Kronach
Projekt

"Handy-Erklärer" helfen Senioren in Kronach

Im "Medien-Café" des BRK-Mehrgenerationenhauses Kronach unterstützen Schüler ältere Menschen bei kleinen oder größeren Technikproblemen.
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Die "Handy-Erklärer" Noel, Kilian und Luan erklären den technikaffinen Damen verschiedene Funktionen der Handys und Smartphones. Mit im Bild ist die Projektleiterin Ivonne Schmidt (rechts hinten).  Heike Schülein
Die "Handy-Erklärer" Noel, Kilian und Luan erklären den technikaffinen Damen verschiedene Funktionen der Handys und Smartphones. Mit im Bild ist die Projektleiterin Ivonne Schmidt (rechts hinten). Heike Schülein

Klingeln, Piepen, Vibrieren: Im Tages-Café im BRK-Seniorenhaus "glühen" die Smartphones und Handys an diesem Nachmittag um die Wette. Bei Kaffee und Kuchen haben es sich Edith Wagner, Gudrun Häublein, Gerda Jakob und die älteste im Bunde, die nur Brigitte genannt werden möchte, bequem gemacht. Wie gebannt starren die vier auf den Bildschirm ihrer Mobiltelefone, drücken Tasten, geben Zahlen oder Buchstaben ein.

Die Szenerie beschreibt glücklicherweise nicht die neueste Konversationsform des 21. Jahrhunderts, die das gute alte Kaffeekränzchen ersetzt, sondern den offenen Treff "Smart@Phone - auf Tuchfühlung mit dem Internet". Bei dem alle 14 Tage stattfindenden Schulungsangebot beraten die Sechst- bzw. bald Siebtklässler Joel, Luan und Kilian vorwiegend ältere Menschen im Umgang mit Einstellungen und Apps. Sie erklären die Nutzung und versuchen, deren Fragen rund um alle gängigen digitalen Medien zu beantworten - ein Service des BRK-Mehrgenerationenhauses Kronach, der dank eines Förderprogramms des bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales völlig kostenlos ist.

Oft nur Feinheiten

Die vier Damen, die an diesem Nachmittag die Hilfe der Realschüler in Anspruch nehmen, können durchaus ihr Handy beziehungsweise Smartphone bedienen. "Es sind meistens nur Feinheiten, bei denen sie nicht weiterwissen. Das Hauptthema ist oftmals der Umgang mit WhatsApp - beispielsweise das Verschicken von Bildern", erzählt Ivonne Schmidt. Die Mitarbeiterin im Serviceteam "Lebensqualität für Generationen" des BRK Kreisverbands Kronach zeichnet für das seit April sehr erfolgreich laufende Angebot verantwortlich.

Bis zu zehn technikaffine ältere Menschen nehmen jeweils daran teil. Einige von ihnen sind jedes Mal dabei; es stoßen aber auch immer wieder neue Interessierte dazu. Von der Sinnhaftigkeit des Projekts, mit dem man die vielen positiven Möglichkeiten der neuen Medien aufzeigen möchte, ist Schmidt überzeugt. Medienkompetenz werde ihrer Meinung nach heutzutage immer wichtiger - gerade auch für Senioren, um zum Beispiel mit woanders lebenden Verwandten zu kommunizieren. Neue Medien könnten somit einen wertvollen Beitrag für eine selbständige Lebensführung älterer Menschen und zu deren Teilhabe an der modernen Gesellschaft beitragen.

Um deren kleinen oder auch manchmal größeren Probleme mit Internet & Co. lösen zu können, brauche es keine "Profis". "Die jungen Leute wachsen ja damit auf. Sie haben einen ganz anderen Zugang zu den Neuen Medien und kennen sich bestens aus", zeigt sie sich voller Dankbarkeit den drei Jungs gegenüber, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen.

Der Teufel steckt im Detail

Mit 84 Jahren ist an diesem Nachmittag Brigitte die älteste Besucherin des "Medien-Cafés". Wie die anderen Teilnehmerinnen ist auch sie sich durchaus der Vorteile des modernen Kommunikationsmittels bewusst und möchte nicht mehr darauf verzichten. Der Teufel stecke aber manchmal im Detail, sprich in Kleinigkeiten bei der Nutzung. "Es gibt halt nicht für alles eine Gebrauchsanweisung", pflichtet ihr Edith Wagner bei, die sich beispielsweise die Zusammenstellung verschiedener Musiktitel hat erklären lassen. Auch Gudrun Häublein und Gerda Jakob können sehr gut mit ihren Handys umgehen. Sie interessieren sich unter anderem dafür, wie man ein großes Panorama-Bild machen kann, um es dann Bekannten zu schicken. "Die Schüler sind sehr geduldig und freundlich und erklären alles ruhig und verständlich", loben die Damen die jungen Leute, die ganz individuell auf ihre einzelnen Anliegen eingehen. Obwohl man sich ja vorher nicht gekannt habe, sei der Bann gleich gebrochen gewesen. Dabei scheinen sich die drei in ihrer Rolle als "Handy-Erklärer" wohl zu fühlen.

Ein schönes Gefühl

Der 13-jährige Kilian ist der Sohn von Ivonne Schmidt, der auch seine beiden, ein Jahr jüngeren Klassenkameraden der Siegmund-Loewe-Realschule, Noel und Luan, für dieses Ehrenamt begeistern konnte. Die Kenntnisse in Sachen Handy haben sich diese selbst durch Testen und Ausprobieren angeeignet, weil sie sich einfach dafür interessieren. "Jedes Handy ist zwar etwas anders", wissen die offensichtlich technisch sehr begabten Jungs. Aber wenn man erst einmal den Dreh raushabe, komme man schnell hinter die Eigenarten des jeweiligen Gerätes. Für sie sei es ein schönes Gefühl, den Senioren etwas beibringen zu können. Dass sie dabei ihre freie Zeit opferten, mache ihnen nichts aus. Im Gegenteil: "Wir helfen gerne", so der einhellige Tenor.

Überzeugt zeigt sich Ivonne Schmidt, dass die Jugendlichen auch selbst von dem Projekt profitierten. Indem diese ihr Wissen an Ältere weitergäben, könnten sie wertvolle Erfahrungen im Umgang mit ihnen sammeln und Dankbarkeit erfahren.

Während die vier Damen gleich ihr neu erworbenes Wissen mit sichtlichem Stolz an ihren Handys ausprobieren, die ersten Panorama-Bilder machen und per WhatsApp verschicken, betritt ein älteres Ehepaar das Medien-Café - neue Arbeit für die drei Handy-Spezialisten!

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