Tettau
Wirtschaft

Heinz-Glas will 105 Millionen Euro in den Kleintettauer Hauptsitz investieren

In vier Jahren feiert die Heinz-Glas-Gruppe ihr 400-jähriges Bestehen. Bis dahin sollen gleich mehrere Weichen gestellt werden.
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Der Unternehmer Carl-August Heinz ist stolz auf die lange Familientradition. Foto: Veronika Schadeck
Der Unternehmer Carl-August Heinz ist stolz auf die lange Familientradition. Foto: Veronika Schadeck

Ein eigenes Büro hat er nicht mehr. Chef von rund 3000 Mitarbeitern, davon 1500 in der Region, ist er aber nach wie vor, beschäftigt - und damit weiterhin einer der größten Arbeitgeber im Kreis Kronach. Auch mit 68 Jahren fühlt sich Carl-August Heinz noch nicht wirklich reif für die Rente: Nach wie vor ist er an rund 15 Tagen im Monat weltweit unterwegs, um an seinen Unternehmensstandorten Präsenz zu zeigen. Denn noch ist sein Sechs-Jahres-Plan nicht vollendet.

Und bis es 2022 soweit ist, soll seine Heinz-Glas-Gruppe 168 Millionen Euro in ihre regionalen Standorte in Piesau, Spechtsbrunn, Langenau und Kleintettau investiert haben. 105 Millionen Euro davon fließen in den Stammsitz. Passenderweise wird das 1622 gegründete Unternehmen dann 400 Jahre alt, was in Piesau gebührend gefeiert werden soll. Bis dahin will Carl August Heinz seinen Job gut machen - sofern es seine Gesundheit zulässt.

Carl-August Heinz hat vieles erreicht im Leben, nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Gemeinde Tettau und die Rennsteig-Region. Sein Wort hat Gewicht. Auch wenn er damit mitunter aneckt. Seit 1977 führt er die Heinz-Glas Group. Der damals 27-Jährige wurde nach dem frühen Tod seines Vaters seinerzeit ins berühmte kalte Wasser geschmissen. "Es ist ein gutes Gefühl, das Erbe meiner Vorfahren nicht ruiniert zu haben", sagt er rückblickend.

Die meisten seiner Unternehmensentscheidungen hätten positive Ergebnisse gebracht, ist er überzeugt. Allerdings sei ihm oftmals auch das Glück zur Seite gesprungen. Glück sei unter anderem die "gute Mannschaft" gewesen, die er von seinem Vater übernahm. Nur dank deren Unterstützung habe er 1985 den Mut gehabt, mit dem Erwerb einer Glashütte in Südbelgien die Firma zu internationalisieren.

Expansionen ins Ausland

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Ein zweiter Glücksfall folgte vier Jahre später: Die Grenzöffnung ermöglichte den Bürgern der ehemaligen DDR nicht nur, zu reisen, wohin sie wollen, sondern auch Heinz-Glas, den Standort in Kleintettau auszubauen. Aus 500 Mitarbeitern wurden 1500 und zur Auslandsniederlassung in Belgien kamen mit den Jahren weitere hinzu. Zunächst in Polen (1992), dann in den USA (1997) und schließlich in China (2005) sowie Peru (2006). Die jüngste eröffnete vergangenes Jahr in Indien.

Dieses Werk im Bundesstaat Gujarat stecke allerdings noch in den Kinderschuhen, erzählt Heinz. Trotzdem werden bereits jetzt von dort aus Glasflakons auch nach Russland exportiert. Derzeit ist eine Wanne mit drei Produktionslinien in Betrieb. Fünf weitere könnten noch mit angeschlossen werden.

Düfte und Farben

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Eine Glasflakon-Produktionsstätte in Indien zu schaffen, sei zukunftsweisend, ist der Unternehmer überzeugt. Indien entwickelt sich zum Staat mit den weltweit meisten Einwohnern - die Düfte und Farben lieben. Da sich dort sukzessive ein Mittelstand entwickelt, kann sich Carl-August Heinz durchaus vorstellen, dass sich Indien zu einem großen Markt für Parfüm und Kosmetik entwickelt.

