Tettau

Heinz kritisiert Politiker

Der Unternehmer fordert die Politiker erneut auf, sich Gedanken um die Energieversorgung zu machen - schließlich stünden zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel.
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Millionen investierte die energieintensive Glasindustrie in den letzten Jahren in der Region. Jetzt wird nachdem der Atom- und gleichzeitige Kohleausstieg beschlossen wurde - in der Region um die Versorgungssicherheit und um die Arbeitsplätze gebangt.  Foto: Archiv/Schadeck
Millionen investierte die energieintensive Glasindustrie in den letzten Jahren in der Region. Jetzt wird nachdem der Atom- und gleichzeitige Kohleausstieg beschlossen wurde - in der Region um die Versorgungssicherheit und um die Arbeitsplätze gebangt. Foto: Archiv/Schadeck

Es war am Freitag eine Jubilarehrung bei der Heinz-Gruppe und trotzdem, der Präsident Carl-August Heinz konnte in seiner Rede nicht verbergen, dass er sich um die Zukunft der energieintensiven Unternehmen in der Region große Sorgen macht. Der Grund ist die Bewältigung die Energiewende.

Und auch Holger Kempf von der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie fürchtet um Stellenbau der Glasindustrie in der Rennsteig-Region.

Deshalb setzen sowohl Unternehmer und auch die IG BCE, auf die gemeinsam verfasste "Tettauer Erklärung", die beim Energiegipfel Anfang April in Tettau beschlossen und nun auch verfasst wurde. Diese soll demnächst an den Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier überreicht werden.

In der "Tettauer Erklärung" bekennen sich die Glasindustrie, die IG BCE und die Lokalpolitik zum politischen Ziel des Klimaschutzes. Dieses soll aber durchdacht und mit Maß durchgeführt werden.

Mit ihren Produkten leiste die Glasindustrie bereits einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit, heißt es darin. Betont wird auch, dass die Produkte der Glasindustrie nicht zu ersetzen seien. Wenn diese nicht in Deutschland hergestellt würden, so müsste Glas aus Ländern importiert werden, die sich noch nicht zum Klimaschutz bekennen. Die Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

In der "Tettauer Erklärung" wird daher Versorgungssicherheit und Netzausbau gefordert. Weiterhin die Beibehaltung der Entlastungsregelungen bei Storm und Energie, eine Rechts- und Planungssicherheit und bezüglich der Netzentgeltberechnungen eine Gleichstellung zwischen Stadt und Land.

Bei den Ausführungen von Carl-August Heinz bei der Jubilarehrung wurde deutlich, dass er sich mehr Unterstützung seitens der Regionalpolitik bezüglich Energieversorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Strompreise wünscht.

Windräder spalten Gemüter

Carl-August Heinz betonte, dass die Glasindustrie in der Rennsteig-Region zu über 50 Prozent den Landkreis finanziere. Für Carl-August Heinz steht fest, dass es - wenn man nun aus der Atom- und bis 2023 auch aus der Kohlenergie aussteigt - es ohne einen Grundlastkraftwerk, Stromtrassen und Windräder nicht gehen wird.

In seiner Ansprache äußerte er sein Unverständnis darüber, dass im Tettauer Winkel und am Rennsteig - obwohl dieses Gebiet laut Windatlas nach der Küste zum zweitstärksten Windgebiet zählt - keine Windkrafträder zugelassen werden. Und er meint: "Drei große Windräder könnten den Strombedarf der Heinz-Glashütte und den von Kleintettau decken!" Die Begründung, dass dies zu Nachteilen für den Tourismus führen würde, könne er nicht nachvollziehen. Der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (Bft) betonte auf Nachfrage, dass die heimische Politik sehr wohl die Industrie unterstütze.

Bezüglich Windkraft könne er sich durchaus vorstellen, dass diese zur Stromerzeugung in der Region genutzt wird. Voraussetzung: "Die Windräder fügen sich in das Landschaftsbild ein."

Was die Stromleitungen von Norden nach Süden betrifft, so meint Ebertsch, dass diese in Nähe einer starken Infrastruktur angebracht werden sollten. "Es könne nicht sein, dass die Coburger Autobahn- und ICE-Anschluss haben und wir die Stromleitungen - von denen die Glasindustrie eh nicht profitieren würde!"

Die Anregungen von Carl-August Heinz, durch in der Region erzeugte Windkraft die Energieversorgungssicherheit mit zu gewährleisten, werde derzeit geprüft, so MdL Jürgen Baumgärtner (CSU). Er stellt nicht so sehr den Standort, sondern durch das komplizierte Ausschreibungsverfahren vor allem die Wirtschaftlichkeit von Windkraft infrage.

Söder soll Unternehmer einladen

Er nehme die Sorgen der Glasindustrie sehr ernst, betont Baumgärtner. Und durchaus sehe er auch viele Arbeitsplätze in Gefahr. Für ihn stehe außer Frage, dass dringend Handlungsbedarf besteht. Deshalb sollen nun die Unternehmer der Glasindustrie demnächst vom Ministerpräsident Söder eingeladen werden.

Altmaier endlich Konzept vorlegen

Zudem wird seitens der Staatsregierung der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, aufgefordert, nun endlich ein schlüssiges Konzept vorzulegen, wie denn die Energiewende mit dem Atom- und gleichzeitigen Kohleausstieg zu bewältigen sei. "Je höher man in der Hierarchie angesiedelt ist, desto mehr könne man bewegen!"

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