psychologen: Die Mädels lieben ihre Jungs. Aber beide Jungs lieben erst das eine Mädel. Dann werden sie verzaubert und lieben das andere Mädel. Und dann wird der eine entzaubert, damit alles aufgeht.

Dazwischen liegt der Zickenkrieg, eine Schlacht der Frauen, die beide schwere Komplexe mit sich rumschleppen, sich je nach Sachlage von ihren Kerlen gerne demütigen oder ungern anhimmeln lassen. Denn schön und in ihren dekolletierten Kleidern schön anzusehen sind sie beide, aber das glauben sie vorsichtshalber ja nicht. Nötig ist jetzt noch eins: Ein Lob an die Bühnenbildner und Techniker für die schwül-romantische Atmosphäre und die keltisch-irisch-verzaubernde Musik. Und das wars.

Standing Ovations

Fast. Da fehlt noch einer. Besser gesagt eine, die völlig außer Konkurrenz läuft. Gerti Wurzbacher als Puck, "Robin Goodfellow", bösartig-wohlwollender Geist, der die Liebeshändel erst durcheinanderbringt. Im letzten Jahr in der Jokerrolle des Pfiffikus mit geschätzten 342 Posen und Grimassen omnipräsent. In diesem Jahr mit 342 anderen Grimmassen ebenso quirlig, aber für ihre Verhältnisse geradezu seriös. Als romantischer Zeremonienmeister ist sie gemeinsam mit Titania Ursache von allem Herzschmerz.

Die Stimmung ist aufs Publikum übergeschwappt - es goutiert die Leistung mit Standing Ovations, ehe die Schauspieler auch noch das Bad in der Menge nehmen und sich selbst am meisten in der eigens aufgestellten Selfie-Box vergnügen.

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