Kronach
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Helios-Frankenwaldklinik: Vorsitzender des Betriebsrates nennt Zustände "Arbeiterstrich"

Nach der Kritik von Politikern macht nun auch der Betriebsratsvorsitzende der Helios-Frankenwaldklinik dem Geschäftsführer schwere Vorwürfe.
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"Zu wenig Zeit, um sich vernünftig um die Patienten zu kümmern." Dieser in einem Brandbrief an den Landrat geäußerte Vorwurf der Pflegekräfte der Station 2 löste die aktuelle Debatte rund um die Helios-Frankenwaldklinik in Kronach aus. Symbolfoto: Kzenon/fotolia.com
"Zu wenig Zeit, um sich vernünftig um die Patienten zu kümmern." Dieser in einem Brandbrief an den Landrat geäußerte Vorwurf der Pflegekräfte der Station 2 löste die aktuelle Debatte rund um die Helios-Frankenwaldklinik in Kronach aus. Symbolfoto: Kzenon/fotolia.com

"Der Geschäftsführer macht seinen Job nicht", sagt Manfred Burdich. "Er führt die Geschäfte nicht, sondern schlägt sich nur durch", äußert der Betriebsratsvorsitzende der Helios-Frankenwaldklinik schwere Vorwürfe in Richtung Christian Kloeters, der die Kronacher Klinik seit Januar 2017 leitet.

Situation in der Frankenwaldklinik verschärft sich: Deutliche Kritik von Politikern des Klinikbeirats

Damit ist Burdich nicht alleine: Mit MdL Jürgen Baumgärtnerer, der schon länger scharfer Kloeters-Kritiker ist, sowie Landrat Klaus Löffler (CSU) und SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzendem Richard Rauh, die sich erstmals so klar positioniert hatten, haben auch drei Politiker des Klinikbeirats deutliche Worte gefunden. Der Landrat sprach etwa davon, dass die Versorgungssicherheit der Bürger in Gefahr sei.

Patient steht am Ende der Kette

"Unter dem Strich bleibt es am Patienten hängen", schildert auch Manfred Burdich seine Eindrücke aus der Klinik, um die es seit Monaten Debatten gibt - wegen des baulichen Zustands, aber vor allem auch wegen der nach Meinung vieler zu geringen Personaldecke.

Der aktuellen Diskussion vorausgegangen war ein an den Landrat adressierter "Brandbrief", wie Löffler das Schreiben der für Kardiologie und Innere Medizin zuständigen Station 2 nannte. Darin kritisieren Mitarbeiter, dass sie überlastet seien und dadurch die Betreuung der Patienten leide.

"Vom Schönreden wird nichts besser. Das Schreiben der Station war ein Hilferuf. Sie wollen nur ihre Probleme verbessern", stellt sich Betriebsratsvorsitzender Burdich vor die Mitarbeiter. Sie drängten lediglich auf die Einhaltung von Mindeststandards, die die Geschäftsführung selbst so kommuniziert habe. Dies sei ein legitimer Anspruch, den sie bereits vor einigen Monaten intern so kommuniziert hätten.

Wechsel zwischen Abteilungen

Burdich nennt die Zustände einen "Arbeiterstrich". Immer wieder würden Mitarbeiter kurzfristig von einer Abteilung der Klinik auf eine andere geschickt, weil dort gerade ein personeller Engpass herrsche. Damit, so Burdich, stopfe man Löcher, indem man woanders welche aufreiße. "Die Mitarbeiter müssen sich ständig neu einarbeiten. Das macht Menschen auf Dauer kaputt."

Deshalb versteht Burdich die Kritik der Politiker. "Ist doch klar, dass sie sauer sind, wenn sie mit Vorwürfen von Mitarbeitern konfrontiert werden, aber keine Information erhalten. Denn der Landkreis Kronach hält nach der Privatisierung nur noch fünf Prozent der Klinikanteile. Die hiesigen Politiker haben kein Mitsprache-, sondern lediglich über den Klinikbeirat ein Informationsrecht. Doch auch dieses konnten sie 2018 bislang nicht wahrnehmen.

Denn in diesem Jahr gab es bislang noch kein Beiratstreffen. "Das ist eigentlich ein Skandal", meint Burdich. Eine geplante Zusammenkunft sei von den Politikern wegen eines wichtigen Termins in München abgesagt worden. Weitere Terminvorschläge von Seiten der Klinikleitung seien ihm nicht bekannt. "Es wird immer so dargestellt, als ob etwas getan wird. Tatsächlich wird aber viel Luft bewegt und es ändert sich nichts", kritisiert Burdich.

Mittlerweile ist die Situation der Kronacher Klinik auch außerhalb des Landkreises Thema. Am Montag waren Mitarbeiter des in Coburg sitzenden Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Oberfranken zusammen mit Vertretern des Kronacher Gesundheitsamts im Krankenhaus.