In China steht die Produktion hingegen momentan still. Die Heinz-Gruppe ist vor drei Jahren aus dem 2005 gegründeten Joint Venture ausgestiegen, will kommendes Jahr aber in einem Industriepark zwischen Shanghai und Nanchang wieder mit der Produktion von Glasflakon starten.

Nicht immer deutsche Maßstäbe ansetzen

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In Lima (Peru) produziert die Heinz-Gruppe auf einer Wanne mit vier Linien Glasflakons. Es gilt, so Carl-August Heinz, von dort aus den heimischen und südamerikanischen Markt zu bedienen. In den vergangenen zehn Jahren sei dort der Mittelstand gewachsen und die Kaufkraft habe zugenommen. "Es muss einem klar sein, dass man nicht immer deutsche Maßstäbe ansetzen kann", weiß er. In solchen Kulturkreisen müsse man sich den Mensch auch ein Stück weit anpassen. Das bedeute beispielsweise, sich mit deren Geschichte befassen, den Menschen zuzuhören und zu zeigen, dass man bereit ist, sich anzunähern.

Sorge bereitet dem 68-Jährigen neben der politischen Entwicklung in Deutschland auch die Versorgungssicherheit mit Energie. Die Menschen werden erst aufwachsen, wenn eine richtig schwere Energiekrise kommt, ist er überzeugt. Bedingt durch die heißen Sommertemperaturen sei die Energieerzeugung bereits an ihre Grenzen gestoßen. Es sei eine windarme Zeit. Die Sonne sei zu viel für die Solarkollektoren - mit der Folge, dass nur die halbe Leistung an Energie von dort geliefert wird. Zudem fehle es an Kühlwasser für die Kraftwerke und an Leitungen, die den Strom über weite Strecke in den Süden transportieren. Er hält kurz inne und ergänzt: "Ich habe auch im Zuge der Energiewende das Vertrauen in die Politik verloren." Den Unternehmen werde eine Rechtssicherheit "vorgegaukelt", die im Endeffekt keine ist. "Das alles dämpft die Investitionsbereitschaft!"

Als eine weitere Herausforderung bezeichnet Carl-August Heinz die Gewinnung von Fachkräften. Er beobachtet einen "Akademisierungswahn", der aufhören müsse. Auch werden aufgrund der Überalterung der Gesellschaft künftig Konsumenten fehlen. Denn die Erfahrung zeige ihm: "Alte Leute haben Angst vor der Verarmung, sie sparen jeden Cent!"

Trotz aller Herausforderungen werde Heinz-Glas aber in der Region bleiben, verspricht der Unternehmer. "Wir sind Traditionalisten, wir können hier nicht einfach alle Zelte abbrechen und wir wollen es auch nicht!" Und wie sieht es und mit einer Expansion nach Afrika aus? "Diesen Schritt muss die nächste Generation übernehmen", sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Denn irgendwann steht sogar für Carl-August Heinz einmal der Ruhestand an.

Hintergrund: Das ist die Heinz-Glas-Group

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Die Heinz-Glas-Group mit Hauptstandort in Kleintettau ist eine Unternehmensgruppe zur Herstellung und Veredelung von Glasflakons für die Parfüm und Kosmetikindustrie. Der Unternehmensbereich Heinz Plastics stellt Kunststoffbehältnisse und -verschlüsse her.

Das Unternehmen agiert in 16 Ländern und an zwölf Standorten. Die Glas- und Kunststoffproduktion findet in Deutschland, Indien, Peru, Polen und der Schweiz statt. Veredelungsstandorte gibt es in Deutschland, Indien, Peru, Polen und Tschechien. Hinzu kommen Vertriebsniederlassungen in den USA, England, Spanien und China.

Gründung des Unternehmens: 1622

Erwarteter Umsatz in 2018: 310 Millionen Euro weltweit , davon 210 Millionen Euro in Deutschland.

Täglich werden in den Glaswerken in Kleintettau und Piesau jeweils eine Million Glasflakon produziert, davon werden 75 Prozent nachveredelt, überwiegend in der Region, insbesondere in Spechtsbrunn.



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