Den Vorwurf, ihre Kontrollaufgaben nicht wahrgenommen zu haben, weist die Regierung von Oberfranken in einer Stellungnahme zurück. Regierungssprecher Jakob Daubner teilte am Freitag mit: "Das Gewerbeaufsichtsamt hat die Aufgabe, Kliniken im Hinblick auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu kontrollieren. Dabei werden auch die Arbeitszeiten der Mitarbeiter geprüft. Das Gewerbeaufsichtsamt hat nach Bekanntwerden der ursprünglichen Vorwürfe umgehend reagiert und kontrolliert."

Kein Bußgeld notwendig

Das Ergebnis: Bußgeldrelevante Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz wurden nicht festgestellt. Die Arbeitszeitüberschreitungen seien von Ausnahmetatbeständen im Arbeitszeitgesetz und im Tarifvertrag gedeckt gewesen. Bei Gesprächen mit Pflegekräften der Station 2 habe sich aber herausgestellt, dass die Probleme aus der innerbetrieblichen Organisation resultieren.

Daubner: "Die innerbetriebliche Organisation liegt aber im Verantwortungsbereich der Klinikleitung. Die Ergebnisse der Kontrolle wurden mit der Klinikleitung und dem Betriebsrat eingehend besprochen."

Als Sofortmaßnahme, so der Regierungssprecher, soll "ein Orga-Team gebildet werden, in dem Ärzte, Pflegepersonal und Hilfskräfte vertreten sind." Dieses soll die internen Arbeitsabläufe für den Stationsalltag verbindlich festlegen und auf die Einhaltung des vom dafür zuständigen "Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus" festgelegten Personalschlüssels achten. Bislang sei dieser rechtsverbindliche Wert aber nicht unterschritten worden. Daubner: "Das Gewerbeaufsichtsamt wird die Situation weiter überwachen und eingreifen, sollte es Verstöße im Hinblick auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz geben."

Für Betriebsratsvorsitzenden Burdich geht dies nicht weit genug. "Durch die Geschäftsleitung ist nach der Kontrolle nichts unternommen worden außer Einschüchterungsversuche der Mitarbeiter." Schon einen Tag nach der Kontrolle habe den Betriebsrat die nächste Überlastungsanzeige erreicht.

Das sagt Helios zu Vorwürfen

Der Helios-Konzern hat dem von Kreis-Politikern und Betriebsrat kritisierten Geschäftsführer Christian Kloeters am Freitag den Rücken gestärkt.

Marcus Sommer, Regionalgeschäftsführer der Helios-Kliniken der Region Süd teilte unserer Redaktion mit: "Wir nehmen unseren medizinischen Versorgungsauftrag als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung für Kronach und Umgebung sehr ernst. Ein gutes Miteinander mit Patienten, Partnern und der lokalen Politik ist uns sehr wichtig."

Umso mehr irritiere es ihn, so Sommer, dass ein Helios-Entscheidungsträger öffentlich vorgeführt und demontiert werde. "Ich stehe uneingeschränkt hinter Herrn Kloeters. Es ist aus meiner Sicht höchst befremdlich, dass aus den Reihen des Beirats öffentlich die Abberufung des Geschäftsführers gefordert wird. Ein solches Vorgehen sehe ich als äußerst kontraproduktiv für die Bewältigung der in Kronach zweifelsohne bestehenden Herausforderungen."

Mittlerweile sei auch ein Termin im November für die nächste Beiratssitzung gefunden worden. Sommer: "Ich möchte diesen nutzen, mir selbst ein Bild vor Ort machen und mit den Beiratsmitgliedern in den direkten Austausch treten."

Kommentar von Andreas Schmitt: Der Fehler liegt im System

Im Kronacher Krankenhaus läuft einiges schief. Zum Wohle der Patienten muss dringend gehandelt werden. Vertuschen ist sinnlos. Diese Einsicht sollte nach dem Brandbrief der Station 2 bei allen Beteiligten angekommen sein.

Wie groß der Anteil von Klinik-Geschäftsführer Christian Kloeters an dem negativen Dreisatz aus teilweise veralteten Gebäuden, zu knapp bemessenem Personalschlüssel und zu wenig deutschsprachigen Ärzten ist, ist schwer zu messen. Sicherlich hat Kloeters die schlechte Lage zu spät erkannt - oder er hat sie ignoriert und schön geredet. Der Ursprung der Misere aber liegt in der Privatisierung der Klinik. Denn ein Krankenhaus als Unternehmen aufzuziehen, das Gewinne erwirtschaften soll, ist grundsätzlich falsch. Gesundheit sollte eine über Steuergelder abgesicherte Grundaufgabe des Staates sein - wie Sicherheit, Straßenpflege oder Wasseranschluss.

Wie lange jemand behandelt wird, sollte eine Unternehmensbilanz nicht beeinflussen. Genau dies tut es aber in Kronach, wo Helios wie jede Firma nach Gewinn strebt. Kloeters, ein kleines Licht im Konzern, muss versuchen, Geld mit den Kranken einer strukturschwachen Region zu scheffeln. Und das im Rahmen eines DRG-Abrechnungssystems, das Entgelte für Krankenhäuser nach Fallpauschalen bemisst und nicht nach Patienten-Bedarf. Eine fast unlösbare Aufgabe.



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